Der rettende Rosenkranz

 

(aus: Geschichten vom heiligen Rosenkranz)

 

Der fromme Arzt Gaultier von Chlaubry ließ sich im Jahr 1805 in der Pfarrkirche des heiligen Thomas von Aquin zu Paris in die Bruderschaft des heiligen Rosenkranzes aufnehmen.

 

In dem genannten Jahr zog er als Feld-Chirurg in den Krieg – mit dem festen Entschluss: immer und überall seine Pflicht als katholischer Christ und als Mitglied der Rosenkranz-Bruderschaft treu zu erfüllen. Und was er gelobte, das hielt er auch. Er trug den Rosenkranz immer bei sich und betete ihn tagtäglich.

 

Im Jahr 1808 befand er sich zu Madrid in Spanien, als dort jene Verschwörung ausbrach, in der das spanische Volk während mehreren Stunden schonungslos alle Franzosen, die damals unter Napoleon I. Spanien zu unterjochen suchten, mordete, die in seine Hände fielen. – Am Tag vorher hatte der Chirurg gerade – nach der Vorschrift der Bruderschaft – die heiligen Sakramente empfangen und ging zur Zeit des Aufruhrs, nicht ahnend die schrecklichen Gewalttaten, aus seiner Wohnung um sich auf seinen Posten zu verfügen. Alsbald sah er sich von einer wütenden Rotte umgeben, die, in ihm einen französischen Offizier erkennend, ihn schwer misshandelte und bereits Miene machte, ihn zu ermorden. In dieser allergrößten Gefahr rief er flehend zu Gott um dessen Gnade, und zu Maria um den Beistand ihrer Fürbitten. Da er in diesem furchtbaren Augenblick hörte, wie die Spanier die Franzosen „Ungläubige“ und „Gottesleugner“ nannten, fuhr ihm blitzschnell ein guter Gedanke durch die Seele. „O nein,“ rief er den Rasenden zu, „ich bin kein Ungläubiger! Hier – seht den Beweis!“ Bei diesen Worten zog er schnell seinen Rosenkranz aus der Tasche. Kaum hatten ihn die Mörder bemerkt, als sie, wie von höherer Macht überwältigt, still standen. Einige jedoch schienen noch unentschlossen, als in ihre Mitte ein Mann trat, der die Rettung des mit dem Tod bedrohten vollendete. Es war der Glöckner jener Kapelle, in der der Chirurg die heilige Kommunion empfing. Der Glöckner bezeugte: „diesen Mann habe ich gestern als frommen Katholiken in der Kirche beichten und die heilige Kommunion empfangen sehen.“ – Nun verwandelte sich der Hass in Liebe, die Mordlust in Ehrfurcht und sie führten ihn selbst in ein Haus, worin er gegen jegliche Gefahr sicheren Schirm fand.

 

Als später der Chirurg wieder nach Frankreich zurückkehrte, ließ er zu Paris in der Kirche des heiligen Thomas von Aquin zur feierlichen Danksagung für seine Errettung eine neuntägige Andacht halten und verkündete laut: „Die Königin des heiligen Rosenkranzes hat mich siegreich beschützt!“