Die Zeit

 

Die Zeit ist unserem Leben der strengste und gewissenhafteste Lehrmeister. Die Zeit ist eine Schule, die alle Menschen ohne Ausnahme in ihre Bänke zwingt. Wer von der Zeit nicht lernen will, wird von ihr mit harter Rute gezüchtigt. Wie ein Strom fließt die Zeit dahin, und wehe dem, der sie nicht zu seinem Heil benützt! Für ihn ist sie unwiederbringlich dahin, keine Klage und keine Träne bringt sie mehr zurück. Nichts verrinnt so schnell wie die Zeit, keine Sekunde bleibt sie stehen und kaum ehe der Mensch recht gelebt hat, ist er auch schon wieder dahin. Die Zeit ist die größte Zerstörerin, kein Sein und Leben bleibt von ihrem knöchernen Finger verschont. Während man sie eine Zerstörerin nennt, heilt sie auch tausend und abertausend Wunden und stillt Millionen von Tränen. Die Zeit reißt unbarmherzig liebende Herzen auseinander und bringt sie wieder zusammen. Die Zeit gehört nicht uns; sie ist ein geliehenes Gut, mit dem wir wirken müssen und die von Gottes Gerechtigkeit einst von uns zurückfordert wird. Für jeden Tag, jede Stunde muss Rechenschaft gegeben werden; denn das Kostbarste, das wir besitzen, ist die Zeit, die nicht vergeudet werden darf. Wenn unsere Zeit einmal abgelaufen ist, hat unser Wirken für immer ein Ende. Die Zeit hat in eines jeden Menschen Herzen mit hartem Griffel die Worte geschrieben: „Nütze deine Zeit, denke an die Ewigkeit!“

P. Wülmar