Die Waffen des Christen

 

„Ziehet an die Rüstung Gottes, damit ihr bestehen könnt gegen die Nachstellungen des Teufels! Stehet, eure Lenden umgürtet mit Wahrheit und angetan mit dem Panzer der Gerechtigkeit, beschuht an den Füßen mit der Bereitschaft für das Evangelium des Friedens. Vor allem ergreift den Schild des Glaubens!“ (Eph 6) Dieser apostolischen Aufforderung führten viele Heilige einen siegreichen Kampf gegen den Geist der Lüge und Arglist, der Bosheit und Ungerechtigkeit. Möchten wir ihm hierin folgen, denn auch wir haben diesen Kampf zu kämpfen und dürfen nur als Sieger die Krone der Vergeltung erwarten. Gebrauchen wir darum treu die Waffen des Christen:

 

1. stete Wachsamkeit,

2. lebendigen Glauben,

3. die Gnadenmittel.

 

1. „Wachet und betet, damit ihr nicht in Versuchung fallt!“ mahnt der göttliche Heiland. „Seid nüchtern und wachet, denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlingen könne“, so spricht der heilige Petrus. „Während die Leute schliefen, kam der Feind und säte Unkraut unter den Weizen.“ Der Teufel benutzt die Stunden träger Ruhe und gleichgültiger Sorglosigkeit, um sich in den Geist des Menschen einzuschleichen und dort sein Unwesen anzurichten. Als David müßig seine Augen umherschweifen ließ, entzündete der böse Feind in ihm das Feuer der Sinnenlust. Er folgte seiner bösen Begierde und beging ein Verbrechen, für das er sein Leben lang büßen musste. Wenn ein David fiel, dann haben wir umso mehr Grund, besonders über unsere Augen und Ohren zu wachen.

 

2. Haltet dem anstürmenden Feind den Schild des Glaubens entgegen! Wer im Glauben fest gegründet ist, überwindet den Versucher leicht. Kommt der Geist des Stolzes, um mit Ehren und Auszeichnungen, mit eitler Pracht und Lobeserhebungen zu blenden, so zeigt ihm der Glaube, dass es Höheres und Ehrenvolleres gibt, als der Glanz dieser Welt. Kommt der Geist der Unreinigkeit, um die Seele in ihren Schlingen zu fangen, so zeigt der Glaube die Abgründe der Hölle und ihre Peinen, die den Unzüchtigen erwarten. „Wisse“, ruft er ihm zu, „dass kein Unzüchtiger das Reich Gottes besitzen wird.“ Lockt der Geist der Habsucht, um das Menschenherz an die Güter der Erde zu fesseln und in die Sünden des Geizes, des Diebstahls und Betruges zu verwickeln, so lenkt der Glaube das Auge auf jene Güter, „die Rost und Motten nicht verzehren und die Diebe nicht ausgraben können.“ Deshalb drangen viele Heilige so sehr auf die geistliche Armut in den Klöstern, die nach deren Überzeugung das beste Mittel war, um den Geist im Glauben und im höheren Streben zu befestigen. Es schwebte ihnen dabei der Ausspruch der ewigen Wahrheit vor: „Alle, die reich werden wollen, fallen in viele Versuchungen und in die Fallstricke des Teufels.“

 

3. Eine vorzügliche, ja die mächtigste Waffe des Christen im Kampf mit den Mächten der Finsternis ist der würdige und fleißige Gebrauch der Gnadenmittel. Der Teufel weiß recht gut um diese Wirksamkeit der Gnaden, insbesondere der heiligen Sakramente. Deshalb versucht er die Christen vom Gebrauch dieser Heilsmittel zurückzuhalten. O lasst euch nicht umgarnen durch die Arglist des Teufels! Reinigt euer Gewissen im Bußgericht, so oft ihr das Unglück gehabt, in schwere Sünden zu fallen, erquickt eure schwache Seele mit dem Brot des Lebens, zu dem euch der liebe Heiland so freundlich einlädt: „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken!“ – Nehmt eure Zuflucht zum Gebet und zu frommen Betrachtungen! Dann steigen Gottes Engel zu euch nieder und stehen euch bei im Kampf. Bezeichnet euch mit dem heiligen Kreuzzeichen, besprengt euch mit Weihwasser, so kann euch der Feind nicht schaden. Ist auch der böse Feind gefährlich und arglistig, so können wir ihn doch besiegen, wenn wir nur wollen, denn auf unserer Seite steht der Sieger über Tod und Hölle. Amen.