Geistige Rosenkranz-Perlen

 

1. Der Rosenkranz, den die Italiener „Corona“ nennen, war sonst immer der Schmuck der Großen und des Volkes, der Räte der Fürsten wie der Krieger. Die Bürger und Edelleute beteten Ihn, wenn sie vor die Stadt auf das Feld hinaus und dann wieder heimgingen, die Parteien in den Gerichtshöfen, während sie auf ihre Sachwalter warteten, die Christen aller Stände, indem sie sich die Ablässe von entfernten Kirchen holten. Selbst die Könige gaben ein erbauliches Beispiel hierin.

In den hehren Tagen des gläubigen Mittelalters erzählte man sich aber auch vom Rosenkranz die sehr anmutige Sage: „Dass nämlich an der Seite eines jeden Christen, der ihn mit Andacht bete, ein Engel stehe, der an einem Goldfaden bei jedem Ave Maria eine Rose und bei jedem Vaterunser eine Goldlilie reihe, und, nachdem er das Haupt des frommen Verehrers der Himmelskönigin mit diesen Blumen gekrönt habe, verschwinde, einen wunderlieblichen Rosen- und Lilien-Duft zurücklassend.“

 

2. Die Königin von Schottland und ihre großen Vasallen trugen Rosenkränze von Goldkügelchen. Die kühnen Ritter machten sich einfachere von Haselnüssen, die die Herbstsonne vergoldet hatte. Die goldenen Rosenkränze verschwanden aber mit der letzten katholischen Königin, der armen Maria.

Die Georgier und die italienischen Völker verwendeten zu ihren Rosenkränzen die Kerne des Baumes Apedara (Melia azedarach), den die Italiener jetzt noch den „Baum der Paternoster“ nennen.

Die Spanier verfertigten ihre Rosenkränze mit Kügelchen, die man aus Rosenholz schnitzte, und die Japaner benutzen zu ihren Rosenkränzen gar liebliche Kristallkügelchen.

 

3. Johannes von Baudricourt, Marschall in Frankreich und Statthalter von Burgund, hielt einen hölzernen Rosenkranz, den er vom heiligen Franziskus von Paula zum Geschenk empfangen, in hohen Ehren. Eines Morgens vermisste er ihn zu seinem größten Leid. Der Diener, der die Kleider des Marschalls besorgen musste, hatte aus Unachtsamkeit aus der Tasche den Rosenkranz ins Feuer fallen lassen. Man fand ihn aber einen Tag später unversehrt in der Asche des Kamins.

 

4. Die heilige Rosa von Lima, dieser Engel in Menschengestalt, diese erste Himmelsblüte auf dem Boden Amerikas, sagt: „Im heiligen Rosenkranz finde ich alles vereinigt, was das innere Gebet nur immer Erhabenes, Süßes und Trostvolles hat, und das mündliche Gebet vor Gott angenehm macht. Und soll das leerer, geistloser Lippendienst sein, wenn wir, indem wir beten, jedes Geheimnis des Rosenkranzes zu Gemüte führen, beherzigen und tief ins Gedächtnis einprägen?!“

 

5. St. Franziskus Xaverius, dieser große Apostel der Indianer, trug, um sich öffentlich als einen Diener Marias zu zeigen, stets einen Rosenkranz am Hals, und wirkte durch ihn die meisten Wunder, auf dass die Neubekehrten mit desto größerer Andacht den heiligen Rosenkranz beten möchten. Und auf ihn zeigend rief er aus: „Ich habe dich, Maria, du Königin des Rosenkranzes, zu meiner Schirmerin erwählt. Erwirke mir durch deine Fürbitte Vergebung meiner Sünden und der Sünden aller, die mir anvertraut sind!“

 

6. Alphons I., König von Portugal, pflegte zu seinen Ministern zu sagen: „Rufen wir die allerseligste Jungfrau Maria an, dass ihr Rosenkranz die Hilfe bei der Verwaltung meines Reiches sei!“

 

7. Johannes I., König von Böhmen, pflegte sehr oft an seine Freunde die Äußerung zu tun: „Ja, nächst den heiligen Sakramenten, setze ich auf die Rosenkranz-Andacht die Hoffnung meines ewigen Lebens!“

 

8. Casimir II., König von Polen, schrieb nach Rom an den General der Dominikaner: „Ich bitte, senden Sie mir Rosenkranz-Prediger, denn diese sind die geeignetsten Reformatoren meines Reiches!“

 

9. Der fromme Joseph Haydn, der so ausgezeichnete Künstler in der Musik, der die „Schöpfung der Welt“, die „sieben Worte des sterbenden Erlösers“, die „vier Jahreszeiten“ usw. in unvergleichlichen Tönen verherrlicht hat, entgegnete denen, die seine hohe Meisterschaft bewunderten: „Wenn ich den Rosenkranz gebetet habe, dann kommen wir die himmlischen Gedanken und Töne nur so zugeflogen, und ich finde kaum Zeit, sie schnell genug niederzuschreiben!“

 

10. Der heilige Franziskus von Paula pflegte schon als Junge auch zur kältesten Winterzeit mit entblößtem Haupt den heiligen Rosenkranz zu beten. Da dies seiner Mutter gewahr wurde und besorgte, es könnte der Gesundheit des Jungen schaden, bedeutete sie ihm, dass er doch das Haupt bedecken sollte. Und Franziskus gab ihr die folgende sehr merkwürdige Antwort: „Liebe Mutter! Wenn ich mit einer irdischen Königin zu reden hätte, so würdest du mir gewiss befehlen, vor ihr nur mit entblößtem Haupt zu erscheinen. Wie viel mehr denn geziemt es sich, dass ich diese Ehrerbietung beobachte, wenn ich mit Maria, der Muttergottes, der mächtigsten Königin des Himmels und der Erde, rede?“ Und so beständig blieb der Heilige in der Übung dieser Andacht, dass er vom 13. Lebensjahr an bis zum letzten Tag seines Lebens den heiligen Rosenkranz zu beten niemals unterließ.

 

11. Der heilige Bernhard von Siena pflegte allezeit mit gebeugten Knien und mit bloßen Füßen den Rosenkranz zu beten, um durch das Ertragen einiger Beschwerlichkeit der allerseligsten Jungfrau Maria – neben der Andacht – zugleich ein Opfer der Abtötung darzubringen.

 

12. Die heilige Gertrudis, diese eifrige Beterin des heiligen Rosenkranzes, wurde eines Tages mit einer gar lieblichen Vision erquickt. Sie sah nämlich vor den Füßen Jesu so viele Kügelchen von Gold liegen, als sie beim Rosenkranz-Beten Ave-Maria-Grüße ausgesprochen hatte, und bemerkte gleichfalls, wie der Herr diese Goldkügelchen auflas und sie seiner gebenedeiten Mutter darreichte, die sie huldvoll aufnahm und sprach: „Ich will diese Gaben der Gertrudis in ihrem Sterbestündlein mit ebenso vielen Gnaden vergelten!“

 

13. Die selige Cäcilia, dem Dominikaner-Orden angehörig, eine ehrwürdige Jungfrau und innige Verehrerin Marias, empfand beim andächtigen Beten des heiligen Rosenkranzes stets eine himmlische Beseligung. Auf ihrem Sterbebett sah sie die Königin des Himmels und einige Heilige, die sie täglich anzurufen gewohnt war. Als ihre Verzückung endete, rief sie in heißester Sehnsucht aus: „Wo ist mein liebster Jesus? Wo ist der Bräutigam meines Herzens? Wo ist seine heilige Mutter?“ Nachdem sie verschieden war, dufteten ihre Hände den Wohlgeruch von Rosen aus, zum Lohn: dass sie fast immer den heiligen Rosenkranz umfingen, den die Marien-Dienerin in ihrem Leben so viele tausend Male gebetet hatte.

 

14. Der heilige Andreas Avellinus konnte als Kind kaum noch reden, als er bereits den Rosenkranz zu beten begann. Später betete er zu Ehren der heiligen Jungfrau täglich den ganzen Marianischen Psalter und ihre kleinen Tagzeiten. Mangelte ihm ob der Ausführung notwendiger Geschäfte die Zeit dazu, so kürzte er die Mahlzeit ab, um der geliebten himmlischen Mutter seinen Tribut der Andacht darzubringen. Wie wohlgefällig Maria die Andacht ihres frommen Dieners gewesen ist, zeigte sich nach seinem Tod. Vier Jahre vor seinem Hinscheiden nämlich hatte er einen Apfelkern in das Gartenland gelegt. Aus diesem Kern wuchs ein stattlicher Baum empor, der gerade fünfzehn schöne rosige Äpfel trug: zum Sinnbild der fünfzehn Geheimnisse des heiligen Rosenkranzes. Merkwürdig war auch, dass sich immer wieder dieselbe Zahl vervollständigte, wenn man auch den einen oder anderen Apfel pflückte, und dass die Blätter, Blüten und Früchte des Baumes den Kranken Linderung und Genesung verschafften.

 

15. Dr. Alois Flir, weiland Rektor der deutschen Nationalkirche „S. Maria dell` Anima“ zu Rom, schrieb im Jahr 1855, in der Nacht des heiligen Dreifaltigkeitssonntags, an einen seiner Freunde in der tirolischen Heimat:

„Es waren nun, seit meines Aufenthaltes in Rom, drei Prinzen aus dem Norden hier: Georg von Sachsen, Adalbert von Bayern und Ferdinand Max, Erzherzog von Österreich. Mit allen dreien kam ich in Berührung. Der Erzherzog Ferdinand Max verehrte mir einen Rosenkranz mit den Worten: „Nehmen Sie dies kleine Andenken, und wenn Sie den Rosenkranz beten, schließen Sie mich ein!“