Verehrung des allerheiligsten Sakrament des Altares

 

Wie der heilige Klemens Maria Hofbauer innig das Sakrament des Altares verehrte

 

In Warschau, der alten Hauptstadt Polens, stand die freundliche Kirche St. Benno. Hier begann Pater Klemens Maria Hofbauer 1787 das seelsorgliche Wirken. In der kleinen, feuchten Wohnung neben der Kirche litt er anfangs mit seinen Mitbrüdern bittere Not, kein Stücklein Brot war übrig. „Klopft an, und es wird euch aufgetan!“ Eingedenk dieses göttlichen Wortes stieg er in der Kirche die Stufen des Hochaltars hinauf und klopfte vertraulich an die Tabernakeltür: „Herr, hilf uns! Jetzt ist`s Zeit.“ Sogleich rührte der Heiland das Herz eines wohlhabenden Bürgers, den armen „Bennoniten“ reichliches Almosen zu spenden.

 

Wieder eilte Pater Hofbauer vertrauensvoll zum Tabernakel, als die Russen mit Feuer und Schwert die Vorstadt Praga grausam verheerten. Die Schreckensnacht vom 4. Zum 5. November 1794! Grell glühen und sprühen die roten Flammen zum Himmel, schaurig fliegen Kanonenkugeln sogar ins Heiligtum St. Benno, so sie fallen ohne Schaden anzurichten am Fuß des Altares nieder. Dort kniet Pater Hofbauer die ganze Nacht und fleht inständig für die tausend und tausend Verwundeten um gnädiges Gericht, für die Hauptstadt selbst um Rettung. Wirklich gebietet morgens der feindliche Feldherr dem wilden Sengen und Morden entschieden Einhalt.

 

Die Königsherrlichkeit Polens hatte nun aufgehört. Da wollte Pater Hofbauer dem unglücklichen Volk linden, milden Trost bieten, es hinführen zum himmlischen König, der freundlich, voll Liebe des Herzens, die Bedrängten und Betrübten einlädt: „Kommet alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ Zu St. Benno herrschte fortan immer Festtag. Vom frühen Morgen bis zum späten Abend erglänzte der Gnadenthron des allerheiligsten Sakramets im reichsten Lichterglanz. Durch eifrige Predigten der „Bennoniten“ ermuntert und ermutigt, kamen die Gläubigen zahlreich zum Tisch des Herrn. Im Jahr 1796 sah die Kirche St. Benno schon über 48.000, im Jahr 1807 sogar über 100.000 Kommunikanten. Welche Freude für das apostolische Herz des Pater Hofbauer!

 

Wie feierlich wurde erst das Fronleichnamsfest zu St. Benno begangen! Gleich einem Frühlingsgarten prangte und duftete die Kirche, reichlich mit farbenprächtigen Blumen geziert. Den Triumph des himmlischen Friedensfürsten eröffneten die religiösen Vereine mit siegreich wehenden Fahnen und die weißgekleideten jungen Frauen mit Wachskerzen in der Hand. Vor dem goldreichen Baldachin her streuten Ministranten bunte Blüten auf den Weg; zwölf Kleriker schwenkten silberne Weihrauchfässer voll Ehrfurcht vor dem Allerheiligsten.

 

Im Jahr 1808 wollte Pater Hofbauer wieder freudig die Feier der Fronleichnamsprozession vorbereiten, aber ach, wenige Tage vorher gelang den Freimaurern in Warschau der schwarze Plan, das Kloster aufzuheben. Herzzerreißend erscholl das Weinen und Wehklagen des Volkes, als am 17. Juni die Kirche St. Benno von Soldaten umstellt und gesperrt wurde. Wohin sollte nun Pater Hofbauer sich wenden? Die gütige Vorsehung führte ihn zurück ins Vaterland Österreich.

 

In der Kaiserstadt Wien schien damals das kirchliche Leben fast verwelkt, vom unseligen „Josefinismus“ erdrückt und erstickt. Da kam Pater Hofbauer gerade recht als Apostel. Er konnte aber anfangs – in der Minoritenkirche – nur das Apostolat des Gebetes üben. Wie viele Stunden blieb er betend im stillen Glanz des ewigen Lichtes. Am 31. Mai 1813 begann er sein neues Amt als Rektor der Ursulinen-Kirche und erfüllte sogleich das Psalmwort: „Herr, ich liebe die Zierde deines Hauses.“ Bald erglänzten im Heiligtum neue Bilder, lieblich zur Andacht stimmend, und neue Paramente, den Gottesdienst mit würdiger Pracht zu feiern. Ja, der neue Rektor fand oft seine Freude darin, selbst den Hochaltar mit Blumen und Lichtern zu zieren und dabei den göttlichen Heiland immer von neuem vertraulich zu grüßen: „O guter Jesus, o höchstes und liebenswürdigstes Gut!“

 

Früher war allein für die Klosterfrauen hier Gottesdienst, jetzt kamen immer mehr und mehr Gläubige in diese Kirche, wo so feierlich Sonntag und Festtag gehalten wurde. Wie strahlte das Heiligtum erst am Fronleichnamsfest in reichster Zierde Die ganze Oktav hindurch dauerte die Festfreude. Wieder voll heiligen Herzensjubels beging Pater Hofbauer die Gnadenzeit des vierzigstündigen Gebetes, da hielt manchmal sogar der päpstliche Nuntius das Hochamt. Aber auch an gewöhnlichen Tagen war die Kirche St. Ursula wahrhaft ein Magnet, mächtig alt und jung, hoch und nieder, reich und arm anzuziehen. Viele Studenten, ja vornehme Männer schätzten sich glücklich, am Altar zu dienen. Und wie glücklich war Pater Hofbauer, recht vielen den Himmelssegen des heiligen Opfers zu vermitteln, recht vielen das lebendige Himmelsbrot zu spenden! Sein Gebet und Beispiel wirkte zwar still, aber doch kräftig, so dass allmählich auch in anderen Kirchen Wiens mehr Andacht und Ehrfurcht vor dem Geheimnis des Glaubens erblühte. Ein Frühling des kirchlichen Lebens war in Österreichs Hauptstadt angebahnt, als im Frühling des Jahres 1820 Pater Hofbauer mit rührender Andacht die heilige Wegzehrung empfing, denselben Heiland bald im Licht der Herrlichkeit zu schauen, wie sein Sehnen und Sinnen so oft in seinem Lieblingslied erklungen:

 

„Nun, o Himmel, hör – mein Flehen,

Öffne dich und lass mich sehen

Bis dorthin an Gottes Thron;

Bis dorthin will ich mich schwingen,

Meine Bitte vorzubringen

Bei dem wahren Gottessohn.

 

Dir allein will sie anhangen,

Ewig will sie dich umfangen

Dort im Reich der Seligkeit;

Sie will sich zu dir erschwingen,

Mit den Engeln Lob zu singen

Durch die ganze Ewigkeit.“

 

Die herrliche Kirche Maria Stiegen (Maria am Gestade), wo der heilige Petrus Canisius als Apostel Wiens zur Reformationszeit segensreich gepredigt hatte, birgt die Reliquien des neuen Apostels, des Pater Klemens Maria Hofbauer.