Die Taufe

Über die Taufe

 

Wer nicht glaubt und getauft ist, kann nicht selig werden. In seinem Zwiegespräch mit Nikodemus sprach Jesus, der Sohn Gottes: „Wenn jemand nicht wiedergeboren ist aus dem Wasser und dem Heiligen Geist, kann er nicht eingehen in das Reich Gottes.“ Es ist das heilige Sakrament der Taufe demnach die erste und notwendigste Vorbedingung zur Seligkeit. Deshalb hat die Kirche von jeher darauf gedrungen, dass die Taufe dem neugeborenen Kind möglichst in den ersten Tagen erteilt werde.

 

1. In den frühesten Zeiten ging der Taufe der Erwachsenen eine längere und sorgfältige Vorbereitung voraus. Dann wurden die Vorbereiteten unter den Einsetzungsworten dreimal völlig untergetaucht und mit dem Katechumenenöl und Chrisam gesalbt, wie es heute noch üblich ist. Die Täuflinge trugen das weiße Taufkleid acht Tage lang. Die weiße Wachskerze, die dem Täufling gereicht wurde, sollte das angezündete Glaubenslicht, die brennende Liebe und den Glanz der guten Werke anzeigen. Der Tauftag war bei den alten Christen so wichtig, dass sie ihn alljährlich auf eine festliche Weise feierten, Ihre Taufgelübde erneuerten und dadurch, besonders in den Zeiten der Verfolgungen, ihren Glauben stärkten und anfeuerten. Daher rührt bei den Katholiken die alte Gewohnheit, nicht den Tag ihrer leiblichen Geburt, sondern den Tag ihrer geistigen Wiedergeburt zu feiern, wo sie den Namen eines Heiligen empfingen, der ihnen auf der gefahrvollen Wanderung durch das Erdenleben ein leuchtendes Vorbild, ein sicherer Hort und getreuer Geleiter zum Himmel sein sollte. Mit dem unsichtbaren Patron erhält der Täufling in dem Paten einen sichtbaren Beschützer, der besonders die religiöse Erziehung des Getauften überwachen soll. – Da die Taufe zur ewigen Seligkeit unbedingt notwendig ist, so kann im Notfall jeder Mensch taufen, er muss aber den Willen haben, wirklich zu taufen und beobachten, was die Kirche vorgeschrieben hat, nämlich dreimal Wasser über das Haupt des Kindes ausgießen, indem er spricht: „Ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Jede andere Form, z.B. „ich taufe dich im Namen der heiligsten Dreifaltigkeit“, ist ungültig.

 

2. Die heiligen Väter werden nicht müde, die segensreichen Wirkungen der heiligen Taufe zu preisen. So schreibt der heilige Cyrillus: „Die Taufe ist etwas Großes, sie ist der Preis für die Freiheit jener, die in der Sklaverei waren; sie wäscht die Makeln der Sünde ab, und gibt der Seele ein neues Dasein, sie ist ein Lichtkleid und ein unauslöschliches Siegel der Berufung zur Heiligkeit. Sie ist die Einverleibung in die Herde Christi, und die Weihe durch den Heiligen Geist.“ Der heilige Gregor von Nazianz sagt: „Die Taufe ist die Auffahrt zu Gott, die Pilgerschaft mit Christus, das Licht unseres Glaubens, die Wegspülung der Sünde, die Zersprengung der Sklavenketten, der wahre Himmelsschlüssel.“ Bei der Taufe Jesu im Jordan öffnete sich der Himmel, der Heilige Geist kam über den Heiland herab, und der Vater erklärte ihn als seinen innigstgeliebten Sohn. Ähnlich öffnet auch jetzt bei der Taufe jedem Kind sich der Himmel, der Heilige Geist kommt herab, und weiht das Herz des Täuflings zu seinem Tempel ein, und der Vater ruft über dem Neugetauften: „Dieses ist mein vielgeliebtes Kind, an dem ich mein Wohlgefallen habe.“ – König Ludwig der Heilige von Frankreich hielt sich nirgends lieber auf, als zu Poissy, weil er in dieser Stadt getauft und sein Name in das Buch des Lebens eingetragen worden war. Er erklärte öfters, dass ihm nirgends in seinem ganzen Reich so viel Ehre widerfahren sei, als zu Poissy, dem Ort seiner Taufe. – Jego, Herzog von Kärnten, hatte unter seinen Edelleuten noch viele, die dem Götzendienst nicht entsagen wollten. Im Jahr 791 ließ er nun ein großes Gastmahl bereiten und lud dazu die noch heidnischen Edelleute, aber auch eine Schar armer, hoch christlicher Arbeiter ein. Den Großen wurde ihre Tafel im Hofraum bereitet und mit einfachem Brot, schlechtem Fleisch und sehr billigem Wein in irdenen Gefäßen gedeckt. Die armen Christen hingegen zog der Herzog an seine Tafel, stellte ihnen den köstlichsten Wein in goldenen Pokalen vor, ließ die delikatesten Speisen auftragen und bewirtete sie fürstlich. Die Magnaten erzürnten heftig über ihre Zurücksetzung und fragten mit flammenden Augen nach der Ursache. Der Fürst erwiderte ganz gelassen: „Wundert euch nur nicht über mein Verfahren! Diese hier, zwar arm an zeitlichen Gütern, sind reich an göttlichen Gnaden durch die heilige Taufe geworden, sie sind Kinder und Erben des Allerhöchsten, ich erkenne sie alle als meine rüder in Christus an. Ihr aber, zwar reich an zeitlichen Gütern, seid bettelarm an geistigen Schätzen; eure Seele ist beschmutzt mit vielen Makeln, ihr seid noch Sklaven der Finsternis. Darum ist eure Gesellschaft entehrend für mich.“ Die ernste Ansprache hatte zur Folge, dass die meisten Großen sich unterrichten und taufen ließen. – Sind auch wir von Herzen dankbar für die unaussprechliche Gnade der Taufe und zeigen wir uns dieser Ehre wert. Amen.