Vorbereitung zur hl. Kommunion

Mit Fasten und Nachtwachen, mit Gebet und Betrachtung bereiteten sich die Heiligen auf die heilige Kommunion vor und empfingen zum Dank vom Herrn zahllose Erleuchtungen und Gnaden. Wie kommt es, dass wir aus den häufigen Kommunionen nicht dieselben segensreichen Wirkungen erfahren? Es kommt daher, weil wir nicht mit der erforderlichen Vorbereitung uns zum Tisch des Herrn begeben. Wollen wir die Wunder der göttlichen Gnade an uns selber erfahren, dann müssen wir uns auf die heilige Kommunion vorbereiten

 

1. mit wahrer Ehrfurcht,

 

2. mit kindlichem Vertrauen.

 

1. Um die Ehrfurcht zum allerheiligsten Sakrament in uns zu erwecken, brauchen wir nur einen Blick zu werfen auf die Größe des Herrn, der bei uns einkehren will, und auf unser Nichts. Der bei uns einkehren will, hat seinesgleichen weder auf Erden noch im Himmel. Wollte er einen Strahl seines Lichtes auf uns werfen, wir würden, gleich Saulus, wie vom Blitz getroffen, zur Erde fallen. Der Täufer Johannes hielt sich nicht würdig, ihm die Schuhriemen aufzulösen. Er ist „Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott“. „Vor ihm beugen sich alle Knie derer, die im Himmel, auf der Erde und unter der Erde sind.“ – Was sind wir dagegen? Armselige Geschöpfe, dem Leib nach eine Handvoll Staub. Wir müssen mit Hiob bekennen: „Zu dem Moder habe ich gesagt, du bist mein Vater, zu den Würmern, ihr seid meine Schwester und meine Mutter.“ Was sind wir gegen das Weltall? Und dies ist nur ein Hauch seines Mundes. Unsere Seele ist zwar vortrefflicher, weil sie Gottes Ebenbild ist, aber wie oft verunstalten wir dieses Ebenbild des Allheiligen durch Sünden und Laster? Haben wir darum nicht allen Grund zur Verdemütigung? Und hielten wir unsere Seele frei von schweren Sünden, so verdanken wir dies mehr der Gnade des barmherzigen Gottes, als unserer eigenen Kraft. – Wieviel Grund haben wir darum, uns sorgfältig vorzubereiten, ehe wir vor das allerheiligste Angesicht Gottes treten. Esther warf sich vor dem Angesicht ihres königlichen Gemahls Assuerus auf die Erde und erwartete zitternd den Wink mit dem goldenen Zepter, bevor sie es wagte, vor sein Angesicht zu treten. Mit welcher Ehrfurcht sollten wir vor dem König des Himmels und der Erde erscheinen! Aber wie viele putzen den Leib und lassen ihre Seele im Schmutz der Sünde. Ach, welch eine Beschimpfung des Gottes der ewigen Liebe! Als die Bethsamiten die Arche des Bundes vorwitzig anschauten, rächte der Herr ihre Haltung, indem er 70 ihrer Vornehmsten und 50.000 vom Volk mit jähem Tod strafte. Welche Strafe haben diejenigen zu erwarten, die unwürdig am Mahl der Liebe teilnehmen. Bereitet euch deshalb würdig auf die heilige Kommunion vor. Sagt euch euer Gewissen, dass euer Herz noch geteilt ist zwischen Gott und der Welt, dann bleibt zurück, damit ihr nicht mit dem Leib und Blut Jesu Christi das Gericht hineinesst und trinkt.

 

2. Bereitet euch zur heiligen Kommunion vor mit kindlichem Vertrauen. Selbst die Engel sind nicht rein vor seinem Angesicht und die Himmel der Himmel fassen ihn nicht, wie könnten wir ihm den gebührenden Zins der Anbetung, Liebe und Ehrfurcht darbringen? Aber er ist der Gott der ewigen Liebe, der gern mit den Sündern verkehrte, alle Reuigen gütig aufnahm und auch uns zuruft: „Kommt zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken!“ Er droht uns sogar und warnt uns vor Strafen, wenn wir uns weigern, seiner Stimme zu folgen: „Wahrlich, ich sage euch, wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht essen und sein Blut nicht trinken werdet, so werdet ihr das Leben nicht in euch haben.“ Haben wir also unser Gewissen gereinigt und feste Vorsätze für die Zukunft gefasst, dann dürfen wir uns mit froher Zuversicht dem Tisch des Herrn nahen. Warum zittert ihr denn, furchtsame Seelen? Verdrängt die unbegründete Angst durch ein kindliches Vertrauen. Eine Scheu, die euch hindert, zum Brunnen des lebendigen Wassers hinzugehen, kommt nicht von Gott, sondern vom Satan. Lasst jene sich fürchten, die ihre Sünden noch nicht gebeichtet, ihren Hass und Groll nicht aufgegeben, das ungerechte Gut noch nicht zurückerstattet, das Ärgernis noch nicht beseitigt, die bösen Gewohnheiten noch nicht abgelegt haben. Diesen rufen wir zu: „Geht nicht zum Tisch des Herrn. Es ist nicht erlaubt. Ihr Gereinigten und Geheiligten aber, seid getrost. Für euch wird die heilige Kommunion eine Quelle des ewigen Lebens.“ Amen.