Der heilige Apostel und Evangelist Johannes - das erste Marienkind

 

Und wie der heilige Johannes das erste Marienkind war, so war er auch das würdigste und treueste von allen. Ihn hat eigens der liebe Gott vorbereitet und ihm eine solche Gnade jungfräulicher Reinheit und heiliger, himmlischer Liebe geschenkt, dass der liebe Heiland in der Todesstunde ruhig seine eigene heiligste und reinste Mutter ihm anvertrauen und schenken durfte. „Von derselben Stunde an nahm sie der Jünger zu sich“, so fügt das Evangelium bei (Joh 19,27). Als der liebe Heiland starb, war Maria etwa 50 Jahre alt und stand allein in der Welt, der heilige Josef war schon seit Jahren gestorben. Sie lebte noch etwa 10 bis 15 Jahre auf dieser Welt, der liebe Heiland wollte sie wohl noch so lange der jungen Kirche als Trösterin zurücklassen. Zu fürchten brauchte sich aber Maria in ihrer Einsamkeit und in der Trennung vom heiligen Josef und Jesus nicht.

 

Der heilige Johannes war ihr Tröster und ihr Beschützer, ihr Ernährer und ihre Stütze, er sorgte in allen Stücken für sie in größter Liebe und Verehrung, wie nur ein guter Sohn für seine liebste Mutter sorgen kann. Darum lesen wir auch, dass, während die übrigen Apostel hinauszogen, um nach dem Befehl des Herrn das Evangelium allen Völkern zu verkünden, der heilige Johannes in Jerusalem zurückblieb, um der Mutter Gottes zu dienen. Erst nach ihrer glorreichen Himmelfahrt zog auch er hinaus, um das Wort Gottes zu predigen.

 

Wie mag deshalb auch Maria den heiligen Johannes, den vertrautesten Jünger Jesu, ihren treuesten Diener, ihr liebstes Kind, die Freude und Stütze ihres Alters geliebt haben! Sollte es denn nicht auch jetzt der Mutter Gottes eine ganz besondere Freude sein, wenn alle Christen den heiligen Johannes hoch in Ehren halten?

 

Wenn jemand deiner eigenen Mutter viel Ehre und sonst viel Gutes erwiesen hätte, würdest du ihn nicht lieben müssen und dich ihm erkenntlich erzeigen wollen? Nun aber ist doch Maria auch deine Mutter, die du lieb hast wie deine eigene Mutter, und hat also der heilige Johannes deiner Mutter so treu gedient und ihr so viel Freude gemacht und Gutes angetan. Da musst du wohl den heiligen Johannes unter allen lieben Heiligen ganz vorzüglich liebhaben und ihm deine Dankbarkeit durch eifrige Verehrung auch beweisen.

 

Wir verehren die lieben Heiligen, weil sie Gottes getreue Diener und Freunde sind, wegen der übernatürlichen Gaben und Vorzüge, die sie von Gott empfangen haben, wegen des Tugendbeispiels, das sie uns gegeben haben; wir rufen die lieben Heiligen an, weil wir wissen, dass ihre Fürbitte bei Gott viel vermag. Trifft dies nicht alles beim heiligen Johannes in hervorragender Weise zu? Welch getreuer Diener und Freund Jesu Christi er war, wurde schon erwähnt. Auch von den himmlischen Gaben und Vorzügen, durch die der heilige Johannes von Gott ausgezeichnet wurde, wurde schon etwas gesagt; man muss noch hinzufügen, dass er Apostel und Evangelist war, und dass wir ihm das schönste von den 4 Evangelien zu verdanken haben. Sein Tugendbeispiel aber ist so ansprechend: Unversehrte, gottgeweihte Jungfräulichkeit, innigste Liebe zu Jesus und Maria, flammender Eifer für die Ehre Gottes und den Glauben an den göttlichen Erlöser, mitleidsvolle, opferwillige Nächstenliebe! Dass endlich seine Fürbitte bei Gott überaus mächtig sei, daran können wir auch nicht zweifeln. Um von anderem zu schweigen, wird nicht der heilige Johannes bei der Mutter Gottes viel, ja alles vermögen, deren treuer Diener und Sohn, Tröster und Beschützer er war? Ist aber die Mutter Gottes gewonnen, so ist ja alles gewonnen.

 

Darum verehre den heiligen Johannes und versuche es auch mit deinen Anliegen bei ihm! Das wird gewiss nicht umsonst sein, vorausgesetzt dass deine Anliegen vernünftig sind, und du dich bemühst, zu beten, wie ein Christ beten soll. Neben dem heiligen Josef kann man sich wohl keinen besseren Patron bei Jesus und Maria ausdenken, als gerade den heiligen Johannes. Heutzutage wird freilich er wenig, viel zu wenig in Anspruch genommen. Nun, umso besser für dich, denn dann hat er ja die Taschen noch voll, und kann umso reichlicher austeilen. Das ist freilich sehr menschlich geredet. Aber wahr ist es doch, gerade weil er heutzutage viel vergessen wird, darum sollen wir erst recht uns bemühen, das gut zu machen und den lieben heiligen Johannes umso fleißiger zu verehren und in unseren Nöten anzurufen, aber auch uns bemühen, auf sein schönes Tugendbeispiel acht zu haben. Das gilt natürlich an erster Stelle allen Marienverehrern und Freunden des heiligen Rosenkranzes.

 

Da wird mancher Mensch sagen: „Gewiss, gern! Aber was sollen wir denn zum heiligen Johannes beten? In unseren Gebetbüchern finden wir nicht viel von ihm.“ Das macht nichts. Bete zu Ehren des heiligen Johannes ruhig den heiligen Rosenkranz, den freudenreichen oder den schmerzhaften oder den glorreichen. Alle drei passen recht schön zu seiner Verehrung. Du wirst sogar, wenn du die heilige Geschichte recht kennst und etwas nachdenkst, in den Geheimnissen den heiligen Johannes wiederfinden können, jedenfalls hat er an allen Geheimnissen große Freude. Und wie schön kann der heilige Johannes dir helfen, den Rosenkranz gut zu beten, er war ja so innig vertraut mit den Geheimnissen Jesu und Mariä.

 

Willst du in der Liebe zu Jesus und Maria wachsen, willst du zunehmen an Reinheit der Seele, an Einsicht in die göttlichen Dinge, dann rufe öfters gerade zu dem heiligen Johannes!

 

Vom lieben heiligen Johannes wäre noch viel Schönes zu sagen und zu erzählen.