Maria und Europa

 

Vortrag von Bischof Dr. Rudolf Graber anlässlich des 85. Deutschen Katholikentages in Freiburg / Br. Am 16. September 1978

 

Einleitung

 

Die Jahrzehnte, die wir durchleben, werden in die Geschichte eingehen unter der Bezeichnung „Wiederentdeckung Europas“. Unser Erdteil, der einstmals eine Einheit bildete, aber vor allem durch die beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts auseinanderfiel, ist im Begriff, sich wieder zusammenzufinden. Es sind vorwiegend wirtschaftliche und politische Gründe, die auf die Einigung Europas hinarbeiten. Indessen ein solches Traggestühl ist auf die Dauer zu schwach. Die Europa-Idee braucht ein geistiges Fundament. Die Kirche hat nie aufgehört, dies zu betonen. Es war Papst Pius XII., der sich unablässig um die Einigung Europas bemühte. In seiner Rundfunkansprache vom 24. Dezember 1941 fordert er, dass man nach Beendigung des Krieges alles daran setzen müsse, um „ein neues Europa und eine neue Welt aufzubauen“. Schon in seinem ersten Rundschreiben „Summi Pontificatus“ vom 20. Oktober 1939 kommt er auf den Zusammenhang von Europa und dem Heiligen Stuhl zu sprechen und sagt: „Vor Zeiten hat die Lehre Christi Europa den geistigen Zusammenhang gegeben, und Europa, erzogen und veredelt durch das Kreuz, hat einen solchen Aufschwung genommen, dass es Erzieher anderer Völker und anderer Erteile werden konnte“. Im Übrigen hat schon Papst Leo XIII. in seinem Rundschreiben „Praeclara gratulationis“ vom 20. Juni 1894 so tiefgreifend und eindringlich über die Sendung des christlichen Europa gesprochen, dass man diesen Text unbedingt in einem christlichen europäischen Lesebuch verwenden müsste.

 

Die Baumeister Europas – der hl. Benedikt

 

Wir können hier leider nicht der Frage nachgehen, wer alles zu den Baumeistern eines christlichen Europas gehört. Wir beschränken uns auf den hl. Benedikt, den Papst Paul VI. am 24. Oktober 1964 zum Patron Europas erklärte, indem er folgendes sagte: „Er, Benedikt, der Bote des Friedens, Schmied der Eintracht, Lehrmeister der Zivilisation, allen anderen voran, Herold der Religion Christi und der Begründer des klösterlichen Lebens im Okzident, möge die Entwicklung der europäischen Geschicke leiten und durch seine Fürsprache einen nicht abreißenden Fortschritt erlangen, er, der einst mit dem Licht der christlichen Kultur die Finsternis zurückgedrängt und die höchste Gabe des Friedens zum Leuchten gebracht hat“. Im gleichen Jahr hat der Papst in einem Gebet für Europa alle Ansätze „zur brüderlichen Einheit und Zusammenarbeit“ ermuntert, zugleich aber gewarnt vor „inneren Zwistigkeiten, vor Prestigedenken und kleinlicher Rivalität“ und in diesem Zusammenhang wieder auf den hl. Benedikt Bezug genommen, der mit seinem „ora et labora“ dieses Europa geschaffen hat.

 

Maria

 

Nicht weniger gilt dies von einer Person, die neben Christus den höchsten Rang in der Heilsgeschichte einnimmt, von Maria. Sie, die israelitische Königstochter, ist mit dem Abendland aufs engste verbunden, weil nach einem Historiker gerade „das Abendland von allen Großräumen der Weltgeschichte (bis zur Gegenwart) der einzige Raum ist, in dem die Inkarnation, die Menschwerdung Christi, geschichtsbildend geworden ist“.

Im liturgischen Kalender konnte ich allerdings nur ein einziges örtliches Fest „Maria und Europa“ feststellen, das seit 1876 am 30. Mai in Gibraltar gefeiert wird, vermutlich, weil man dort sozusagen die Grenze unseres Kontinentes der Gottesmutter unterstellen wollte.

Auch viel zu wenig bekannt ist die Europa-Madonna. Vor zwanzig Jahren schon, lange bevor der Europagedanke Menschen und Völker unseres Erdteils erfasste, wurde im Herzen Europas auf dem Berge Serenissima in Norditalien, dort, wo die französische, die deutschsprechende Welt und Italien zusammenstoßen, in 2000 m Höhe die mächtige, 20 m hohe, ganz vergoldete Statue „Nostra Signora d` Europa, Unsere Liebe Frau und Herrin Europas“ errichtet. Dieser neue europäische Wallfahrtsort fand die vollste Zustimmung von Papst Pius XII. Die in den Jahren 1956 bis 1958 errichtete Statue wurde am 12. September 1958 von dem Mailänder Erzbischof Montini, dem verstorbenen Papst Paul VI., feierlich eingeweiht. Der Platz ist hervorragend gewählt. In einer grandiosen Bergwelt, an einer Grenzscheide oder besser Nahtstelle Europas, von der die Wasser in den Rhein, in die Donau und in den Po, in die Nordsee, in das Schwarze Meer und in das Mittelmeer hinunterfließen, will Maria nach allen Seiten Europas hin ihren mütterlichen Gnadensegen ausströmen lassen.

 

Maria und Europa

 

Wenn heute nun das Thema „Europa“ in allen Variationen aufgegriffen und mit allen möglichen Dingen in Beziehung gesetzt wird, so ist es angebracht, gerade auf einem Katholikentag auch über das Thema „Maria und Europa“ zu sprechen.

 

Mythos und Legende

 

Alles Große kündigt sich irgendwie an, und wenn es auch nur im Mythos ist, denn auch im Mythos liegen Körner der Wahrheit verborgen, und neben dem Prophet steht auch die Sybille. Auf dem Kapitol in Rom, dem Mittelpunkt der antiken Welt, erhebt sich jetzt eine Kirche mit einem eigenartigen Namen „Ara coeli, Altar des Himmels“. Die Legende berichtet, dass Kaiser Augustus bei der Erscheinung einer Jungfrau mit einem Kind die Worte hörte „Haec est ara filii Die“ („hier ist der Altar des Gottessohnes“). Daraufhin hätte er an dieser Stelle einen Altar erbauen lassen. Dieses Wort muss jedoch in einem größeren Zusammenhang gesehen werden. Im Jahr 40 vor Christus, also immerhin nahe der Zeitenwende, verkündete der Dichter Vergil: „Jetzt ist die letzte Zeit nach dem Lied der Sybille gekommen. Und es beginnt von neuem der Zeiten geordnete Folge. Jetzt kehrt wieder die Jungfrau, es kommt das Reich des Saturnus. Jetzt steigt nieder ein neues Geschlecht aus himmlischen Höhen“. Ganz gleich, wie man diese Worte deutet, - manche bringen sie in Verbindung mit der Jungfrauengeburt beim Propheten Isaias (7,14) – ist es nicht merkwürdig, dass man im Mittelpunkt unseres Erdteils, in Rom, sich von einer Jungfrau das Goldene Zeitalter erwartete? Ist es nicht auffallend, dass Kaiser Konstantin der Große in seiner Rede an die Konzilsväter von Nicäa 325 diese Dichterworte von der Jungfrau erwähnt, und der verdienstvolle Forscher der mittelalterlichen Kaisermystik Franz Kampers hat diese Verse Vergils nicht mit Unrecht als „die Geburtsurkunde der abendländischen Kaiseridee“ bezeichnet.

Die christliche Legende antwortet auf diese heidnischen Mythen, indem sie die Erfüllung deutet. Der Marienwallfahrtsort Loreto an der Adria ist bekannt. Von ihm leitet sich die Lauretanische Litanei her. Die Legende berichtet, dass Engel am 7. September 1295 die Verkündigungskapelle von Nazareth nach Loreto übertragen hätten (genauer gesagt, soll das Heilige Haus zuerst in der Nacht vom 9. Auf den 10. Mai 1291 nach Dalmatien gebracht worden sein). Es ist klar, dass es sich hier um einen typisch mittelalterlichen Wunderbericht handelt, aber vielen Legenden liegt ein geschichtlicher Kern zugrunde. Unsere Frage ist nun die, ob damit nicht dinghaft der Übergang der Verkündigung von Nazareth ins Abendland zum Ausdruck gebracht werden soll. Unserem Erdteil wird die frohe Botschaft, das Evangelium verkündet, und Europa hat wie Maria in Nazareth gläubigen Herzens gesprochen: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Wort“ (Lk 1,38). Wenn es somit in „Ara coeli“ heißt: „Haec est ara filii Die“, so lesen wir in der Casa santa, im heiligen Haus von Loreto: „Hic verbum caro factum est“, „hier“, d.h. in Loreto, im Abendland „ist das Wort Fleisch geworden“. Die Legende hat das Wort des Herrn gleichsam auf Europa bezogen: „Das Reich Gottes wird von euch genommen und einem Volk gegeben, das seine Früchte bringt“ (Mt 21,43). Das in erster Linie zum Heil berufene Volk hat das Evangelium abgelehnt, und so bringen nun Engel die Botschaft nach Europa. Auf diese Weise findet auch im heilsgeschichtlichen Raum das statt, was man im rein Historischen die „translatio“ nennt, die Übertragung der Weltherrschaft etwa von Byzanz auf das Abendland oder nach der Weissagung Daniels die Abfolge der vier Weltreiche.

Nun kehren wir nochmals nach Rom zurück. Es scheint wiederum symbolhaft, dass in der größten römischen Marienkirche, in Maria Maggiore, die Krippe aufbewahrt wird. Wenn Nazareth nach Loreto gewandert ist, so ist Bethlehem nach Rom gegangen. In Europa ist die Geburt des Herrn erfolgt. Die Sprache der Symbole sagt uns, dass Europa marianisch geprägt ist. An dieser Stelle müssten wir nun alle marianische „Reliquien“ aufzählen, die im Abendland verehrt werden, wie das Kleid der Gottesmutter in Aachen (und an anderen Orten). Dabei sind wir uns bewusst, dass wir bei diesen Überlegungen den Bereich der Geschichte verlassen haben. Aber Geschichte ist nur ein Erkenntnisweg, und manchmal vermittelt uns der Mythos und die Legende tiefere Einsichten. Zu alledem hat die Geschichte Europas in ihrem Verlauf den marianischen Charakter des Abendlandes gleichsam demonstriert, also bewiesen.

 

I. Die marianische Struktur Europas

 

Wenn wir von dem vorhin zitierten Wort ausgehen, dass die Menschwerdung Christi gerade in unserem Raum geschichtsbildend geworden ist, dann ist damit auch die Rolle Mariens für uns gekennzeichnet: denn Maria und Inkarnation gehören zusammen. Es war der große Joseph Görres, der in seinem „Athanasius“ zeigte, wie sich die göttliche und menschliche Natur Christi im abendländischen Geschichtsverlauf wiederspiegelt, wie das geistig – geistliche Prinzip, verkörpert im Papst, mit dem weltlichen Prinzip im Kaiser jene Dynamik der Geschichte verursachte, die eben nur in Europa geschehen konnte. Hier entwickelte sich eine Zweieinheit, die zwar zu schwersten Belastungen führte, ohne die aber unsere Weltkultur nicht entstanden wäre. Wie sehr man hier Maria einbezog, zeigt ein Gemälde aus dem Jahr 1525 von Hans Holbein dem Jüngeren, genannt das „Gekrönte Marienbild des Bürgermeisters Meyer von Basel“. Die Gottesmutter trägt hier die Krone des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Maria ist imperatrix, Kaiserin des Reiches. Das Reich, das Herzstück Europas, und Maria gehören zusammen. Maria ist also die eigentliche Herrscherin. Darum wird ihr noch ein anderes Herrschaftssymbol beigegeben, der Reichsapfel. Maria trägt somit die Symbole der christlichen abendländischen Weltherrschaft. Diese Beispiele, die noch vermehrt werden können, zeigen uns die enge Verflechtung des Marianischen mit dem Politischen im weitesten Sinn des Wortes. Es ist sicher kein Zufall, dass die Kaiserkrönung Ottos I. 962, mit der wir uns, wie Heinrich Günther sagt, „am Nerv des deutschen Kaiserproblems befinden“, am 2. Februar, am Fest Mariä Lichtmess erfolgte. In diese Linie gehört auch die Tatsache, dass jenes deutsche Nationalheiligtum, in dem 813 bis 1531 nicht weniger als 37 deutsche Kaiser und Könige gekrönt wurden, Unserer Lieben Frau geweiht ist. Karl der Große hatte dieses Marienmünster erbaut, das mit seiner Residenz zusammen den neuen Reichsmittelpunkt bilden sollte und das als Weltwunder der damaligen Zeit das Staunen der Zeitgenossen hervorrief. Nach manchen Autoren hätte Karl sogar den Wunsch geäußert, gerade in diesem Marienheiligtum zum Kaiser gekrönt zu werden, um Krone und Zepter gleichsam aus den Händen Mariens zu empfangen. Der gleiche Gedanke soll die deutschen Kaiser und Könige bestimmt haben, als sie hier im Mariendom gekrönt wurden.

Von der Marienkirche zu Aachen blicken wir auf die Hagia Sophia in der Kaiserstadt des Ostens nach Konstantinopel. Hagia Sophia bedeutet heilige Weisheit. Zweifellos steht diese göttliche Weisheit in engster Verbindung mit derjenigen Person, die wir in der Litanei als Sitz oder Thron der Weisheit grüßen. Vielleicht wird in dieser Zusammenschau deutlich, wie sehr sich das christliche Herrschaftsideal unterscheidet von den weltlichen Macht-Imperien alter und neuer Zeit. Europa war gegründet auf die marianischen Eigenschaften der „pax“ und der „justitia“, des Friedens und der Gerechtigkeit, wie aus den liturgischen Gebeten des Frühmittelalters ersichtlich wird. Auch Sophia, die Weisheit zählt zu diesen Eigenschaften. Ob man von Pax, vom Frieden, zur „Regina pacis“, zur Königin des Friedens fand und von der „justitia“, von der Gerechtigkeit zum „speculum justitiae“, zu Maria, dem Spiegel der Gerechtigkeit oder ob die Linie umgekehrt verlief, von Maria zu diesen Herrschertugenden, ist nicht so wichtig. Jedenfalls wird in der von Papst Paul VI. am 6. Januar 1967 ins Leben gerufene Bewegung “Justitia et pax“ etwas von jenem mittelalterlichen marianischen Ideal wieder lebendig. In diesem Zusammenhang müsste auch gesprochen werden, wie die großen Kaiserinnen und Königinnen, z.B. Mathilde, Adelheid und Kunigunde, aber auch Äbtissinnen, wie vor allem Hildegard von Bingen, die Kirchenlehrerin und Prophetin, die christliche Sybille, aus marianischem Geist wirkten.

 

II. Die Schützer rolle Mariens

 

Was wir hier betrachtet haben, hat uns gezeigt, wie Maria am Aufbau und an der Struktur Europas beteiligt war. Nunmehr handelt es sich darum darzutun, wie Maria dieses Abendland behütet und beschützt hat. Als Ausgangspunkt wählen wir wieder ein Thema der Kunst, das uns mehr aussagt als viele wissenschaftliche Abhandlungen. Es ist das Motiv der Schutzmantelmadonna. Man kann sicher nicht behaupten, dass sich dieses Motiv auf den abendländischen Raum allein beschränkt. Es ist allgemein menschlich, sich in die Obhut der Mutter zu flüchten. Wir müssen jedoch sagen, die abendländische Geschichte liefert den Beweis, dass das Schutzmantelmotiv bei uns in Europa eine besondere Note erhält.

 

Die Schutzmantelmadonna

 

Im Ritus der Kaiserkrönung begegnen wir einer eindrucksvollen Zeremonie. Der Papst nimmt den Electus, den erwählten Kaiser, unter seinen Mantel und dieser küsst die Brust des Papstes. Dieser Vorgang lässt uns die Schutzmantel-Madonnendarstellung tiefer erfassen. Wenn Maria auf diesen mittelalterlichen Bildern die ganze Christenheit, repräsentiert durch Papst und Kaiser, mit ihrem Mantel umhüllt, dann bedeutet dies nicht nur ganz allgemein ein Schutzverhältnis. Die Mantelumhüllung mit Brustkuss stellt vielmehr eine alte germanische Adoptionsform dar, d.h. somit: Wie bei der Kaiserkrönung die Umhüllung ein mystisches Vater- und Sohnverhältnis zwischen Papst und Kaiser begründet, so entsteht hier zwischen Maria und der durch Papst und Kaiser symbolisierten Christenheit ein geheimnisvolles Mutter- und Kindverhältnis. Maria ist die Mutter Europas. Bei dem Nachweis, wo und wann Maria unseren Kontinent unter ihren Schutzmantel genommen hat, beschränken wir uns auf gewisse kriegerische Ereignisse. Es muss einer eigenen Studie vorbehalten bleiben, auf welch andere Gebiete sich der Einfluss Mariens erstreckte, bzw. in welchem Umfang die Marienverehrung das Werden unseres Erdteils begleitete. Gerade hier wäre noch viel zu tun. Aber immerhin durch die Beschränkung auf „Maria vom Sieg“ ist der Rahmen abgesteckt, der auch die Friedensmission Mariens im europäischen Raum darlegt. Natürlich können wir uns hier unmöglich auf alle jene Ereignisse einlassen, die dem Eingreifen Mariens zugeschrieben wurden; wir versuchen nur das Wesentliche herauszustellen.

 

Die erstmalige große Einkreisung Europas

 

Die große Zangenbewegung, die uns heute vom Osten und vom Süden, von Afrika, her bedroht, ist geschichtlich nicht die erste Einkreisung Europas. Hammer und Sichel haben ihr Vorbild im Halbmond des Islams, der im Osten das byzantinische Reich bedrohte und im Westen nach Spanien vorstieß. Damit sind bereits jene beiden Mächte genannt, die die Vorsehung als Schutzschilder Europas vorgesehen hatte. Konstantinopel mit dem oströmischen Reich und Spanien.

 

Byzanz

 

Beginnen wir mit dem Osten, mit Byzanz. Jahrhundertelang hatte diese größte Marienstadt der alten Kirche alle feindlichen Angriffe abgewehrt, Perser, Awaren, Bulgaren, Russen und vor allem die Araber. Als dann schließlich 1453 die Türken die Kaiserstadt eroberten, „erzitterte in größter Bestürzung das ganze Abendland. War Byzanz verloren, so konnte auch Wien nicht mehr sicher sein, und mit dem Fall Wiens stand der Erbfeind an den Toren Roms“. Aber immerhin fast ein ganzes Jahrtausend hatte Konstantinopel den Feinden standgehalten und in diesem Jahrtausend konnte Europa sich zu einem eigenständigen Kulturkreis entwickeln. Immer war es die Gottesmutter, der man die Siege zuschrieb; so 626 als gleichzeitig die Awaren und Slaven zu Wasser und zu Land und auf dem asiatischen Ufer die Perser auf Byzanz vorstießen. „Aber“, so schreibt der Chronist, „durch Gottes Hilfe wurden durch die Fürbitte der reinsten Jungfrau und Gottesmutter“ die Feinde besiegt. Damals entstand als bleibendes Denkmal der Dankbarkeit der Akathistos-Hymnus, eine Art byzantinisches Rosenkranzgebet, das stehend gebetet wird. In der Antiphon wird auf die Kriegsgefahr verwiesen: „Ich, deine Stadt, weihe dir, der Heerführerin, die für uns kämpfte, das Siegeslied und als Erlöste aus Furchtbarem, den Dankeshymnus“. Nicht anders war es 673, 717 und 860, als die Russen zu ihrem großen Angriff auf Konstantinopel ansetzten und dank der Hilfe Mariens zurückgeschlagen wurden. Bei der Abwehr aller dieser Feinde spielt eine große Rolle ein Gewandungsstück der Gottesmutter (Omophorium genannt), das das Heer in die Schlacht begleitete.

 

Spanien

 

Fast zur gleichen Zeit als im Jahr 717 der Großangriff auf Konstantinopel einsetzte, erfolgte der Ansturm auf die Westflanke Europas, auf Spanien, wo 717 in der Schlacht von Xeres de la Frontera das christliche Heer vernichtet wurde. Trotzdem war der Mut der spanischen Christen nicht gebrochen. Als eine Heerschar von tausend Christen in einer weiten Höhle Zuflucht gesucht hatte und der Verräterbischof Oppa sie zur Übergabe aufforderte, gab der christliche Heerführer Pelayo die herrliche Antwort: „Die Kirche wird in ganz Spanien hergestellt werden, weil wir einen Fürsprecher beim Vater haben, unseren Herrn Jesus Christus, und deshalb verachten wir die ganze Menge der Heiden . . . Denn, wie wir vertrauen, werden wir durch die Fürbitte der glorreichen Jungfrau Maria, der Mutter desselben Christus des Herrn gerettet werden und mit ihrer Hilfe, die die Mutter der Barmherzigkeit ist, wird das Volk der Goten aus den wenigen, die in dieser Höhle sind, sich wieder erheben“. Und so war es auch. Stück für Stück spanischen Bodens wurde zurückerobert, obwohl im Jahr 1212 nochmals alles auf des Messers Schneide stand. Eine halbe Million Araber sollen damals die Meerenge überquert haben, um zum Vernichtungsschlag auszuholen. In der ganzen Christenheit war man sich der Gefahr bewusst; Franzosen und Burgunder zogen zu Hilfe, sogar aus dem fernen Österreich brach Leopold der Glorreiche mit einem Heer auf. Es wird berichtet, dass beim Erscheinen der Marienfahnen sich die Araber zur Flucht wandten, und allgemein wurde der Sieg der Gottesmutter zugeschrieben.

 

Das Reich und Polen

 

Während so der Westen Europas, die Pyrenäenhalbinsel in einem achthundertjährigen Kampf zurückerobert wurde, brach die Schutzwehr Europas, das byzantinische Reich im Jahr 1453 zusammen. Nun mussten Österreich und Polen die Grenzen nach Osten und Südosten schützen. In all diesen Kämpfen muss eines Ereignisses gedacht werden, das von neuem unterstreicht, wie sehr Maria und Europa miteinander verbunden sind. Nahezu alle Länder unseres Erdteils haben Maria zu ihrer Herrin und Patronin erkoren. Auch dies müsste eigens einmal besonders herausgearbeitet werden.

 

Die Weihe des Reichs in Altötting

 

Es sei hier nur an die Weihe des Reichs erinnert, die der neugekrönte junge Kaiser Leopold I. am 5. September 1658 in der Gnadenkapelle zu Altötting vornahm. Ein Zeitgenosse berichtet von ihm, dass er nach all dem rauschenden Prunk des Krönungsfestes zu Frankfurt „nichts inniger in seinem Herzen und Sinn getragen habe als den Wunsch, vor Übernahme der Regierung die Gottesmutter in Altötting zu verehren“. Und so fand sich denn der junge Herrscher am 5. September 1658 in Altötting ein und kniete mit seinem engsten Gefolge als Vasall und Bittsteller „allerdemütigst vor unserer lieben Frau, um von ihr der himmels-kayserin das new angetrettene kayserthumb zu lehen zu nemmen und sich und seine untergebne land und leut unter den schutz Mariae wider seine feind bestermassen zu befehlen“.

An solch einem Text zeigt sich der Unterschied zwischen einem Profanhistoriker und einem theologisch orientierten Historiker. Der erstere legt diesen Worten keine größere Bedeutung bei, der letztere wertet diese Szene in der Gnadenkapelle von Altötting als ein bedeutsames Geschehen. Das Reich ist Maria geweiht. Das Gewicht dieses Satzes kann nur der ermessen, der weiß, was Weihe bedeutet. Äußerlich gesehen wiegen die Worte nicht schwer, sie lassen sich leichthin aussprechen. Aber von innen, von Gott her gesehen, sind sie die großen Einschnitte und Marksteine der Geschichte, von denen Jahrhunderte abhängen. Das Geschehnis selber wirft selbstverständlich eine Reihe von Fragen auf, die wir nur kurz andeuten können: Welche konkreten Dinge verlangt eine solche Weihe? Besteht diese Weihe heute noch fort? Ist sie durch die Entwicklung Europas, durch Säkularismus und Materialismus praktisch zurückgenommen worden? Welche Folgen ergeben sich daraus? Bedeutet die Weihe Deutschlands an das Unbefleckte Herz Mariens auf dem Katholikentag in Fulda 1954 eine Erneuerung dieser Weihe? Was haben wir nach Fulda seelsorglich getan, um diese Weihe zu leben, oder war sie nur ein schmückendes Beiwerk, der wir keinen verpflichtenden Charakter zuschrieben – lauter Fragen, die Beantwortung verlangen, zumal sie irgendwie den Ablauf der Geschichte positiv oder negativ bestimmen.

 

Lepanto und Wien

 

Damals wirkte sich jedenfalls die Weihe positiv aus. Mit der Weihe des Reichs vom Jahr 1658 sind wir jedoch einigen marianischen Siegen vorausgeeilt, die wenigstens kurz erwähnt werden müssen, die Schlacht von Lepanto 1571, in der die Seemacht der Türken zerschlagen wurde, und die Schlacht am Weißen Berg zu Prag 1621, die den Bestand der katholischen Religion im Süden des Reichs sicherte, bzw. wiederherstellte. Lepanto ist ein Sieg des Rosenkranzgebetes. – Wir haben soeben Altötting genannt. Es ist viel zu wenig bekannt, dass vor der großen europäischen Entscheidungsschlacht vor Wien 1683 der Oberbefehlshaber des christlichen Entsatzheeres Herzog Karl von Lothringen vor dem Gnadenaltar in Altötting betete. Dadurch hat Altötting diese welthistorische Stunde mitbestimmt, von der das Schicksal Mitteleuropas abhing. Hat Lepanto die Überlegenheit der Türken auf dem Meer zunichte gemacht, so hat Wien die türkische Vormachtstellung zu Land gebrochen. Das Fest Mariae Namen vom 12. September, das leider der Kalenderreform zum Opfer fiel, erinnerte an diese europäische Entscheidungsstunde, so wie das Rosenkranzfest das Gedenken an Lepanto forterhält. Es erübrigt sich auf all die anderen marianischen Siege näher einzugehen. Aber auf etwas anderes darf hingewiesen werden.

 

Ingolstadt und das Colloquium Marianum

 

Neben Altötting muss gerade für Mitteleuropa auch noch Ingolstadt erwähnt werden, das als Universitätsstadt ein Hort der Gegenreformation wurde. Hier wirkte P. Jakob Rem aus Bregenz, der 1574 die erste marianische Kongregation nördlich der Alpen in Dillingen gründete. Er wirkte später in Ingolstadt bis zu seinem Tod 1618. Ihm verdankt das sogenannte Colloquium Marianum seine Entstehung, die am 4. Mai 1595 erfolgte, eine Elitebewegung der Marianischen Kongregation. Zurzeit P. Rems gingen aus Kongregation und Colloquium 14 bedeutende Kirchenfürsten hervor, und Männer wie Kurfürst Maximilian I. von Bayern und Kaiser Ferdinand II. schöpften aus diesem marianischen Jungbrunnen die Kraft zu ihren späteren Einsätzen für die Kirche. Es ist nicht zu viel gesagt, wenn man behauptet, dass der Einfluss dieses Colloquiums sich auf ganz Europa erstreckte, und die Kapelle der Dreimal-Wunderbaren Mutter im Ignatiuskonvikt zu Ingolstadt wurde zu einer europäischen Gnaden- und Wallfahrtsstätte, die Altötting kaum nachstand und die von Kaisern und Königen, Kurfürsten und anderen Fürstlichkeiten besucht wurde.

 

Barock und Aufklärung

 

Mit der Erwähnung der Marianischen Kongregation und des Colloquium Marianum berühren wir jenes Gebiet, das wir vorhin nur andeuteten, das aber beweist, wie marianische Frömmigkeit auch kulturfördernd wirkt und dem tiefgesunkenen religiösen Leben eine neue Blüte bescherte; denn das nun beginnende Zeitalter des Barocks war von zwei geistlichen Strömungen beherrscht, von der eucharistischen und marianischen Idee. Hier wäre nun auch der Ort, um einiges zu sagen über die Bedeutung der europäischen Marienwallfahrtsorte, über Mariazell und Einsiedeln, über Kevelaer und Tschenstochau, Chartres und Le Puy, Genazzano südlich von Rom, Walsigham in England und Montserrat in Spanien. In unser Thema gehört freilich auch das Jahr 1793, wo man in der Französischen Revolution auf den Hochaltar der Notre-Dame-Kirche zu Paris ein käufliches Weib setzte und ihr als Göttin der Vernunft huldigte. Mit dieser wüsten blasphemischen Orgie schien das Band zwischen Maria und Europa zerrissen. Und doch nicht. Im Gegenteil.

 

Das marianische Jahrhundert

 

Mit dem Jahr 1830, in dem die Gottesmutter der hl. Katharina von Labouré zu Paris erscheint und sie die sogenannte wundertätige Medaille prägen heißt, beginnt das marianische Jahrhundert, das nach La Salette und Lourdes seinen Höhepunkt in Fatima erreicht. Wieder müssen wir fragen: Wo ist ein Erdteil, in dem Maria so oft erschien, wie gerade in Europa? Ist dieser Gedanke nicht auch einmal erwägenswert?

 

Fatima und Russland – die zweite Einkreisung Europas

 

Was jedoch Fatima betrifft, so stehe ich nicht an zu behaupten, dass es sich hier um die Schicksalsfrage Europas handelt. Natürlich gilt die Voraussage Mariens bei ihrer dritten Erscheinung, wonach Russland seine Irrtümer in der Welt verbreiten, die Guten verfolgen, dem Heiligen Vater schweres Leid antun, Kriege entfesseln wird und mehrere Nationen vernichten wird, für alle Völker. Aber jedem Einsichtigen ist klar, dass in erster Linie davon Europa betroffen sein wird und die Jahre, die wir durchleben, beweisen es zur Genüge. Nicht umsonst erschien Maria im westlichsten Land Europas, um hier dem mächtigen Koloss im Osten gegenüberzutreten. Mit Fatima erreicht das Marianische seinen politischen Höhepunkt. Fatima macht deutlich, dass die Rettung unseres Erdteils letztlich davon abhängt, ob wir das tun, was Marie dort am 13. Juli 1917 gesagt hat. Das bedeutet keine Abwertung von NATO, EG und Neutronenbombe, sondern will nur, wie man heute sagt, die Prioritäten richtig setzen. Die Priorität aber und die größte Sicherheitsgewähr ist uns in der Botschaft von Fatima gegeben. Fatima ist das größte Angebot, das Gott unserem Kontinent gemacht hat für seine Zukunft und sein Überleben. Wird es in letzter Stunde verstanden werden? Oder lesen wir weiterhin gleichgültig und gedankenlos über die Worte des Einleitungspsalms 94 zum täglichen Offizium hinweg: „Vierzig Jahre (- jetzt 60 Jahre -) war mir zum Überdruss dieses Geschlecht; ich sprach: Sie sind ein Volk mit irrendem Herzen, nicht kennen sie meine Wege. So habe ich geschworen in meinem Zorn: Nimmer sollen sie eingehen in meine Ruhe“. Das aber wäre das Ende Europas.

 

Was tun?

 

Mit diesem Höhepunkt Fatima möchten wir abschließen, nicht ohne unseres verstorbenen Heiligen Vaters zu gedenken und zugleich die Frage zu beantworten: Was ergibt sich aus all dem für uns? Man vermisst nämlich bei den meisten Vorträgen und Abhandlungen über das christliche Europa etwas Wesentliches: Was müssen wir nun praktisch tun, damit Europa bleibt, dass es christlich bleibt? Selbstverständlich gibt es darauf manche Antworten und nicht an letzter Stelle steht jene Antwort, die sich bei dem erschreckenden Geburtendefizit für das biologische Wachstum unseres Erdteils einsetzt. Aber unsere Antwort hier muss nun schließlich von unserem Thema aus behandelt werden, und hier hat nun Papst Paul VI. in seinem Rundschreiben „Marialis cultus“ vom 2. Februar 1975 zwei Hinweise gegeben. Er hat uns da zwei marianische Gebetsübungen dringendst ans Herz gelegt, den täglichen „Engel des Herrn“ und das Rosenkranzgebet. Bei näherem Zusehen entsprechen nun diese beiden Frömmigkeitsweisen sowohl dem, was wir im ersten Teil über die marianische Struktur Europas sagten, als auch dem, was im zweiten Teil die Schützerrolle Marias betrifft. Das wird unterstrichen durch zwei historische Bemerkungen.

 

Der „Engel des Herrn“

 

In einem vor 20 Jahren erschienenen Predigtzyklus stehen die Worte: „Der Engel des Herrn“ ein europäisches Gebet. In der Tat, Papst Calixtus III. hat am Fest der Apostelfürsten 1456 den „Engel des Herrn“ als Gebetsruf für die gesamte christliche Welt angeordnet in einer Stunde, wo wieder einmal das Geschick Europas auf des Messers Schneide stand und die türkische Heeresmacht nach dem Fall von Konstantinopel sich zum Vormarsch in das Herz Europas anschickte. Dass nun bei Belgrad 1456 das unüberwindlich scheinende Heer der Türken in die Flucht geschlagen wurde, wurde als ein Wunder angesehen und wer die Geschichte übernatürlich betrachtet, wird diesen Sieg dem Gebet des „Engel des Herrn“ zuschreiben müssen. So ist der „Engel des Herrn“ wirklich ein europäisches Gebet. Erinnert uns das erste „Ave Maria“ an die Stunde der Verkündigung von Nazareth, so denken wir daran, dass diese Botschaft auch und besonders an Europa erging und dass dieser Erdteil, wie wir im zweiten Ave beten, sich demütig als die Magd des Herrn erkannt hat, so dass nun wirklich das WORT in Europa Fleisch werden und unter uns sein Zelt aufschlagen konnte bis zum heutigen Tag. Wieder stellen wir die Frage: Wenn der „Engel des Herrn“ vor 500 Jahren vom Papst zu einem europäischen Hilferuf erklärt wurde, gilt das heute nicht mehr, wo ein noch schlimmerer Feind vor unseren Toren steht, ja bis in die Mitte Europas schon vorgedrungen ist?

 

Das Rosenkranzgebet

 

So wie der „Engel des Herrn“ seine Kraft und Wirkung glänzend unter Beweis gestellt hat, so erst recht die zweite von Papst Paul VI. genannte Gebetsweise, der Rosenkranz. Gewiss, ihn halten katholische Christen in allen Ländern und Erdteilen in den Händen, aber auch er ist ein europäisches Gebet, weil er Europa verschiedentlich gerettet hat. Wir sprachen von Lepanto 1571. Die Unterschrift unter einem Bild der Schlacht im Dogenpalast zu Venedig besteht zu recht: „Weder Macht und Waffen, noch Führer, sondern Maria vom Rosenkranz hat uns zum Sieg verholfen. Wir sollten auch nicht übersehen, dass der Abzug der Russen aus Österreich 1955 mit gutem Grund den Gebeten des Rosenkranzsühnekreuzzugs zugeschrieben wird. Reinhold Schneider hat in seinem Buch „Macht und Gnade“ ein Kapitel überschrieben:

„Das Gebet in der Geschichte“, und er sagte hier: „Vielleicht sind es diese Kräfte und sie allein“ – und hier meinte er das Gebet – „die eine schwer zerrüttete Welt noch erhalten und ihr eine Hoffnung eingepflanzt haben, die kein Sturm entwurzeln kann“. Damit kehren wir zurück zum Motto unseres Katholikentages: „Ich will euch Zukunft und Hoffnung geben“. Freilich sollten wir auch noch die folgenden Worte des Propheten beachten, die eigentlich erst das enthalten, was wir tun müssen; denn Zukunft und Hoffnung werden uns nicht nachgeworfen: „Dann werdet ihr mich anrufen . . . und werdet zu mir beten und ich werde euch erhören. Ihr werdet mich suchen und finden, wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet“; also beten und Gott mit ganzem Herzen suchen. Das sind die Bedingungen für Zukunft und Hoffnung.

 

Die Europa-Madonna

 

Nunmehr begeben wir uns nochmals auf den Berg der Europa-Madonna. Am 31. Mai 1964, dem damaligen Fest Maria Königin, habe ich dort anlässlich einer Wallfahrt europäischer Politiker das heilige Opfer gefeiert und dabei zu einer Gebetsaktion für die Einheit Europas und den Frieden der Welt aufgerufen. Ich habe eine marianische europäische Internationale gefordert, die auch die Länder hinter dem Eisernen Vorhang einbeziehen müsste, auch jenes Russland, von dem Dostojewski sagte, dass „von den Gebeten der Demütigen und nach Einsamkeit und Stille sich Sehnenden die Rettung Russlands ausgehen wird“. Ein Beter aus dem Osten schrieb mir damals einen erschütternden Brief, mit dem ich schließen möchte, und in dem ich nur ein einziges Wort ändere, wenn ich statt „Deutschland“ „Europa“ sage: „Auch wir wollen nach Kräften dazu beitragen, dass sich das Wunder des heiligen Frühlings in Europa vollziehe. Wir beten und bitten in der Stille, dass das Abendland wieder zu dem werde, was es einstmals war, ein Imperium Marianum. Die dem Zeitgeist Trotzenden sind nur ein kleines Häuflein, das jedes Opfer auf sich nimmt; denn man weiß doch aus der Erfahrung, ohne Kreuz keine Krone, ohne Opfer kein Sieg. Wenn auch hier zu Lande Fahnen eigenartiger Farbe flattern, im Morgen Europas weht die blaue Marienfahne mit St. Michaels Schwert. Unser Dasein ist mit Härten und Bitternissen reich gesegnet und von Dunkelheit umgeben. Aber wir fürchten uns nicht; denn niemals können die untergehen, die im Lichte des Glaubens stehen.“