Beten im Wald

 

Wir brauchen nicht in die Kirche zu gehen,

um zu beten, wir können auch in den Wald gehen…

 

Mit dieser Ausrede entschuldigen sich viele, die am Sonntag nicht in die Kirche gehen wollen. Sie haben Recht, sie können im Wald beten; dagegen ist nicht das Mindeste einzuwenden. Je mehr, desto besser. Ob sie es allerdings tun, ist wohl eine andere Frage. Auch Katholiken, die sonntags in die Kirche gehen, beten im Wald. Manch einer geht im Wald spazieren und betet still seinen Rosenkranz.

 

Es ist also nichts dagegen einzuwenden, dass jemand im Wald betet und singt. Es ist sogar sehr wünschenswert, das zu tun. Aber das sagt gar nichts gegen den Kirchgang.

 

In der Kirche wohnt der eucharistische Herr, und wer daran glaubt, wird nicht an ihm vorbei gehen. Haben wir die ganze Woche keine Zeit dazu, wird er sich freuen, wenigstens am Sonntag einmal ihn aufzusuchen. Sicher ist Gott im Wald zugegen, so wie er überall ist. Aber der eucharistische Herr ist nur in der Kirche.

 

In der Kirche wird am Sonntag die heilige Messe gefeiert, die wir nach dem Willen Gottes und dem Gebot der Kirche mitfeiern sollen. Im Wald aber kann man das nicht tun.

 

Unser Arbeiten, Essen, unser Vergnügen, das bürgerliche Leben überhaupt vollzieht sich zum größten Teil in Gemeinschaft. Da ist es wohl angebracht, dass die Gemeinschaft auch zum Gebet sich zusammenfindet, wenigstens einmal in der Woche. Der Sonntagsgottesdienst bindet die Gemeinde zusammen, und zwar mehr als alles andere. Menschen, die am Sonntag zusammen gebetet, zusammen geopfert, zusammen den Herrn empfangen und mitgenommen haben ins Leben, fühlen sich zu einer Gemeinschaft verbunden. Die Menschen, die vor Gott in Liebe vereint sind, werden auch im bürgerlichen Leben unter sich vereint sein.

 

Hier gilt wohl das Wort des heiligen Aloysius: „Man soll das eine tun und das andere nicht unterlassen.“ Jeder kann im Wald beten, soviel er will. Aber deshalb darf keiner den Besuch der gemeinschaftlichen heiligen Messe am Sonntag unterlassen. Das eine muss man tun, das andere aber darf man tun.