Der Rosenkranz und die Sterbenden

 

Von allen Gebetsübungen zu Ehren der Mutter Gottes ist ohne Zweifel der Rosenkranz die erhabenste und die am meisten verbreitete. Allen Heiligen, vom heiligen Dominikus angefangen bis heute, war der Rosenkranz sehr lieb. Es war das beliebteste Gebet der demütigen Schäferin Germana Cousin. Der heilige Johannes Berchmans wollte neben dem Kruzifix und dem Regelbuch der Gesellschaft Jesu auch den Rosenkranz in der Hand haltend sterben. Der heilige Franz von Sales hatte das Gelübde gemacht, jeden Tag den Rosenkranz zu beten. Der heilige Franz Xaver, der Apostel von Indien, trug den Rosenkranz Tag und Nacht am Hals; dasselbe tat auch der heilige Benediktus Labre, der sonderbare Pilger des 18. Jahrhunderts. Dem heiligen Alfons Rodriguez hatte sich mit der Zeit wegen des fortwährenden Durchgleitens des Rosenkranzes am Daumen und am Zeigefinger eine Höhlung gebildet. „Ein einziges Gegrüßet seist du, Maria, des Rosenkranzes hat mehr Wert als die ganze Welt“, sagte der heilige Alfons von Liguori. Eines Abends, als sein Leben sich dem Ende zuneigte, wurde der heilige Greis von der Angst ergriffen, weil er im Zweifel war, ob er an jenem Tag das Rosenkranzgebet verrichtet habe. Der Laienbruder, der damals als Krankenpfleger den Heiligen bediente, sagte ihm, um ihn zu beruhigen: „Gnädiger Herr, es scheint mir, wir haben es schon miteinander verrichtet.“ Der Heilige antwortete: „Es scheint Ihnen! Es scheint Ihnen!..., aber sind Sie denn wirklich gewiss? Wissen Sie nicht, dass von dieser Andachtsübung mein ewiges Heil abhängt?“ Er wollte nicht einschlafen, bis er der Mutter Gottes die Huldigung seiner kindlichen Andacht geleistet hatte. „Seht hier den kostbaren Schatz des Vatikans“, sagte Pius IX. einer Pilgerschar, indem er ihnen den Rosenkranz zeigte. Manche gute Menschen sagen sogar mutig, dass die heilige Kirche Maria auf die Schwelle der Ewigkeit gesetzt habe, damit sie denjenigen Vertrauen einflöße, welche sie zu überschreiten haben. Ist es uns auch nur selten möglich, den armen Sterbenden von Maria zu erzählen, so bietet sich uns doch oft die Gelegenheit, zu Maria von den armen Sterbenden zu erzählen, und wir könnten ihre Sache nicht besser vertreten als durch die andächtige Verrichtung des Rosenkranzgebetes. Wie ist es denn auch möglich, dass wir täglich fünfzigmal zu Maria beten: Bitte für uns Sünder jetzt und in der Stunde unseres Todes, und dass diese mitleidvolle Mutter uns oder einer anderen Seele, für die wir beten, nicht die große Gnade eines guten Todes erlange? Bekanntlich ist schon der bloße Name Maria ein Schrecken für die Teufel und jagt sie sofort in die Flucht. Wie oft hat sich der Satan gezwungen gesehen, bei der bloßen Anrufung des Namens Mariä die Seelen, welcher er sich bereits sicher war, wieder freizulassen! Der heilige Dominikus hat mit dem Rosenkranz Südfrankreich von den Albigensern befreit. Der heilige Pius V. hat durch das Rosenkranzgebet mächtig zu dem Sieg der Christen über die Türken bei Lepanto am 7. Oktober 1571 beigetragen. Mit dem Rosenkranz in der Hand gelang es den ersten Missionaren in vielen fernen Ländern den christlichen Glauben im Auftrag des Herrn zu verkünden und die Menschen zu Christus und seiner Kirche zu führen. Legen auch wir dieses mächtige Werkzeug des Apostolates niemals aus unserer Hand. Wenn wir den Rosenkranz beten, vergessen wir auch nicht, einige Gegrüßet seist du, Maria, für die armen Sterbenden aufzuopfern. Der Rosenkranz wurde mit Recht einmal der Inbegriff des Christentums genannt.