Das Papsttum

 

Während seines irdischen Lebens war Christus selbst das Oberhaupt der von ihm gestifteten Kirche. Als er aber zum Himmel hinauffuhr, war es notwendig, dass seiner sichtbaren Kirche auf Erden auch ein sichtbares Oberhaupt gegeben werde. Demgemäß setzte er den Simon, Sohn des Jonas, zum Fundament seiner Kirche, indem er zu ihm sprach: „Ich sage dir, du bist Petrus und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen.“ (Mt 16,18) Ihm gab er die Schlüsselgewalt in seiner Kirche: „Dir will ich die Schlüssel des Himmelreichs geben, und was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und was du lösen wirst auf Erden, soll auch im Himmel gelöst sein.“ Ihm übertrug er das oberste Lehramt mit den Worten: „Ich habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht abnehme, und wenn du dereinst bekehrt bist, stärke deine Brüder!“ (Lk 22,32) Ihm verlieh Christus die höchste Regierungsgewalt: „Weide meine Lämmer, weide meine Schafe!“ (Joh 21) Mit diesen Worten hat Jesus dem Petrus das oberste Lehr-, Priester- und Hirtenamt anvertraut, und er hat von seinen drei Gewalten Gebrauch gemacht, wie uns die Apostelgeschichte lehrt. Da nun die Kirche Christi nach seiner ausdrücklichen Bestimmung fortbestehen sollte bis ans Ende der Welt, so musste auch das Papsttum fortbestehen als eine der wesentlichsten Einrichtungen der Kirche, die die Menschen zur Wahrheit führen, mit Gnaden erfüllen und zum ewigen Leben leiten sollte. In der Tat erhielt Petrus, der im Jahr 42 seinen bischöflichen Sitz in Rom aufgeschlagen hatte, seine Nachfolger im Amt und die Reihe der Oberhirten auf dem päpstlichen Stuhl hat sich in 266 Päpsten fortgesetzt bis auf unsere Tage. Alle Nachfolger des heiligen Petrus auf dem Stuhl zu Rom hat die Kirche durch alle christlichen Jahrhunderte als ihre rechtmäßigen Oberhirten anerkannt, an den Bischof von Rom haben sich alle Bischöfe der Welt bei vorkommenden Streitigkeiten gewandt, seine Entscheidung galt als letzte Instanz, von seiner Genehmigung waren die Beschlüsse der Konzilien abhängig. Auf die höchste Warte gestellt, haben die Päpste über die Herde Christi gewacht, die reißenden Wölfe zurückgehalten, das wuchernde Unkraut ausgerottet, die Schäflein auf gute Weide geführt. Sind auch in der langen Reihe der Päpste einige wenige, die durch weltlichen Einfluss zur höchsten Würde gelangten, nicht von Verirrungen freizusprechen, so hat doch keiner von ihnen Irrlehren ausgesprochen, und es gibt keine Regentenfamilie, die so edle Charaktere, so mutige Bekenner, so heroische Martyrer, so gelehrte und kunstliebende Herrscher aufzuweisen hat, wie der Heilige Stuhl zu Rom. Die Päpste schützten die Welt vor der Barbarei, pflegten die Künste und Wissenschaften, retteten die Denkmäler des heidnischen Roms vor dem Verfall, stifteten die großartigsten Einrichtungen, um das Elend zu mildern, sandten ihre Missionare in alle Länder des Heidentums und schufen menschenfressende Barbaren in gesittete Menschen um. Rom mit seinem Papsttum ist bis zur Gegenwart der Mittelpunkt der Welt, der Sammelplatz der Gelehrten und Künstler, die Pulsader alles religiösen Lebens, die Sonne, die ihre milden Strahlen belebend, erwärmend und segnend über alle Länder der Welt ergießt und zeitliches und ewiges Glück unter den Völkern verbreitet. Gott sei Dank!