Selig, die Verfolgung leiden

 

Die Heiligen scheuten sich nicht, freimütig die Wahrheit zu sagen, unbekümmert um die Folgen, die sie zu tragen hatten, eingedenk des apostolischen Wortes (2 Tim 4,2-4): „Verkünde das Wort, tritt dafür ein, ob man es hören will oder nicht; weise zurecht, tadle, ermahne, in unermüdlicher und geduldiger Belehrung. Denn es wird eine Zeit kommen, in der man die gesunde Lehre nicht erträgt, sondern sich nach eigenen Wünschen immer neue Lehrer sucht, die den Ohren schmeicheln; und man wird der Wahrheit nicht mehr Gehör schenken, sondern sich Fabeleien zuwenden.“ Wohl ahnten die Heiligen die Rache von gottvergessenen Menschen, aber es tröstete und beruhigte sie der Ausspruch des göttlichen Erlösers in seiner Bergpredigt: „Selig, die um der Gerechtigkeit willen Verfolgung leiden, denn ihrer ist das Himmelreich! Selig seid ihr, wenn euch die Menschen schmähen und allerlei Böses mit Unwahrheit von euch reden! Freut euch und frohlockt, denn groß ist euer Lohn im Himmel!“ (Mt 5,10-12) Es bedarf einer apostolischen Tugendkraft, um sich allen Arten von Verfolgungen bloß zu stellen und einer arglistigen Welt und Hölle Trost zu bieten, denn

 

1. verschiedenartig sind die Verfolgungen. Die heilige Kirche, ihre Lehre und Einrichtungen, ihre Diener und Anhänger werden oft angegriffen mit Gewalttätigkeiten. Misshandlungen, Drohungen, Drangsalierungen sollen die Christen im Glauben erschüttern. Nicht bloß ungläubige Menschen, sondern selbst christlich getaufte Machthaber und Politiker haben bis in unsere Zeit gegen eifrige und gewissenhafte Christen, insbesondere gegen pflichttreue Priester und Ordensleute, barbarische Maßregeln ergriffen. Mit teuflischem Hass erfüllte Schriftsteller haben alle Kunst der Satire und des Witzes, der Verleumdung und Bedrohung aufgeboten, die Glaubenswahrheiten als vernunftwidrig, den Gottesdienst als lächerlich, die kirchlichen Einrichtungen als abgeschmackt darzustellen und die Kirche Jesu Christi vom Erdboden zu vertilgen. Die Künste und Wissenschaften werden missbraucht, um das Heilige, Göttliche, Erhabene der Verachtung und dem Spott preiszugeben. Luchsäugig späht man nach Fehlern und Gebrechen der Frommen, nach unvermeidlichen Ausartungen des Guten und überträgt die Mängel einzelner auf die ganze Kirche. Mit dem Judaskuss der Freundschaft verrät man die Sache Jesu Christi. Manche legen die Hände müßig in den Schoß, wo sie tätig eingreifen, das Gute fördern und das Böse verhindern sollten. Alle diese sind Verfolger Christi, denn er sagt: „Wer nicht für mich ist, der ist gegen mich.“

 

2. Unglückliche Verfolger, die das Amt des Teufels übernehmen, um die Menschen zu verderben. Was sind sie anders, als Gehilfen des Teufels? Er hat die grausamen Verfolgungen ersonnen, den gottlosen Schriftstellern Gift und Galle und blendenden Zauber eingeflößt, er kleidet sich in einen Engel des Lichts und der Aufklärung und zischt aus dem beißenden Spott und Witz, er wiegt selbst manche Diener der Kirche in Schlaf, damit sie träumen, es stehe alles gut, während der Wolf in die Herde bricht. Wie werden sie erschrecken, wenn Christus ihnen zuruft: „Warum verfolgst du mich?“ – So unglücklich die Verfolger sind, so glücklich sind die Verfolgten. Kann sich ein Jünger Christi etwas Besseres wünschen, als seinem Meister ähnlich zu werden? Ist der Knecht besser, als der Herr? Alle wahren Christen haben Verfolgung leiden müssen, und es wäre kein gutes Zeichen, wenn wir immer in Frieden lebten, wenn die Welt und die Hölle sich nicht gegen uns empörte. Warum feiert denn das Kreuz nicht einen unausgesetzten Triumph? Warum stehen die treuen Diener der Kirche nicht immer in Ansehen und Ehren? Nur einen Grund will ich angeben: damit die guten Christen in der Demut erhalten werden und nicht an den Klippen der Eitelkeit und des Selbstgefallens scheitern, wenn ihre Fahrt auf diesem Weltmeer immer von günstigem Wind begleitet wäre, damit sie ihre Abhängigkeit von Gott und die Notwendigkeit der Gnade fühlen, ohne die sie nichts vermögen. Was nützt es uns, wenn uns Gott für unser geringes Tagewerk schon auf Erden belohnt? „Freut euch und jubelt, denn groß ist euer Lohn im Himmel!“