Die Wunderbare Medaille

 

Bekehrt durch eine Marienmedaille

 

Aus dem Jesu-Heim in Girlan (südwestlich von Bozen) wird im Jahr 1911 folgendes geschrieben:

 

„Heute haben wir etwas Freudiges zu berichten, etwas was so recht zur lebendigen Marienfrömmigkeit passt. Am 20. Oktober 1910 brachte man uns einen schwerkranken 70jährigen Mann aus dem Pustertal. Sein Magenleiden, das ihm große Schmerzen verursachte, war unheilbar, aber auch unheilbar krank schien seine arme Seele. 40 Jahre lang hatte er nicht mehr gebeichtet. Alle Bemühungen des eifrigen Pfarrers seiner Gemeinde waren fruchtlos geblieben. Er betete wohl, verlangte abends selbst das Weihwasser, machte man jedoch die geringste Andeutung vom Beichten, dann fluchte und lästerte er auf die entsetzlichste Weise und erklärte mit einem schrecklichen Schwur, dass er niemals beichten werde. Gleich am ersten Tag seines Hierseins begaben sich alle Bewohner des Jesuheimes in das Gebet, die Kranken opferten ihre Schmerzen, die Schwestern ihre Mühen und Leiden nebst kleinen Bußwerken für die arme verirrte Seele auf. Der arme Leidende wurde mit der größten Liebe behandelt und wir trachteten ihm jeden vernünftigen Wunsch zu erfüllen. Er erkannte das auch dankbar an, aber den heißen Wunsch, der uns alle beseelte, erfüllte er nicht.

 

Die hochw. Pfarrgeistlichkeit von Girlan besuchte den armen Kranken sehr häufig, besonders gab sich der hochw. Herr Kooperator alle erdenkliche Mühe, ebenso ein hochw. Pater Kapuziner aus Eppan, aber alles schien umsonst, bei der leisesten Anspielung zog der Kranke die Decke über den Kopf und gab keine Antwort mehr. So kam der 27. November, der Tag der Erscheinung der wundertätigen Medaille. Der Kranke wurde schwächer und schwächer, unsere Angst und Sorge immer größer. Um 15.30 Uhr besuchten ihn die hochw. Herren Pfarrer und Kooperator abwechselnd, sie wollten noch einen letzten Versuch machen, wurden jedoch in der schroffsten Weise abgewiesen.

 

Es ist zu bemerken, dass Valentin gleich bei seiner Ankunft die wunderbare Medaille angenommen hatte und auch trug, doch war sie ihm noch nicht vom Priester umgelegt worden. Hochw. Herr Pfarrer nahm nun die Weihe der Medaillen vor und legte sie allen Kranken um den Hals, die noch keine erhalten hatten. Auch unser Kranker ließ es geschehen und wir verdoppelten unsere Gebete. Darauf schien er zu schlafen und die Schwester, die ihn pflegte, blieb bei ihm. Mittlerweile war es 17.30 Uhr geworden, als er erwachte reichte ihm die Schwester die Medaille zum Kuss, er führte sie mit großer Andacht an die Lippen und sprach auch das Gebetlein nach: O Maria, ohne Sünde empfangen, bitte für uns, die wir zu dir unsere Zuflucht nehmen. Dadurch ermutigt fragte sie ihn, ob er beichten wolle und er antwortete laut und deutlich: Ja. Ob man den Herrn Kooperator rufen dürfe? Ja. Außer sich vor Freude und doch voll Zagen kam der Kooperator in aller Eile, der Kranke beichtete, empfing die heilige Kommunion und die heilige Ölung mit großer Andacht. Nachdem die heilige Handlung vorüber war, fragte ihn die Schwester ob er nun glücklich sei und er antwortete mit inniger Überzeugung: „Sell moan i woll!“ Eine Stunde darauf trat schon äußerste Schwäche ein. Er konnte nicht mehr schlucken und wäre auch nicht mehr imstande gewesen zu beichten. Die Freude, die im ganzen Haus herrschte, lässt sich nicht beschreiben und unser großes, schönes Fest wurde mit ganz besonderem Dankesjubel gefeiert. Der Kranke brachte den ganzen Tag in größter Geistessammlung zu, man konnte ihm nicht genug vorbeten und am 29. zu Mittag während dem Angelus-Läuten verschied er ganz sanft. Sein Grabkreuz ziert die wunderbare Medaille zur Erinnerung an dieses Gnadenwunder."