Der christliche Ritter

 

Manche Ritter des Mittelalters waren tapfer im Turnier und auf der Wahlstatt, aber nicht minder tapfere Ritter vor dem Himmel und erfochten die glänzendsten Siege über die Feinde des Heils, in dem sie die Weltlust verachteten und zum Beispiel in armer Klosterzelle nach der ewigen Siegeskrone rangen. Jeder von uns soll ja ein christlicher Ritter werden. So sehen wir uns hier die Fahne, das Wappen und die Rüstung des christlichen Streiters an.

 

1. Dem christlichen Ritter weht die Fahne des Kreuzes voran. Zu dieser Fahne hat er geschworen im Taufgelübde, und diesen Schwur hat er abgelegt vor Himmel und Erde, im Angesicht der Engel und Menschen. Dieser Schwur bindet ihn und keine Macht der Welt kann ihn davon lösen. Die Fahne des Kreuzes führt zum Sieg. Triumphierend hat das Kreuzesbanner die Welt durchzogen und alle Mächte dieser Erde und der Finsternis überwunden. Unter dieser Fahne kämpften und siegten die Apostel, kämpften und siegten die Märtyrer, kämpften und siegten die Einsiedler, kämpften und siegten die heiligen Frauen und Männer der Christenheit. Darum folgt der christliche Ritter der Fahne des Kreuzes und hält unverbrüchlich zu ihm in allen Gefahren, die dem Glauben und dem christlichen Leben drohen.

 

2. Die Ritter führen ein Wappen im Schild. Der christliche Streiter für das Reich Gottes führt als würdigstes Wappen das Lamm, das auf dem Thron sitzt und das Buch mit sieben Siegeln bewahrt, das schuldlose, unbefleckte Gotteslamm, das die Sünden der Welt hinwegnimmt. Sieht er auf dieses Opferlamm, das für uns sein Blut dahingegeben hat, dann bebt er vor keinem Opfer zurück, sollte es auch sein Blut und Leben kosten. – Das Wappen trägt die Umschrift: „Gott mit uns!“ Aus uns selbst vermögen wir nichts, und unsere Feinde sind zahlreich, stark und hinterlistig, aber der Gedanke: Gott, der Allmächtige, ist mein Schutz und Schirm, verleiht unüberwindliche Kraft, und heiteren Mutes ruft der Streiter Christi aus: „Wenn auch ein Heerlager wider mich steht, so soll mein Herz nicht beben.“ Unter dem Beistand der göttlichen Gnade kämpft der Gottesstreiter den guten Kampf und fürchtet nicht zu unterliegen. Mit Stolz trägt er sein Wappen zur Schau, freudig bekennt er seinen Glauben, um Christi willen führt er das Schwert der Wahrheit freudig und siegesbewusst.

 

3. Dem christlichen Ritter darf auch die Rüstung nicht fehlen. Worin besteht sie? Mit Meisterhand schildert sie der heilige Apostel Paulus im Brief an die Epheser (6,13-18): „Ergreift die Rüstung Gottes, damit ihr am bösen Tag widerstehen und in allem unerschütterlich aushalten könnt. So steht denn, eure Lenden umgürtet mit Wahrheit und angetan mit dem Panzer der Gerechtigkeit und beschuht an den Füßen mit der Bereitschaft für das Evangelium des Friedens. Vor allem ergreift den Schild des Glaubens, mit dem ihr alle feurigen Pfeile des Bösewichts auslöschen könnt und nehmt den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, das ist das Wort Gottes.“ Legen wir diese Waffenrüstung an, gehen wir mutig und gottvertrauend dem Frieden unseres Heils entgegen und ruhen wir nicht, bis wir glücklich den Sieg errungen haben und mit dem apostolischen Kämpfer ausrufen können: „Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, den Glauben bewahrt. Im Übrigen ist mir die Krone der Gerechtigkeit hinterlegt, die mir der Herr geben wird.“ (2 Tim 4,7-8) Amen.