Vergänglichkeit alles Irdischen

 

Eingedenk des göttlichen Wortes: „Was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber Schaden leidet an seiner Seele?“ verzichteten viele Heilige auf fast alles und brachten ihr Leben z.B. als arme Einsiedler in Entbehrungen, Abtötungen und frommen Übungen zu. In Anbetracht der Tatsache, dass alles Irdische keinen Bestand hat, erstrebten sie die himmlischen Güter, die alle menschlichen Begriffe übersteigen, und gewannen sie durch ein heiliges Leben und oft sogar durch den Martertod um Christi willen. Auch uns spornt zum Streben nach himmlischen Gütern nichts so sehr an, als die Betrachtung der Vergänglichkeit alles Irdischen.

 

1. In diesem Leben auf dieser Welt hat nichts Bestand. Die Zeiten gehen vorüber wie ein Schatten. Unaufhaltsam rollt das große Rad der Zeit und der Zeiger am Zifferblatt der Zeit geht immerfort vorwärts. Schau in dein eigenes Leben zurück. Seitdem deine Mutter dich zum ersten Mal ans Herz gedrückt hat, sind die Jahre deiner Kindheit verflossen, deine Jugendzeit floh dahin wie ein Sonnenblick. Wie die Wellen im Bach, der munter über die Kiesel hinweghüpft, gingen deine Tage vorüber, um nimmermehr wiederzukehren. – Auch die Güter der Erde haben keinen Bestand. Man sammelt sich begierig Schätze, man müht sich ab von der Morgenfrühe bis in die späte Nacht, um das Vermögen zu vergrößern, man baut Häuser und vermehrt seinen Grundbesitz, ohne zu wissen, wem alle seine Güter vielleicht schon in kurzem anheimfallen. Wie oft hört man von Leuten, die vor wenigen Jahren reich und angesehen waren und jetzt mit Armut und Hunger kämpfen. Wurde doch noch in diesen Tagen von einem ehemaligen Millionär berichtet, dass er sein ganzes Vermögen eingebüßt habe bis auf einige Euro, für die er sich einen Strick kaufte, um sich damit zu erhängen. – Selbst der Mensch ist der Vergänglichkeit unterworfen. „Alles Fleisch veraltet wie Heu und wie ein frisches Blatt am grünen Baum. Einige kommen hervor, andere fallen ab. So ist das Geschlecht von Fleisch und Blut. Einige sterben, andere werden geboren.“ (Sir 14.18.19) Wir haben hienieden keine bleibende Stätte. Wer könnte dies leugnen? Was ist aus den Menschen geworden, die vor etwa 50 oder 100 Jahren auf den Straßen liefen? Sie sind den Weg alles Fleisches gegangen. Täglich fordert der Tod seine Beute aus der Mitte der Lebenden. „Was geboren ist auf Erden, muss zu Staub und Asche werden.“

 

2. So sehr uns die Vergänglichkeit alles Irdischen einleuchten muss, so wenig überdenken wir sie. Wir lieben das Vergängliche zumeist mit übermäßiger Liebe. Wir dürfen uns der irdischen Dinge freuen und sie mit Dank gegenüber Gott genießen, aber nur zu oft hängt man am Irdischen mit maßloser Liebe. In übergroßer Sorge um das Irdische schafft man im Schweiße seines Angesichtes von der Morgenröte bis zum Abenddunkel, um einen Gewinn zu erhaschen. Misslingt das Geschäft, erleidet man eine Einbuße, dann nimmt der Jammer kein Ende. Gar häufig artet die Liebe zum Irdischen in Verbrechen aus. Denkt an den Geizhals, dem sein Geldsack zum Götzen wird, dem er sein ganzes Sinnen und Trachten hingibt. Denkt an den Unzüchtigen, der die unordentlich geliebte Person anbetet und höher achtet, als Gott und den Himmel. Ist das nicht eine sündige Liebe? – Wir beachten so wenig das Unvergängliche, obgleich der Apostel so dringend mahnt: „Was droben ist, habet im Sinn, nicht, was auf Erden ist!“ Wie wenig kümmert man sich um Gottesdienst und Gebet. Wie gleichgültig zeigt man sich im Empfang der Sakramente und in der Anhörung des göttlichen Wortes. Wie wenig strebt man nach Tugend und Vollkommenheit. Handelst du nicht selber so? Vergiss nicht das Wort des göttlichen Heilandes: „Ich sage euch: Macht euch Freunde mit Hilfe des ungerechten Mammons, damit ihr in die ewigen Wohnungen aufgenommen werdet, wenn es mit euch zu Ende geht“ (Lk 16,9).