Segnungen der Kirche

 

Die Kirche segnet

 

Wenn Scharen von Mäusen die Felder verwüsten, so fleht die Kirche: „O Herr, wir bitten Dich, erhöre barmherzig unser Gebet. Wegen unserer Sünden erleiden wir diese Plage. Um Deines Namens und Deiner Barmherzigkeit willen befreie uns davon. Vertreibe sie, mache, dass sie unsere Felder und unser Land in Frieden und Ruhe lassen, so dass die heranwachsende Ernte Deiner Majestät dienen und uns in unserer Not ernähren möge. Durch Christus, unsern Herrn.“

 

Mit geringfügigen Änderungen dient dieses Gebet auch gegen Heuschrecken, Termiten und anderes Ungeziefer. Es ist typisch für viele von der Kirche gebrauchte Segnungen. Dabei wird um Hilfe in einer Notlage gefleht und ausgedrückt, dass Gott seinen Ruhm vermehre, wenn er die Wohltat gewährt.

 

Außer über Insekten erhebt die Kirche ihre segnende Hand über rund 200 Dinge, darunter Druckpressen, Schreibmaschinen, Feuerspritzen, Flugzeuge, Eisenbahnzüge, Brot, Eier, Wein, Wasser, Salz, Käse, Bandagen, Tragbahren, Krankenbetten, Bibliotheken, Brunnen, Hochöfen, Funkgeräte, Baumwolle, Kalk, Viehfutter, Ställe, Scheunen, krankes Vieh, Brücken, Kuchen und sogar Bier.

 

Doch es gibt auch einen allgemeinen Segen für alles nur Denkbare, der „Ad omnia“ (für alles) genannt wird.

 

Die Kirche kennt drei Arten von Segen: den begründenden, den anrufenden und den vermittelnden. Der begründende weiht den Gegenstand, d.h. er sondert ihn für den Dienst Gottes ab. Dieser Segen verändert also den Zustand des geweihten Gegenstandes. Kelche und Kirchen werden so geweiht, aber auch die Mönche. Wird ein Mönch zum Abt eines Klosters gewählt, so weiht ihn der Bischof, und diese Weihe steht einer Bischofsweihe an Feierlichkeit nur wenig nach.

 

Vermittelnde Segnungen machen gewisse Gegenstände zu besonderen Werkzeugen des Heils, ohne sie unwiderruflich zu weihen. Hierher gehören z.B. gesegnetes Salz, geweihte Kerzen.

 

Der Segen aber, der das größte Interesse für das Volk hat, ist der anrufende. Er fleht Gott um eine besondere Gnade oder Wohltat an, ohne dabei den Zustand des Dinges zu ändern. Wenn ein Priester ein Kind segnet, wird es dadurch nicht zu einer geweihten Person. Aber es empfängt einen besonderen Gnadenerweis Gottes. Wenn wir unsere Speisen segnen, bevor wir uns zu Tisch setzen, so machen wir sie dadurch nicht nahrhafter, noch vermehren wir sie oder sondern sie für einen heiligen Zweck ab. Sie werden dadurch nur für alle, die sie genießen, zu einer Quelle der Gnaden.

 

Die Kirche will, wie jede gute Mutter, uns als ihre Kinder vor Unglück bewahren. Gott weiß, dass sich mit Autos, Zügen und Flugzeugen, in Fabriken, Wohnhäusern und anderen Gebäuden viele Unfälle ereignen. Auch für alle, die an Maschinen, Hochöfen usw. arbeiten, hat die Kirche einen besonderen Segen. Sie weiß, dass der Bauer, um leben zu können, gesunde Tiere braucht, und so segnet sie Pferde, Kühe, Schweine und Hühner.

 

Die Segensformeln, die dabei verwendet werden, haben eine schöne Symbolik und erinnern uns an viele Dinge. Wenn die Kirche für Menschen, die sich auf das Meer hinaus begeben, eine Reise antreten oder zum Fischen ausfahren, zu Gott fleht, so erinnert sie an die Arche Noahs, an Petrus, der auf dem Wasser wandelte, und an das Wort Christi, dass seine Apostel Menschenfischer seien. Wenn sie einen Wagen oder Zug unter Gottes Schutz stellt, dann erinnert das Gebet an die Geschichte des Philippus, der in den Wagen des Äthiopiers stieg, um ihm die Heilige Schrift auszulegen, und herausstieg, um das Wasser der Taufe auf das Haupt des Äthiopiers zu gießen. Der Segen einer Tragbahre spricht von dem Gelähmten, den man vom Dach eines Hauses hinabließ, damit unser Herr ihn heile. Der Segen von Verbänden erinnert uns an die Geschichte jener Frau, die geheilt wurde, als sie den Saum des Kleides unseres Herrn berührte. Mancher Segen erscheint sogar humorvoll, wie z.B. der Hinweis auf die drei Jünglinge im Feuerofen beim Segen einer Feuerspritze.

 

Auch die Heiligen kommen in vielen Segen vor, wodurch wir daran erinnert werden, dass wir zu ihnen in unserer Not flehen sollten. Der heilige Antonius der Einsiedler, der Patron der Haustiere, ist beim Segnen aller Pferde dabei. Der heilige Antonius von Padua, der große Freund der Natur, segnet die Lilien. Der heilige Bernard von Menthon ist der besondere Behüter der Bergsteiger, und so wird ihre Ausrüstung unter Hinweis auf ihn gesegnet. Werden Krankenhäuser geweiht, so bringt uns die Segensformel zwei große Freunde der Kranken, den heiligen Kamillus von Lellis und den heiligen Johannes von Gott, in Erinnerung.

 

Neben den allgemeinen Gebeten und Segnungen gibt es im Rituale, dem Buch für die kirchlichen Gebete und Handlungen, auch Segen für besondere Feste. Und allen ist das Osterwasser vertraut, das am Karsamstag geweiht wird. Wird am 27. Dezember, dem Fest des heiligen Johannes des Evangelisten, Wein geweiht, so wird dabei ein besonderes Gebet gesprochen, das die Erinnerung daran aufrechterhält, dass dieser Apostel einst einen Kelch mit vergiftetem Wein ohne Schaden trank. Daher fleht das Gebet um seine besondere Mitwirkung, damit der Wein uns nicht schade. Am 23. Juni, dem Vorabend des Festes des heiligen Johannes, wird ein besonderes Gebet über das Feuer gesprochen. Darin ist eine Anspielung auf den großen Propheten enthalten, der wie eine Fackel in der Wüste den Weg des Herrn bereitete. Wir alle wissen, dass am Fest Mariä Reinigung, dem Fest des heiligen Blasius, unser Hals gesegnet wird. Aber mancher wird überrascht sein zu erfahren, dass es einen eigenen Segen für das Brot gibt, das man am Fest der heiligen Agatha zu sich nimmt. So geht es weiter durch das ganze Kirchenjahr.

 

Viele der Segensformeln des Rituale haben geradezu etwas Rührendes, z.B. der Segen für ein krankes Kind, der Segen für Neugeborene, der Segen für Medizinen, der Segen für Bienen, Trauben, Brot und Kuchen. Schön ist der Segen für werdende Mütter oder der für die Kräuter am Himmelfahrtstag.

 

Für uns, die wir keine Pilgerfahrten zu fernen Heiligtümern in fernen Ländern machen können, ist das Alltagsleben eine Pilgerreise, und wir können dazu den Segen verwenden für die, die sich auf die Reise zu heiligen Stätten begeben. Dieser erinnert uns an viele Reisen: an die Israeliten, die trockenen Fußes durch das Rote Meer zogen, an Abraham, der seine Heimat verließ, um in das Gelobte Land Kanaan zu ziehen, an Johannes den Täufer, der den Weg des Heils für alle Menschen vorbereitete, an die Heiligen Drei Könige, die auf ihrem Weg nach Bethlehem durch die Arabische Wüste zogen, und an den jungen Tobias, der auf seinem weiten Weg den Erzengel Raphael als Begleiter und Beschützer hatte. Das Gebet fleht zu Gott, er möge sich erweisen als Trost der Landfahrer, als Schatten gegen die Hitze, als Zuflucht vor Stürmen und schließlich als sicherer Hafen.

 

(Von Joseph M. Miller, aus „Messenger oft he Sacred Heart“, 515 E. Fordham Road, New York City, 58. Mai 1950)