Die kirchlichen Segnungen

 

Die Gegner der Kirche spotten viel über die kirchlichen Segnungen, und selbst manche Katholiken machen sich eine verkehrte Vorstellung von der Bedeutung und Wirksamkeit. Aber im Leben zahlloser Heiligen sehen wir, wie schon durch eine Besprengung mit Weihwasser, verbunden mit dem Gebet der Kirche, die Pest vertrieben, die Not beseitigt und reiche Gnaden gewährt wurden. Es wird nicht überflüssig sein, den Segnungen der Kirche eine kurze Erwägung zu widmen.

 

1. Warum segnet die Kirche? Sie segnet, weil sie es von Christus gelernt hat. Christus segnete in der Wüste Brot und Fische, beim Abendmahl nahm er das Brot, segnete und brach es, die Kinder nahm er auf seine Arme, legte ihnen die Hände auf und segnete sie, vor seiner Himmelfahrt hob er seine Hände über die Apostel und segnete sie. Auch seinen Aposteln gab er Gewalt über die unreinen Geister, sie auszutreiben und alle Krankheit und Schwachheit zu heilen. Diese übertragene Gewalt gebraucht die Kirche, um Unheil abzuwenden von der Erde, auf der noch der Fluch der Sünde ruht, um Dürre, Überschwemmungen, Hagel und Ungeziefer von den Früchten des Feldes fern zu halten und Segen und Gedeihen vom Himmel zu erbitten. – Was segnet die Kirche? Sie segnet das gläubige Volk am Schluss der Heiligen Messe, bei Aussetzung des allerheiligsten Sakramentes und bei feierlichen Prozessionen. Sie segnet die Kranken, die Mutter nach der Geburt, die Beichtenden vor Ablegung des Sündenbekenntnisses, die Täuflinge, das Brautpaar, die Leichen vor der Einsenkung ins Grab. Sie segnet Wasser, Salz, Lichter, Kräuter, Fahnen, kirchliche Gewänder, Wohnungen, Schiffe, Eisenbahnen und andere Sachen, um ihnen eine höhere Weihe zu geben und dem Menschen heilsam zu machen. – Durch wen segnet die Kirche? Durch den obersten Hirten, der vom Balkon der Peterskirche der Stadt Rom und dem ganzen Erdkreis seinen Segen erteilt, oder in Privataudienzen einzelne segnet, manchmal auch Entfernten zuwendet. So segnen auch die Bischöfe in ihren Diözesen und die Priester und Diakone, denen bei der Weihe gesagt wurde: „Alles, was ihr segnen werdet, soll auch gesegnet sein.“ So hat die Kirche dem Priestertum die Gewalt zum Segnen übertragen.

 

2. Was sollen die Gläubigen von den Segnungen halten? Sie sollen davon halten, dass sie im Glauben begründet sind. Christus hat seiner Kirche alle Gewalt übertragen mit den Worten: „Wie mich der Vater gesendet hat, so sende ich euch.“ Er hat ihr auch die Segensgewalt übertragen und sie spendet den Segen als eine heilige, vom Himmel überkommene Vollmacht. Der Katholik darf demnach die Benediktionen nicht für eine bloß menschliche oder gar abergläubische Sache halten, sondern muss sie als Gotteswerk anerkennen. Er wird alle Ehrfurcht gegen sie tragen, wie es sich für heilige Dinge geziemt. Die Gläubigen sollen auch die Wirksamkeit der kirchlichen Segnungen anerkennen. Was von Gott und der Kirche, seiner Stellvertreterin ausgeht, ist keine eitle Zeremonie, vielmehr hat es Kraft und Leben. Die Erfahrung beweist in zahllosen Beispielen, dass die kirchlichen Segnungen den Menschen vielfache Gnaden gespendet haben. Gewitter wurden beschworen, Überflutungen verhindert, drohende Krankheiten abgewendet, feindliche Angriffe zurückgeschlagen, Segen und Gnaden den Menschen gespendet. Darum wird der Katholik sich glücklich schätzen, einer Kirche anzugehören, der Gott die Macht und Fülle seines Segens übertragen hat. – Wie sollen die Gläubigen die Segnungen empfangen? Mit Andacht, wie es die Würde der Segnungen verlangt. Das Gebet und die Segnungen der Kirche sind etwas Erhabenes. Deshalb muss man sie mit Andacht und kindlicher Gesinnung gebrauchen. Und weil die Segnungen eine so große Kraft besitzen, wie wir es im Leben vieler Heiligen gesehen haben, deshalb sollen wir Vertrauen zu ihnen fassen. – Wie sollen die Gläubigen die geweihten Sachen gebrauchen? Ohne Aberglauben. Wenn die Kirche Rosenkränze, Kreuze, Medaillen, Kräuter und andere Sachen segnet, so will sie dadurch nie und nimmer den Aberglauben fördern, den sie hasst und verwirft. Der Christ darf darum die gesegneten Sachen nur zu dem Zweck verwenden, wozu die Kirche sie verwendet wissen will. Weil die benedizierten Sachen aus der gewöhnlichen Ordnung der Dinge herausgenommen und mit dem Segen des Allerhöchsten ausgestattet sind, deshalb soll der Gläubige sie mit Ehrfurcht gebrauchen. Man gebe solche geweihte Sachen nicht den Kindern zum Spielzeug und werfe sie nicht in staubige Winkel. Gebrauchen wir in dieser Weise die kirchlichen Segnungen, so werden sie uns reichen Gewinn eintragen. Amen.