Des heiligen Dominicus Rosenkranz

 

Es ruht in stillem Schweigen

Ringsum die weite Flur;

Leis` flüstert`s in den Zweigen,

Als bete die Natur.

 

Die Sonne winkt vom Hügel

Im Westen ihr „Ade!“

Es spannt die Nacht die Flügel,

Bedeckt der Menschheit Weh.

 

Vom Himmel ruft den Seinen

Der liebe Gott „Gut Nacht!“

Und lässt den Mond hell scheinen

Zum Zeichen, dass er wacht.

 

Die Menschen sehn`s und legen

Getrost sich still zur Ruh`;

Wer noch auf fremden Wegen,

Eilt schnell dem Heime zu.

 

Nur dort geht noch ein Wand`rer

Zu später nächt`ger Zeit,

In einem schwarzen Mantel,

Darunter weißes Kleid.

 

Dominicus, der heil`ge,

Ihn nennen Land und Leut`,

Dem Menschenherzen retten

Des Herzens einz`ge Freud`.

 

Auch heute bracht` dem Volke

Das Gotteswort er dar;

Doch ist sein traurig Bangen,

Dass es vergebens war.

 

D`rum, da der Tag vergangen,

Er zur Capelle geht,

Die auf des Berges Höhe

In heil`ger Ruhe steht.

 

Dort vor des Kirchleins Schwelle

Bleibt stille heut er steh`n,

Und betet für die Menschen

In heißem Liebesfleh`n.

 

Es schweift sein ernstes Auge

In`s weite Tal hinaus,

In dem, von Nacht umhüllet,

Gedrängt liegt Haus an Haus.

 

Und wie er still so blicket,

Ohn` Wort und ohne Laut,

Ihm manche bitt`re Träne

Vom trüben Auge taut.

 

Sag` an, du heil`ger Vater!

Wozu die bitt`re Trän`? –

„Weil, ach, so viele Menschen

Verloren ewig geh`n.“

 

„Ach, dass ich helfen könnte!“ –

So fleht sein liebend Herz,

Und weinend schaut sein Auge

Zum Vater himmelwärts.

 

Da tönt wie Geisterstimme,

Leis` zitternd, silberhell,

Den Gruß des Herrn das Glöcklein

Vom Turme der Capell`.

 

Da öffnet er die Türe,

Kniet zum Altare hin,

Worauf im Bilde thronet

Der Christen Helferin.

 

„Du Mutter voll der Gnaden,

Getreue Mutter mein,

O lass doch meine Worte

Nicht ganz vergebens sein!“

 

Er spricht`s, und mit dem Glöcklein

Verklingt auch sein Gebet;

Und traurig, bitter weinend,

Er beim Altare steht.

 

Auf`s Neue tiefe Stille

Und Dunkel herrscht umher;

Das ew`ge Lämpchen zittert,

Malt flimmernd hin und her.

 

„Dominicus!“ so tönt es

Da plötzlich an sein Ohr;

Und forschend schaut sein Auge

Zum Bilde froh empor.

 

„Dominicus!“ ruft`s wieder;

Und wie er hin sich wandt`,

Das Jesuskind reicht nieder

Ein Röschen ihm zur Hand.

 

Und ohne lang` zu denken,

Wirft er`s Maria zu

Und betet still ein „Ave!“

Maria, hilf doch du!

 

Und wieder gibt ein Röschen

Ihm froh der Jesusknab`;

Dominicus getreulich

Es gibt der Mutter ab.

 

Und als er hundertfünfzig

Maria so gebracht,

Da hat die Mutter Gottes

D`raus einen Kranz gemacht.

 

Dem reicht sie ihrem Kinde

Voll Freud` und Mutterglück;

Da pflückt die Röschen wieder

Dominicus zurück.

 

Und wie er nun die Rosen

Auf`s Neu` der Mutter ganz

Geweiht, auch ihm die Mutter

Reicht einen Rosenkranz.

 

Und in dem Rosenkranze

Aus seiner Mutter Hand

Dominicus erkannte

Des Sieges Unterpfand.