Marienverehrung

 

Jeder wahre Katholik ehrt auch die Mutter des Erlösers. Er betet sie nicht an, wie die Feinde der katholischen Kirche den Leuten vormachen, sondern er erweist ihr nur Ehrenbezeigungen und ruft sie um ihre Fürbitte an. Und verdient sie dies etwa nicht? Wenn Gott selbst Maria dafür auserwählte, dass sie die Mutter der menschlichen Natur in Jesus Christus, dem ewigen Gottessohn werde, dürfte dann der katholische Christ an Maria mit Gleichgültigkeit vorübergehen oder ihr gar verächtlich begegnen? „Von denen, die der Mutter Gottes nicht die Ehre geben, will ich nichts wissen“, pflegte der berühmte Prediger Dr. Johann Emanuel Veith zu sagen. Gottliebende Seelen haben jederzeit auch Maria geliebt, sie besungen und gepriesen.

 

„Taubenfromme, lilienklare,

Unbefleckte, wunderbare

Jungfrau, die nach ew`ger Wahl

Gott, der Schöpfer aller Wesen,

Sich zur Mutter auserlesen,

Sei gegrüßt vieltausendmal!“

 

singt ein begeisterter Verehrer Mariens und in seinem lieblichen Büchlein „Am tiefen Weg“ spricht der heimgegangene Heinrich Opitz den Wunsch aus:

 

„Ich wünscht, ich wär ein Sonnenstrahl,

So golden, zart und fein!

Wohl täglich schlüpft ich tausendmal

Zum Kirchlein hier hinein.

 

Ich taucht dein Bild in gold`ne Pracht,

In blendende Strahlenzier;

Ich wünschte abends gute Nacht,

Wär morgens wieder bei dir.

 

Und wär ich tags ein Sonnenstrahl,

Nachts möchte ich sein ein Stern:

Ich schaut auf dich vieltausendmal

Aus dunkler Himmelsfern.

 

Ich hielte nachts bei dir die Wacht

Mit meinem milden Schein,

Als ewiges Lichtlein schlich ich sacht

Am liebsten mich hier ein.

 

Hat es dem Sänger die Schönheit Mariens angetan? Ohne Zweifel! Jene Schönheit, von der selbst die Heilige Schrift sagt: „Ganz schön bist du, meine Freundin, und keine Makel ist an dir.“ (Hohelied 4,7) – „Wo die Madonna weilt, da weilt auch die Schönheit!“ ließ sich Th. Fontane angesichts der Werke Fiesoles und Mantegnas vernehmen und E. v. Handel-Mazzetti hat die Worte für die Jungfrau: „So schön als sie ist, kann kein Mensch Maria malen, ob er ein Taferlmaler ist oder der hl. Lukas selber.“

Und wer brauchte im Leben nicht die Fürbitte Mariens in mancher Angelegenheit! Die Bitte:

 

„Maria, breit den Mantel aus,

Mach uns ein schirmend Dach daraus

Und lass uns all darunter knien,

Bis dass die Wetter vorüberziehn!“

 

ist gewiss aus notbedrängtem Herzen emporgestiegen. Bleibt doch kein Vertrauen zu Maria unbelohnt und einen guten Teil hat der erwählt, der mit Eichendorff bittet:

 

„Wenn die Menschen mich verlassen

In der letzten stillen Stund,

Lass mich fest das Kreuz umfassen.

Aus dem dunklen Erdengrund

Leite liebreich mich hinaus,

Mutter, in des Vaters Haus!“