Das Fest des heiligen Rosenkranzes

 

Bis 1913 am ersten Sonntag im Oktober - seit 1913 am 7. Oktober

 

Der heilige Papst Pius V. (+1.5.1572) hat wegen des Sieges über die Türken bei Lepante am 7. Oktober 1571 das Fest Maria zum Siege allgemein zu feiern befohlen. Papst Gregor XIII. hat später verordnet, das Fest unter dem Namen Rosenkranzfest am ersten Sonntag im Oktober zu feiern.

 

Palladius und Sozomenus erzählen von Paulus, einem Abt in Lybien, der zu den Zeiten des heiligen Antonius des Eremiten (4. Jahrhundert) lebte, dass er jeden Tag einhundertmal das alte Gebet hersagte, das er an kleinen Steinchen abzuzählen pflegte. Als man den Leichnam der heiligen Gertrud, die im Jahr 667 gestorben war, erhob, fand man Kügelchen an einer Schnur gereiht neben ihr liegen, woran man nach Art der damaligen Rosenkränze schon eine bestimmte Zahl von Vaterunser und Ave Maria abzuzählen pflegte. Leo IV. im Jahre 847 zum Papst erwählt, befahl allen Soldaten, welche die Sarazenen von den Mauern Roms weggejagt hatten, sie sollten einen Rosenkranz von fünfzig Ave Maria bei sich tragen, und dieser Andacht schrieb er dann den Sieg zu, den die Soldaten erfochten hatten. Weiter liest man in dem Leben des heiligen Albertus: Er habe täglich 150 Mal seine Knie gebeugt und dabei jedes Mal ein Ave Maria gebetet. Schon früh war es besonders bei den Einsiedlern gebräuchlich, täglich statt der 150 Psalmen Davids 150 Ave Maria zu beten, die man wie die Psalmen mit dem Lobspruch auf die allerheiligste Dreifaltigkeit schloss und mit dem Vaterunser öfters unterbrach. So wurden auch später dreiundsechzig Ave Maria zum Andenken der dreiundsechzig Lebensjahre Marias gebetet, die man die Krone Mariens nannte.

 

Der Rosenkranz, so wie er jetzt überall gebräuchlich ist, wurde durch den Stifter des Predigerordens, den heiligen Dominikus (+ 6.8.1221) eingeführt, wie Papst Gregor XIII. in seiner Bulle vom Jahre 1577 bezeugt, wo er sagt: „Der heilige Dominikus, da er die meisten Provinzen Frankreichs und Italiens durch allerlei Drangsale, besonders aber durch die Ketzerei der Albigenser und anderer Irrtümer, die an verschiedenen Orten aufkeimten, heimgesucht sah, hat die Andacht des Rosenkranzes, aus göttlicher Eingebung unter den Christen eingeführt, um den Zorn Gottes zu besänftigen und durch die Fürbitte der heiligsten Jungfrau Hilfe zu erlangen; das geschah vom Jahre 1208 an, während dessen Dominikus gegen die Albigenser predigte.“

 

Im 12. Und 13. Jahrhundert hatten sich aus den Lehren der Manichäer viele und unterschiedliche neue Sekten gebildet. Man nannte sie Flagellanten, Petrobusianer, Brugowiler, Arnoldisten, Henrizianer, Arme von Lyon, Katharen (Reine, weil sie nur das reine Evangelium zu glauben vorgaben, woraus das Wort Ketzer entstanden ist), Waldenser und schließlich Albigenser, so genannt nach Alby in Languedok, wo sie sich hauptsächlich aufhielten.

 

Diese Sekten behaupteten, mit mehr oder weniger Abweichungen untereinander, die Taufe sei ein bloßes Sinnbild, aber kein Sakrament, die Messe sei kein Opfer, die Beichte müsse man abschaffen. Auch ein Fegefeuer würde es nicht geben und einige waren der Meinung, dass es auch keine Hölle gäbe. Beten, Almosengeben und Messe lesen für die Verstorbenen seien daher Missbräuche. Es habe nie Mirakel (Wunder) gegeben und die kirchlichen Segnungen usw. seien Aberglauben. Auch sei es ein Aberglauben, Kirchhöfe zu weihen. Der Papst habe vor den übrigen Bischöfen keinen Vorzug. Die Kirche könne keine Ablässe erteilen, sie könne überhaupt keine Gesetze erlassen. Auch gebe es keine Auferstehung des Leibes. Alle Gebetsformeln müsse man verwerfen, außer dem Vaterunser, vor allem aber das Ave Maria, denn der Heiligendienst sei ein Götzendienst. Das Kreuz, die Reliquien und Bilder verehren sei Abgötterei. Maria verdiene keinen Vorzug vor allen anderen Gläubigen. Es sei kein wesentlicher Unterschied zwischen den Priestern und Laien. Die katholische Kirche sei zur Zeit des Papstes Silvester von Gott abgefallen und seit jener Zeit könne in derselben niemand mehr selig werden, er lebe so gläubig und gerecht er immer wolle. Man müsse sich lediglich an die Bibel halten. Manche sagten: Nur an das Neue Testament, weil nur dieses Gott, das Alte aber den Teufel zum Urheber habe. Die Kirchen der Katholiken seien Wohnungen des Satans. Gott sei überall gegenwärtig und wolle keine Tempel. Dessen ungeachtet sei es zulässig, sich äußerlich katholisch zu stellen, die Kirchen der Katholiken zu besuchen, ihre Gebräuche mitzumachen, um sich vor Verfolgung dadurch zu schützen und um die katholischen Priester in ihren Verfälschungen des reinen göttlichen Wortes zu ertappen. Von der weltlichen Obrigkeit lehrten sie, sie habe kein Recht zu strafen und Gesetze zu erlassen.

 

Dominikus versuchte mit allem Eifer aber ohne großen Erfolg sie von ihren Verirrungen abzubringen. In einer Kapelle Apuliens warf er sich schließlich vor dem Bildnis unserer lieben Frau auf die Knie und betete inständig, dass sie durch ihren mächtigen Schutz ihm beistehe durch die Macht, mit der sie der höllischen Schlange den Kopf zertreten hat, und den Irrtum und die Sünde vernichten möge. Von der Mutter der Barmherzigkeit gestärkt und ermahnt, begnügte er sich nicht mehr mit der Widerlegung der Irrtümer wie bisher, sondern Dominikus predigte ab sofort von den wunderbaren Vorzügen der heiligen Jungfrau, von ihrem mächtigen Schutz und lehrte die Leute, wie sie öfters und gläubig ihr zu Ehren den heiligen Rosenkranz beten sollten. Er erklärte ihnen dieses wunderbare Gebet mit einem solchen Erfolg, dass mehr als 100.000 Sektierer und eine unzählige Menge von Sündern in kurzer Zeit sich bekehrten. So entstand die Bruderschaft des heiligen Rosenkranzes.

 

Gegen den Rosenkranz wird oft gesagt, dass durch dieses Gebet Maria mehr als Christus verehrt werde, so als ob Maria ohne Christus und nicht gerade nur in und durch Christus verherrlicht werden könnte.

 

Alle Andacht, alle Verehrung, damit auch die Heiligenverehrung bezieht sich zuletzt auf Gott, der der Anfang und das Ende aller Dinge ist. Dass dies die Lehre der Kirche ist, erkennen wir aus dem alten Kirchengebet vom Festtag des Rosenkranzes: „Gott, dein eingeborener Sohn hat uns durch sein Leben, seinen Tod und seine Auferstehung die Schätze des ewigen Heiles erworben. Wir verehren diese Geheimnisse im heiligen Rosenkranz der seligen Jungfrau Maria. Lass uns nachahmen, was sie enthalten, und erlangen, was sie verheißen. Darum bitten wir durch Christus, unsern Herrn. Amen.“