Verehrung der Reliquien

 

Warum lag den Klöstern und Kirchen aller Zeiten so viel daran, die Reliquien eines Heiligen zu erhalten? Warum scheuten sie nicht weite und beschwerliche Reisen und Mühen, um die sterblichen Überreste eines Heiligen oder heiligen Märtyrers feierlich abzuholen? Sie hegten eine innige Verehrung zu den glorreichen Vorkämpfern und einen unerschütterlichen Glauben an den Schutz der Heiligen und deren gütige Fürbitte, die sich oft schon auf den Pilgerreisen in zahlreichen Wundern kundgaben. Gleich allen gläubigen Katholiken aller Zeiten verehren auch wir die Reliquien der Heiligen, weil sie

 

1. der Verehrung würdig sind. Das Konzil von Trient lehrt, „dass die heiligen Leiber der Märtyrer und anderer bei Christus Lebenden, die lebendige Glieder Christi und Tempel des Heiligen Geistes waren, die von ihm zum ewigen Leben auferweckt und verherrlicht werden, von den Gläubigen zu verehren seien, zumal durch sie viele Wohltaten von Gott den Menschen erwiesen werden, dass somit diejenigen, die behaupten, den Reliquien der Heiligen gebühre keine Verehrung oder sie und andere heilige Denkmäler würden von den Gläubigen nutzlos verehrt, durchaus auszuschließen sind, wie die Kirche sie schon früher ausgeschlossen hat und jetzt ausschließt.“ Die Heiligen waren lebendige Glieder Christi und Tempel des Heiligen Geistes. Gebührt dem Leib Christi und dem Tempel Verehrung, so auch den Gliedern. Die Leiber der Heiligen waren Werkzeuge der ausgezeichnetsten Tugenden. Wenn man nun schon die Feder oder Haarlocke eines ausgezeichneten Schriftstellers, den Degen eines berühmten Feldherrn hoch in Ehren hält, warum soll man nicht die Überreste von den Heiligen ehren, die so großes für das Reich Gottes getan und gelitten haben? Werden nicht die Leiber der treuen Diener Gottes einst wunderbar verherrlicht werden? Erinnern uns die Reliquien nicht an unsere teuersten Freunde, an unsere mächtigen Beschützer und vorangegangenen Brüder und Schwestern? Welches Kind hält nicht sein Elternhaus, das Bildnis seiner lieben Eltern in Ehren?

 

2. Wir verehren die Reliquien der Heiligen, weil uns die Kirche mit ihrem Beispiel vorangegangen ist. Mit welcher Sorgfalt sammelten die Christen der ersten Jahrhunderte die Reliquien der Heiligen, die Asche der Verbrannten, das Blut der Märtyrer. Welche Ehre wurde ihnen erwiesen. Auf ihren Gebeinen in den Katakomben wurde das Opfer des Neuen Bundes gefeiert und heute noch schließt jeder Altarstein die Reliquien eines Heiligen ein.

 

3. Wir verehren die Reliquien der Heiligen, weil sich Gott in ihnen so oft wunderreich erwiesen hat. Gott erweckte schon im Alten Bund einen Toten durch Berührung mit den Gebeinen des Propheten Eliseus. Der Schatten des vorübergehenden Petrus heilte die Kranken, vor dem Gürtel des heiligen Petrus wichen die Krankheiten und fuhren die bösen Geister aus. Wie viele Wunder geschahen bei der Überführung der Gebeine der Heiligen. Sollten diese Zeichen und Wunder keine göttlichen Fingerzeige sein, dass man seine treuen Dienerinnen und Diener verehren soll? Wenn der König oder das Staatsoberhaupt an Gedächtnistagen seiner Vorgänger gerne Gnaden gewährt, warum sollten wir vom höchsten König und gütigsten Vater Geringeres erwarten? Wie tröstlich ist für uns der Gedanke, mächtige und wohlwollende Freunde im Himmel zu haben, die am Thron der Gnade für uns bitten. Wie könnten wir mutlos werden, da wir so treue Vorkämpfer haben? Nehmen wir darum bei allen Schwierigkeiten und in allen Nöten und Kämpfen unsere Zuflucht zu den Heiligen, halten wir ihre Reliquien und Bildnisse in Ehren, so wird auch uns, wie unzähligen anderen Trost, Mut, Ausdauer und die gewünschte Hilfe durch die viel vermögende Fürbitte der Heiligen zuteilwerden. Amen.