Verleugnung des Glaubens

 

1. Das Ende eines Abtrünnigen.

 

Zur Zeit der Französischen Revolution, in der katholische Priester zu Hunderten hingerichtet wurden, fielen auch einige Priester aus Ehrgeiz oder um ihr Leben zu retten, vom Glauben ab. Unter diesen befand sich sogar ein Bischof namens Johann Joseph Gobel. Dieser erklärte vor dem Nationalkonvent, dass er die neue Religion der Freiheit und Gleichheit annehme. Bald darauf folgte der Lohn für seinen Verrat. Er fiel bei Robespierre in Ungnade, und dieser verurteilte den 77jährigen Greis zur Guillotine (1794). Jetzt sah Gobel sein schweres Verbrechen ein und bereute zutiefst, dass er Volk und Priestern ein so furchtbares Ärgernis gegeben hatte. Am Tag vor seiner Hinrichtung schrieb er an seinen Vikar: „Morgen werde ich mein Verbrechen gegen Gott und die heilige Religion durch den Tod sühnen. Da ich mündlich nicht beichten kann, so schicke ich Ihnen hier schriftlich mein Sündenbekenntnis. Ich bitte Sie um Ihre geistliche Hilfe. Kommen Sie morgen unbemerkt zur Pforte des Kerkers und erteilen Sie mir in aller Stille die priesterliche Lossprechung. Bei der Lossprechung wollen Sie aber ja nicht die Worte vergessen: ab omni vinculo excommunicationis!“ Hoffentlich wurde dem reuigen Apostaten die Pforte des Gefängnisses durch die priesterliche Lossprechung zum Tor in eine glückliche Ewigkeit.

 

2. Lieber sterben als verleugnen.

 

Während der großen Christenverfolgung in Annam drohte man dem fünfzehnjährigen Waisenmädchen Thu, es mit seinem Schwesterchen lebendig zu begraben, wenn es seinem Glauben nicht abschwöre. Die Kleine blieb fest. Man führte sie an das Grab, das man vor ihren Augen aushob. Als es fertig war, sagte sie nur: „Wartet einen Augenblick!“ Sie kniete am Rand der Grube nieder und betete. Dann sprach sie: „Wir sind bereit.“ Man warf eine Matte in die Grube. Thu stieg hinab, bettete das Schwesterchen neben sich und sagte lächelnd: „Nun schaufelt zu!“ Und so geschah es. –

 

3. Lieber verdursten als sich verstellen.

 

Vor Jahren war es, da reiste ein katholischer Afrikaner vom Sudan in Gesellschaft mehrerer Muselmanen nach Norden. Dabei musste man das unermessliche Sandmeer Libyens durchqueren. Bald gingen die letzten Vorräte an Trinkwasser aus, und alle litten schmerzlich unter Hitze und Durst. Endlich kamen sie ganz erschöpft zu einer kleinen Oase. Diese gehörte einem Moslem, der dort auch einen Brunnen angelegt hatte. Als er vernahm, unter den Mitgliedern der Karawane befinde sich auch ein Christ, fasste er sogleich den Entschluss, dessen Glaubenstreue zu erproben. Er erklärte: „Ich gebe von meinem Brunnenwasser nur an jene Reisende ab, die die mohammedanische Glaubensformel sprechen.“ Was tat der katholische junge Mann? Er weigerte sich, auch nur mit einer äußerlichen Verstellung seinen Glauben zu verleugnen. „Dann musst du vor Durst sterben, wenn du dich nicht zum Hersagen der Formel bequemst“, riefen ihm seine Gefährten zu, „wir haben noch eine weite Strecke durch die wasserlose Wüste zurückzulegen!“ Da erklärte der tapfere junge Sudanese: „Und wenn ich verdursten und elend zugrunde gehen muss, nie wird es dazu kommen, dass ich um ein paar Schluck Wasser meinen heiligen Glauben verleugne.“ Allem Zureden zum Trotz blieb er fest und setzte mit seinen Gefährten die Reise fort. Immer mehr steigerte sich der glühende Durst und ließ ihn schier Unerträgliches erdulden. Dennoch vermochte er ohne größeren Schaden für seine Gesundheit das Ziel der Reise zu erreichen. Er hatte gesiegt.

 

4. Halbheit gilt nicht.

 

Als unter König Taxiba die Christenverfolgung in Japan losbrach, lebten am Königshof zwei christliche Hofdamen, die die Königin ungemein liebgewonnen hatte. Die Königin, die sich nicht von ihnen trennen wollte, schlug ihnen vor, sie brauchten ihre Religion nicht aufgeben, aber sie sollten sie im Geheimen ausüben, im Herzen könnten sie die besten Christinnen bleiben. Da antwortete die eine von ihnen: „Königin, die Christen haben nicht zwei Gesichter, eines der Lüge und eines der Wahrheit. Wer ihr Gesicht sieht, sieht auch ihr Herz. Wenn wir unseren Glauben nicht bekennen, so verleugnen wir ihn.“ Dabei blieben sie und nahmen ihren Abschied vom Hof. –

 

5. Ein heiliger Schwur.

 

Ein russischer Kommandant suchte einst einen alten katholischen Bauern namens Pikuts, der in seinem Dorf in hohem Ansehen stand, zu bewegen, er solle auf seine Glaubensgenossen einwirken, dass sie zur russischen Kirche überträten. Da kniete dieser im Angesicht von Freund und Feind nieder, zog ein Kruzifix hervor, das er stets auf der Brust trug, und sprach: „Ich schwöre bei meinen grauen Haaren, beim Heil meiner Seele, so wahr ich Gott im letzten Augenblick meines Lebens zu sehen hoffe, dass ich keine Silbe und kein Jota meines Glaubens verleugnen werde.“ Und alle Katholiken knieten sich ebenfalls nieder und sprachen ihm den Schwur nach.

 

6. Ein schönes Bekenntnis im Angesicht des Todes.

 

Der große Zentrumsführer Dr. Lieber (16.11.1838 – 31.3.1902) konnte auf dem Sterbebett die Worte sprechen: „Nie in meinem Leben habe ich meinen katholischen Glauben verleugnet, auch nicht eine halbe Minute lang.“

 

(Aus: Homiletisches Handbuch, Anton Koch, 1951, Band 12, Seite 18)