Der Rosenkranz als Lebensretter

 

Vor vielen Jahren starb in einer Stadt am Rhein ein hochbetagter Mann, der seine letzten Jahre nur mit Beten und guten Werken zubrachte. Das war aber nicht immer so Brauch in seinem Leben. Sein großes Vermögen und das Weltleben führten ihn nach dem Tod seiner Eltern von dem rechten Weg ab zu einem religiös gleichgültigen und verkommenen Leben. So kam es, dass er selbst an Selbstmord dachte; aber Gott hatte ihm eine fromme, mitleidige Schwester gegeben, welcher die Verirrung ihres Bruders unsäglich zu Herzen ging. Sie betete täglich einen Rosenkranz für den unglücklichen Bruder und betete ihn fünfzehn Jahre lang, ohne den gewünschten Erfolg zu sehen. Eines Tages nun, wie sie frühmorgens zur Kirche kam, fand sie ihren Bruder darin, tief erschüttert und weinend. Was hatte ihn nach so langer Zeit wieder einmal in die Kirche geführt? In der Morgenfrühe war er auf die Rheinbrücke gegangen, um sich ins Wasser zu stürzen. Da stieß er mit dem Fuß an etwas. Sogleich verspürte er eine unwiderstehliche Macht, sich zu bücken und den angestoßenen Gegenstand aufzuheben. Und was war es? - –in Rosenkranz, den jemand auf der Brücke verloren hatte.