"Dieser Rosenkranz hat mich gerettet"

 

Ein Priester wurde zu einer Kranken gerufen, die in einer Straße unter der Hausnummer 28 wohnte. Irrtümlicherweise ging er in das Haus Nr. 18 hinein. Er stieg in den ersten Stock und fand nur verschlossene Türen; er stieg in den zweiten Stock hinauf, wo ihm ein Kind ein Zimmer zeigte, worin eine Kranke liege.

 

Er fand wirklich in dem Zimmer eine kranke Frau, neben deren Bett ein Mann von ungefähr fünfzig Jahren saß.

 

Der Priester fragte ihn: „Wie geht es Ihrer Frau?“ „Das geht Sie nichts an; was haben Sie überhaupt hier zu suchen? Wer hat Sie gerufen?“ „Es hat mich jemand zu einer Kranken gerufen. Vielleicht habe ich mich in der Hausnummer geirrt, aber ich glaube doch auf jeden Fall, dass ich auch hier von Nutzen sein könnte. Es ist ohne Zweifel eine Fügung Gottes, dass ich zu Ihrer Frau gekommen bin.“ „Ja gewiss hat Sie der liebe Gott hierher geführt“, flüsterte die Frau mit sterbender Stimme, „ich will gerne beichten.“ „Durchaus nicht“, erwiderte der Mann, „seit zehn Jahren hat kein Priester seinen Fuß hier ins Haus gesetzt. Lassen Sie uns in Ruhe, Herr Pfarrer, und kümmern Sie sich nicht um unsere Angelegenheiten.“ „Mein Freund“, sagte der Pfarrer, „die Seele Ihrer Frau gehört Ihnen nicht. Also werde ich sie Beichte hören und meine Pflicht tun, Sie wollen uns daher eine Weile allein lassen.“ Der Mann brummte noch etwas, ging aber dann doch hinaus. Dann zeigte die Frau ihm einen Rosenkranz, der neben ihr hing und sagte: „Sehen Sie, dieser Rosenkranz hat mich gerettet. Seit zehn Jahren habe ich vor Furcht vor meinem Mann Gott und meine Religion verlassen, aber doch an jedem Tag noch ein Gebet des Rosenkranzes gebetet.“ Darauf bereitete sich die totkranke Frau durch eine reumütige Beichte auf ihr bald folgendes gottergebenes Hinscheiden vor.