Der lebendige Rosenkranz

 

(Aus: Der lebendige Rosenkranz von Michael Sintzel)

 

1. Gleichwie unter allen Blumen die Rose sich bewunderungswürdig auszeichnet und den Vorzug verdient – wegen ihrer besonderen Schönheit und glänzenden Farben sowohl, als auch ob ihres so lieblichen Geruches und ihrer heilsamen Wirkungen. In ähnlicher Weise behauptet der heilige Rosenkranz unter allen Andachtsübungen den ersten Platz, denn er prangt in den hochherrlichsten Geheimnissen unseres Heils, die in ihm enthalten sind.

 

Die Rose besteht aus grünen Blättern, spitzigen Dornen und der anmutigen, süßduftigen Blume, wovon die grünen Blätter gar sinnvoll den freudenreichen – die Dornen den schmerzensreichen – und die Blume selbst den glorreichen Rosenkranz andeuten.

 

Die heiligen Väter vergleichen dieses Gebet auch mit einer Krone. Die fünfzehn Vaterunser sind – ebenso viele golfflimmernde Sterne und die hundertundfünfzig Ave-Maria – Rosen, da ja Unsere Liebe Frau von der heiligen katholischen Kirche „Geistliche Rose“ genannt wird. Der selige Alanus de Rupe sagt dahin bezüglich: „Der Psalter Mariä ist eine Krone der Glorie, geschliffen aus dem Gold der Liebe und aus dem Edelstein der Verdienste der allerseligsten Jungfrau Maria.“

 

Oder eine andere Erläuterung: Der Kranz mit weißen Rosen stellt uns den freudenreichen Rosenkranz dar, worin die unbefleckt empfangene und stets makellos gebliebene Jungfrau Maria mit himmlischer Freude erfüllt wird – durch die wunderbare Empfängnis, Geburt, Aufopferung und das Wiederfinden des göttlichen Sohnes. – Und mit Johannes und Elisabeth sollen wir uns des menschgewordenen Sohnes Gottes freuen. – Der Kranz mit roten Rosen ist uns der schmerzensreiche Rosenkranz. – O, betrachten wir da, wie Jesus so viele und schreckliche Schmach, Angst, Pein und Leiden erduldete, bis er auch den letzten seiner kostbaren Blutstropfen für uns am Kreuz vergossen, auf dass er sich ganz und gar zur unendlichen Genugtuung für unsere Sünden dem himmlischen Vater aufopferte. Betrachten wir, wie die Gottheit die Bitterkeit der Leiden in dem Gottmenschen nicht schwächte, ja über die Maßen noch erhöhte durch die unaussprechbare Empfindung, durch die lebhafteste Vorstellung der Größe, Menge und Abscheulichkeit der Sünden, und indem die göttliche Allmacht bewirkte, dass die Ohnmacht der Menschheit nicht unterliege, bis der von Gott bestimmte Augenblick kam, da Christus rief: „Es ist vollbracht!“ – Betrachten wir da Marias Seele, mit dem Gottheiland ans Kreuz genagelt. Die Durchbohrung des Herzens Jesu ist die Durchbohrung ihrer Seele. Jetzt, unter dem Marterbaum auf Golgatha stehend, bringt sie mit ihrem inniggeliebten Sohn, auch sich selbst dem himmlischen Vater zum Opfer dar, wie sie ehedessen im Tempel dem Allerhöchsten diese Opferung angelobt hatte. Sie sollte nicht nur keusch, wie die Jungfrauen, rein, wie die Engel, beider Königin, sie sollte auch eine „Königin der Martyrer“ heißen. – O schmerzhafteste Mutter, trage Mitleiden mit all unserem Elend – um deiner allerbittersten Pein, um des Kreuzes Jesu Christi willen. – Der Kranz mit goldgelben Rosen ist uns der glorreiche Rosenkranz, der Strahlenkranz der ewigen Glorie und Herrlichkeit, mit der die heilige Muttergottes – im Triumph von den heiligen Engeln zum Himmel erhoben – durch die allerheiligste Dreifaltigkeit gekrönt worden ist. Christus wollte vor allen Engeln und Menschen diejenige der Seele und dem Leib nach verherrlichen, die ihm, dem Eingeborenen Sohn des himmlischen Vaters, als unbefleckte Jungfrau Mutter war. Er hat sie, die seine treueste und heiligste Dienerin hienieden gewesen ist, jenseits zur Königin des Himmels erhoben. – O bitten wir die von Gott Verherrlichte, dass wir durch ihre mächtige Fürbitte auch dereinst der Anschauung Gottes und ihrer Verherrlichung uns erfreuen mögen.

 

Domenico Zampiéri, bekannter unter dem Namen Domenichino, ein berühmter Maler der lombardischen Schule (geb. zu Bologna 1581), hat den Rosenkranz auf einem Altarbild in folgender Weise dargestellt. Die Himmelskönigin Maria ist von Engeln umgeben, von denen einige einen Blumenkranz, die anderen das Kreuz, wieder andere die Siegesfahne, vom Himmel herabschwebend, auf die Erde bringen. Auf der Erde selbst liegen viele andere verwelkte Blumenkränze, zerstückelte Kreuze und zerrissene Fahnen von jeglicher Gestalt und Farbe. – Über die Freude der Menschwerdung des Eingeborenen Sohnes Gottes in Maria und der Geburt aus ihr, erstirbt alle menschliche Lust. – Würden uns diese Blumen aus dem Paradies nicht gereicht, wie könnten wir uns der Blumen trösten, die morgens aufgehen und abends verwelkt sind? – Was würde uns in all dem verschiedenen Kreuz und Jammer dieser Welt den Mut erheben, so dass wir nicht verzagten, wenn nicht das Kreuz der Gnade, woran unser göttlicher Heiland starb, um uns den Kreuzweg zum Himmelsweg in seiner Nachfolge zu verklären? – Was würde es auch uns helfen, hätten wir selbst durch Beistand, Reichtum und Gewalt die ganze Welt an uns gebracht, würden wir durch den glorreichen Sieg über die Welt in Christus den Himmel nicht erobern, wozu uns der Osterfürst durch den andachtsvollen Dienst, den wir seiner gebenedeiten Mutter erweisen, gnädig verhelfen möge.

 

2. Der heilige Rosenkranz, dessen Schönheit und Anmut schon sein Name bezeichnet, ist aber ein uraltes, ehrwürdiges, gemeinschaftliches Gebet, von der katholischen Kirche selbst eingeführt und allen Gläubigen empfohlen, von den römischen Päpsten mit vielen Ablässen beschenkt, und von allen heiligen, also wahren Christen zu jeder Zeit mit inniger Freude und Andacht verrichtet worden. St. Franziskus von Sales z.B., dieser große Geisteslehrer, unterließ keinen Tag, den heiligen Rosenkranz zu beten. In der neuesten Zeit verrichtete der gottselige Bischof von Regensburg, Michael Wittmann, obgleich mit unglaublich vielen Arbeiten belastet, täglich das Gebet des heiligen Rosenkranzes, den er beständig bei sich trug.

 

Dieses verdienstliche, gnaden- und trostreiche Gebet ist ein öffentliches Bekenntnis unseres heiligen christkatholischen Glaubens, eine gemeinsame, öfters wiederholte Anbetung und Lobpreisung der allerheiligsten Dreifaltigkeit und eine kirchliche Verehrung der allerseligsten Jungfrau und Gottesmutter Maria, zugleich aber auch eine dankbare Erinnerung und Betrachtung der erhabensten und wichtigsten Geheimnisse und Wahrheiten unserer Religion, namentlich unserer göttlichen Erlösung durch den Eingeborenen Sohn Gottes Jesus Christus, seiner glorreichen Auferstehung und Himmelfahrt und der Sendung des Heiligen Geistes. Können wir nun ein schöneres und Kräftigeres Bekenntnis unseres Glaubens ablegen, als dieses, das die heiligen Apostel, von Christus und dem Heiligen Geist selbst unterrichtet, verfasst und gepredigt und mit ihrem Märtyrertod besiegelt haben? Kann wohl unsere Anbetung Gottes im Geist und in der Wahrheit auf eine würdigere und erhabenere Weise geschehen, als durch das Gebet, das uns unser lieber Herr und Heiland selbst gelehrt hat und zu sprechen befahl mit den Worten: „So sollt ihr beten!“? Kann es ein wirksameres Bittgebet beim himmlischen Vater geben, das da um alles Heilsame für die Seele und den Leib fleht, als durch die unendlichen Verdienste seines Eingeborenen Sohnes, den er liebt und an dem er sein Wohlgefallen hat? – Gebührt denn aber nicht auch Maria, der Mutter des Sohnes Gottes und Welterlösers, unsere aufrichtigste Verehrung und Dankbarkeit? Welche Verehrung aber kann ihr angenehmer sein, als jene, die ihr mit seinem Gruß der Erzengel Gabriel auf das Geheiß Gottes selbst erwiesen und die katholische Kirche ihr stets bezeigt hat? Und können wir vor Gott eine begnadetere, liebenswertere und mehr vermögende Fürbitterin in allen Anliegen anrufen, als Maria, die, wie sie hienieden zunächst der Krippe und dem Kreuz ihres Sohnes gestanden ist, jenseits nun die Allernächste am Thron seiner ewigen Glorie ist? – Dazu kommt noch der Segen und die Teilnahme der ganzen katholischen Kirche, die ihre Gebete und ihr Lob Gottes in den Psalmengesängen damit vereinigt. (Der sogenannte „Marianische Psalter“ – 150 Ave Maria – besitzt Ähnlichkeit mit dem Psalter des Königs David – 150 Psalmen –, und hat davon seinen Namen. Daher er auch eine Vereinigung mit dem allgemeinen Psalter-Gebet – Brevier- und Chorgebet – der Kirche ist, und bei den Laien desselben Stelle ersetzt und auch dafür gilt.) – Überdies ist das genannte liebreiche Gebet für jede christliche Seele, wenn sie es recht im Geist und nach dem Willen der Kirche verrichtet, die leichteste und schönste beständige Übung in dem so notwendigen innerlichen Gebet oder der Betrachtung, und zwar der heilsamsten – nämlich des Lebens, Leidens und Todes und der Verherrlichung Jesu und Mariä – wo man die herrlichsten und herzgewinnendsten und einladendsten Muster der Tugend und Vollkommenheit und die besten Lehren, Rat und Trost für alle Verhältnisse des inneren und äußeren Leben stets vor sich hat.

 

Was nun die so oftmalige, ja immerwährende Wiederholung derselben Gebete betrifft: - wiederholen denn nicht auch die Engel und die Heiligen im Himmel am Thron der allerheiligsten Dreifaltigkeit immer und immer dieselbe Lobpreisung? Die einzelne Rose, gewunden in einem Kranz von Rosen, prangt sie nicht mit erhöhter Anmut und frischerem Farbenschmelz? – Im 135. Psalm des König Davids wiederholen sich bei jedem Vers die Worte: „Denn deine Barmherzigkeit währt in Ewigkeit!“ So wiederholt Christus, als er in der Todesangst den blutigen Schweiß vergoss, mit steigender Inbrunst die Worte: „Vater, nimm diesen Leidenskelch von mir!“ zu drei Malen. – Sankt Franziskus von Assisi pflegte immerdar die Worte zu wiederholen: „Mein Gott und mein alles!“ Kniend, die Arme ausgestreckt, mit himmelwärts gerichteten Augen, und so in heiliger Entzückung ganze Nächte durchwachend, wiederholte er immer nur die Worte: „Mein Gott und mein alles!“ So wurde die heilige Theresia von Jesus durch die Betrachtung der unendlichen Freuden oder Qualen der Ewigkeit noch als ein Kind so tief ergriffen, dass die Eltern sie oft an abgelegenen Stätten des Hauses fanden, wo sie unausgesetzt die halblauten Worte wiederholte: „Ewig, ewig, ohne Ende!“ Und im Sterben rief sie, so lange sie noch zu beten vermochte, immerdar dieselben Worte ausjubelnd: „Ich bin ein Kind der Kirche!“ – Die Liebe ist sinnreich, sie ist aber auch einförmig, indem sie alles in dem einen Gegenstand ihrer Verehrung sucht und nicht ermüdet, den einen Ruf seiner Zuneigung fort und fort zu wiederholen. Die Liebe will dadurch nicht bewirken, dass Gott ihr Vertrauen etwa nicht vergesse, denn auch in den künstlichen und mannigfachsten Gebetsweisen würde sie ihm nichts neueres und Beweglicheres sagen. Im Gegenteil erweist sich das Suchen nach Vielem und Verschiedenem gar oft als das Zeichen, dass man das eine Rechte noch nicht gefunden habe. – Man kennt doch auch die eiserne Gewohnheit im Lasterhaften. Durch Wiederholung derselben Handlung ist ja die Sünde mehr und mehr erstarkt. Warum nun traut man in der Gottesliebe und Gottesfurcht demselben Mittel der Gewohnheit nicht eine ebenso große und segensreiche Gewalt zu? – Kann aber das von wahrhaft inniger Liebe zu Gott und zu Maria erfüllte und hochflammende Herz – das Lob Gottes und Marias oft genug wiederholen? Ist das treuergebene Herz je von diesen Lobeserhebungen und Liebesbezeigungen zu ersättigen? Kann das gute Kind auch nur für einen Augenblick aufhören, seinem Vater, seiner Mutter seine Liebe zu versichtbaren und seine allerwichtigsten Anliegen ihnen stets zu offenbaren? Genießen wir nicht tagtäglich, ja sogar öfter des Tages, das nämliche Brot, als die kräftigste und gedeihlichste Nahrung unseres Leibes, ohne dass es uns je gleichgültig, lästig, oder gar zuwider wird?

 

Wie angenehm und wohlgefällig Gott der heilige Rosenkranz ist – dieser so liebliche Kranz himmlisch-duftender Gebets- und Andachtsblumen – und welch kräftige Wirkungen er vor dem Thron seiner Allmacht und Barmherzigkeit habe. Dies zeigte der Herr gleich bei seiner Einführung durch den heiligen Dominikus im Jahr 1208, und seitdem immer auf die offenbarste, oft wundersame Weise, vorzüglich bei Gelegenheit allgemeiner oder besonderer Anliegen und Drangsale. Frohlockend ruft darum der heilige Alphons von Liguori aus: „O wie viel Gutes verdankt die Welt dieser herrlichen Andacht! O wie viele sind durch sie von ihren Sünden befreit, wie viele dadurch zu einem heiligen Leben angeleitet worden, verdanken ihr einen guten Tod!“

 

O wie so ganz geeignet ist daher dieses Gott und Maria so wohlgefällige gemeinschaftliche Gebet besonders für unsre in jeder Hinsicht so armselige, notbedrängte und von mancherlei Stürmen schwer bedrohte Zeit, we notwendig und wie heilsam: - um durch gemeinsames Zusammenbeten und gemeinsame Aufopferung der unendlichen Verdienste Jesu Christi und der Fürbitten Marias die Gerechtigkeit Gottes zu versöhnen, seine strengen Strafgerichte von uns abzuwenden und dafür seine väterliche Erbarmung und deren Segnungen über uns herabzuerbitten.

 

(Das heilige Rosenkranzgebet in seiner jetzigen Form ist veranlasst durch den heiligen Dominikus. Als nämlich im Jahr 1208 dieser große Diener Gottes und Marias, bei seinen riesenhaften Arbeiten gegen die Irrlehren der Albigenser, lange Zeit im glühendsten Eifer gepredigt, und sie oftmals überzeugt und beschämt hatte, aber dessen ungeachtet nur äußerst wenige von ihnen zur heiligen Kirche zurückführen konnte, verdoppelte er sein Gebet und seine Bußwerke, und wandte sich zumal in inbrünstiger Andacht an Maria, die Königin des Himmels, zu der er von frühester Jugend an die zärtlichste Liebe in seinem Herzen nährte und in seinem frommen Wandel versichtbarte, und flehte unter heißen Tränen zu ihr: die Herzen zu wenden und ihn durch ihre mächtige Fürbitte in seinen Missions-Arbeiten für das Heil der Seelen zu unterstützen. Da erschien ihm eines Tages die Mutter der göttlichen Gnade und Barmherzigkeit in ihrer Himmelsglorie, und lehrte ihn das Gebet des Rosenkranzes, den er nun – nebst den Vorzügen der heiligen Gottesgebärerin – überall verkündigte und lehrte, und in Folge dessen in kurzer Zeit über hunderttausend Seelen in den Schoß der alleinseligmachenden Kirche zurücklenkte und eine zahllose Menge großer Sünder bekehrte. – Bald nun verbreitete sich die heilige Rosenkranz-Andacht weitum in der Christenheit. Es bildeten sich Verbrüderungen (Bruderschaften) unter dem Namen des „heiligen Rosenkranzes“, und die Kirche erlaubte dem Prediger-Orden ein eigenes Fest desselben zu feiern, was auch Jahrhunderte hindurch mit großer Andacht geschah.)

 

3. Der lebendige Rosenkranz trägt diesen Namen darum, weil er ein Verein von Gläubigen ist, dessen Mitglieder dasselbe Zeichen darstellen, das Unsere Liebe Frau dem heiligen Dominikus als ein sicheres Unterpfand der göttlichen Erbarmungen zu verleihen sich würdigte, nur – dass der Rosenkranz, den dieser geliebte Diener Marias zu jener Zeit erhielt, heutigen Tages in einem Kranz von Herzen sich darstellt, deren Verein es sich zum Zweck macht: durch die tägliche Betrachtung der Geheimnisse des heiligen Rosenkranzes – Jesus und Maria wieder aufleben zu machen in den Herzen aller Gläubigen sowohl und vorerst in den Herzen der Vereinsgenossen, als auch in den Herzen der Sünder, deren Bekehrung der „lebendige Rosenkranz“ ohne Unterlass zu erflehen bemüht ist.

 

Um diesen so ersehnlichen Zweck zu erreichen, hat jedes Vereins-Mitglied täglich „ein Vaterunser, zehn Gegrüßet seist du Maria, und ein Ehre sei dem Vater usw.“ für die Erhaltung des Glaubens in den katholischen Reichen und für die Ausbreitung desselben in der ganzen Welt zu beten.

 

Die Einrichtung des lebendigen Rosenkranzes ist sehr einfach, und entspricht dem Sinnbild einer Rose, eines Rosenstockes und eines Rosengartens. – Das will sagen: Fünfzehn vereinte Personen, von denen einer der Vorsteher, oder eine die Vorsteherin ist, bilden eine Rose des lebendigen Rosenkranzes. – Elf Rosen, denen ein Rat oder eine Rätin vorsteht, bilden einen blühenden Rosenstock (von 165 Personen), - und die abermalige Vereinigung von fünfzehn dergleichen blühenden Rosenstöcken bildet einen Marianischen Rosengarten (von 2475 Personen). – Um jedoch der glorreichen Himmelskönigin Maria jene Huldigungen darzubringen, die der „lebendige Rosenkranz“ erzielt, ist es nicht nötig, sogleich einen blühenden Rosenstock oder gar Rosengarten zu bilden; auch eine einfache Rose desselben, aus fünfzehn reuevollen und demütigen Herzen zusammengesetzt, vermag schon die „Mutter der Barmherzigkeit“ zu rühren und durch ihre Fürbitten viele Gnaden von Gott zu erlangen.

 

Um die Ablässe zu gewinnen, die Seine Heiligkeit Papst Gregor XVI. dem Verein des lebendigen Rosenkranzes zu verleihen sich würdigte, ist notwendig: 1) dass fünfzehn Personen vereinigt seien; 2) dass jede dieser Personen in das Verzeichnis des Vorstehers oder der Vorsteherin dieser fünfzehn Mitglieder eingetragen sei, dass jedes Vereinsmitglied einen Monat hindurch täglich eins von den fünfzehn Geheimnissen des heiligen Rosenkranzes betrachte, und zur Ehre desselben ein Vaterunser, zehn Gegrüßet seist du Maria und ein Ehre sei dem Vater usw. in der oben erwähnten Absicht abbete. Auf solche Weise wird von diesen fünfzehn Personen alle Tage der ganze Rosenkranz (Psalter) gebetet.

 

Der Vorsteher oder die Vorsteherin eines jeden solchen Vereins von fünfzehn Personen hat die fünfzehn Geheimnisse des heiligen Rosenkranzes gedruckt auf abgesonderten Zetteln, die untereinander gemischt sind, und alle Monate an einem bestimmten Tag durch das Los verteilt werden. Um die monatliche Umwechselung derselben zu erleichtern, so losen der Vorsteher oder die Vorsteherin, da die fünfzehn Mitglieder sich nicht auf einmal versammeln können, mit noch dreien der Vereinsgenossen in der Art, dass jedes der Versammelten vier dieser Geheimnisse ziehe, eins für sich und drei für die Abwesenden, welchen sie dieselben sogleich zu überbringen sich verpflichten.

 

Man sieht wohl, dass die jedesmaligen Vorsteher und Vorsteherinnen selbst vom Glauben und der Liebe zu Jesus inniglich beseelt sein müssen, um allen vereinigten Personen – mit Hilfe der drei Mitglieder, die die Geheimnisse durch das Los verteilen, ebenfalls jene Gesinnungen einzuflößen, die die göttliche Gnade bereits in ihre Herzen gepflanzt hat.

 

Unter den verschiedenen Obliegenheiten, die dieser Verein in Frankreich sich auferlegt, um den daselbst in hohem Grad eingerissenen geistlichen Übeln zu steuern, fand er sich bewogen, die Vereinsmitglieder auch dahin zu bringen: dass jedes von ihnen im Namen aller anderen Mitglieder des „lebendigen Rosenkranzes“ jährlich einmal, als Ehren-Abbitte vor dem allerheiligsten Altarsakrament ein Stundengebet halte, und eine halbe Stunde hindurch den „heiligen Kreuzweg“ besuche: zur Genugtuung für die Beleidigungen, die Jesus Christus täglich in diesem allerheiligsten Sakrament zugefügt werden, und zum Trost und zur Hilfe der Seelen aller verstorbenen Vereinsmitglieder. Jene aber, die da Priester sind: dass sie außerdem noch einmal im Jahr in derselben Meinung (Intension) eine Heilige Messe lesen, und die Ordens-Personen: dass sie gleichfalls in der besagten Absicht einmal die heilige Kommunion empfangen. – Auf solche Art wird unserem göttlichen Heiland zu allen Zeiten der Tribut der Anbetung dargebracht – als eine Art Ersatz für die Schmach, die ihm in der anbetungswürdigsten Eucharistie seines Fleisches und Blutes von Un- und Irrgläubigen, sowie von verstockten Sündern und Spöttern usw. angetan wird, während auch die Armen Seelen der Verstorbenen nicht unbedacht bleiben, und fortan Linderung ihrer Leiden und oftmals gänzliche Erlösung erlangen. – Gewiss gar mächtige Gründe, den Eifer der Mitglieder des „lebendigen Rosenkranzes“ mehr und mehr zu entflammen!

 

Ablässe, die den Mitgliedern des „lebendigen Rosenkranzes“ verliehen wurden, sind:

 

a) Ein vollkommener Ablass am ersten feierlichen Tag nach ihrem Anschluss an den Verein.

b) Alle Ablässe, die seither mit dem Beten des heiligen Rosenkranzes verknüpft waren.

c) Einen Teilablass für jedes Mal, als man den angewiesenen Teil an Werktagen betet.

d) Einen Teilablass an den Sonn- und Feiertagen des Jahres, desgleichen alle Tage durch die ganze Oktav von Weihnachten, Ostern, Christi Himmelfahrt, Pfingsten, Fronleichnam und den Festen der Unbefleckten Empfängnis und Geburt Mariä.

e) Ein vollkommener Ablass an den hohen Festtagen: Weihnacht, Beschneidung (Neujahr), Heilige Drei Könige, Ostern, Christi Himmelfahrt, Pfingsten, Allerheiligste Dreifaltigkeit, Fronleichnam, St. Peter und St. Paul und Allerheiligen. Desgleichen an allen hohen, sowie an allen minderen Festtagen der allerseligsten Jungfrau Maria, und am dritten Sonntag eines Monats.

 

Die vollkommenen Ablässe können den Verstorbenen zugewendet werden. Um sie zu gewinnen, wird aber erfordert: dass man beichte, (an den genannten Tagen) die heilige Kommunion empfange, und in einer Kirche das gewöhnliche Ablassgebet verrichte. – Die Kranken vermögen die vorbezeichneten Ablässe gleichfalls zu gewinnen, wenn sie jene Gebete und Werke verrichten, die ihnen der Beichtvater, den sie gewählt haben, hierzu vorschreibt.

 

Ausgezogen aus dem Breve Seiner Heiligkeit des Papstes Gregor vom 27. Januar 1832:

 

„O schöner, gottgefälliger, kirchlicher Verein des lebendigen Rosenkranzes“! wie viel vermagst du, unterstützt durch die Fürbitten Marias, durch dein gemeinsames, demütiges und bußfertiges Gebet vor dem Thron des Allerhöchsten auszurichten und zu bewirken! O mögest du auch in unserem Vaterland so allgemein verbreitet werden und so großen Marien-Segen bringen, wie bereits in anderen Ländern. Der Herr gebe es! Es sei uns allen gnädig und barmherzig der dreieinige Gott, hochgelobt durch die Fürbitte der unbefleckten und allerseligsten Jungfrau Maria, der Mutter Gottes und unserer Mutter!