Unglückliche Königin

 

Eine unglückliche Königin

 

Erschütternd sind die letzten Stunden der unglücklichen Königin von Schottland, Maria Stuart.

 

Bereits 19 Jahre schmachtete die königliche Frau im Kerker, in den sie ihre Verwandte Elisabeth, Königin von England, geworfen hatte. Diese tyrannische, blutdürstige Frau hatte gefürchtet, ihre Base Maria Stuart könnte eines Tages den Thron von England besteigen, auf den Maria allerdings gerechten Anspruch hatte. Auch wollte Elisabeth Beweise in Händen haben, dass Maria gegen sie eine Verschwörung angezettelt. Trotzdem tatsächliche Beweise nicht vorlagen, wurde Maria Stuart zum Tode verurteilt.

 

Am 7. Februar 1587 wurde ihr das Todesurteil mitgeteilt. Die Königin bat, ihr den Besuch ihres Beichtvaters zu gestatten. Die Bitte wurde abgeschlagen; sie sollte des letzten Trostes in der Sterbestunde entbehren.

 

Gefasst speiste sie mit ihrem Arzt zu Nacht, ließ alle ihre Diener hereinkommen, bat sie um Verzeihung, wenn sie einen beleidigt, und teilte die wenigen Habseligkeiten unter sie aus. Des andern Morgens um 8 Uhr meldete man ihr, dass es Zeit sei. Nochmals nahm sie Abschied von ihrer Dienerschaft. Sie verließ den Kerker, ein Kreuz in der Hand, und wurde in einen großen Saal des Schlosses geführt, wo Soldaten und Edelleute auf das furchtbare Schauspiel warteten. Voll Festigkeit und Ruhe betrat die Königin das Blutgerüst. Dann erklärte sie feierlich: „Ich bin Königin von Geburt, unumschränkte Fürstin und den Gesetzen dieses Landes nicht untertan. Ich bin nahe Verwandte der Königin von England und ihre rechtmäßige Erbin. Ich leide ungerecht, aber ich danke Gott, dass ich für meine Religion sterben darf. Ich verwahre mich dagegen, als hätte ich je etwas ausgesonnen, wie, die Königin töten zu lassen, oder als hätte ich zu einem Angriff gegen ihre Person meine Zustimmung gegeben.“ – Als ein protestantischer Geistlicher an die Königin herantrat und sie bat, seine Religion anzunehmen, sagte sie: „Ich bin in der römisch-katholischen Religion geboren, ich bin in derselben erzogen, ich will in derselben auch sterben.“ Auf die Mahnung, sie solle das Kruzifix, das sie an ihre Brust drückte, weglegen, weil es ihr nichts nütze, wenn sie es nicht im Herzen trage, erwiderte sie: „Es ist schwer, es in der Hand zu halten, ohne dass das Herz davon gerührt wird, und nichts ziemt dem Christen auf seinem Todesgang mehr als das Bild des Erlösers.“ Dann betete sie laut für den Papst, die Kirche, die katholischen Fürsten, auch für ihre Verfolgerin, die Königin von England. Als ihre Dienerinnen laut schluchzten, tröstete die starke Frau sie mit den Worten: „Freuet euch, anstatt zu weinen! Ich fühle mich so wohl, aus dieser Welt zu scheiden, zumal für eine so gute Sache.“

 

Nun legte die Königin ihr Haupt auf den Block und betete laut. Nach den Worten: „Herr, in deine Hände empfehle ich meinen Geist!“ erhob der Scharfrichter das Beil.

 

So endete Maria Stuart am 8. Februar 1587, 45 Jahre alt. Ganz Europa trauerte um die unglückliche Königin.