Die Heilige Messe

 

Für viele Priester ist es die größte Freude täglich die Heilige Messe zu feiern. Das ist ja auch die größte Auszeichnung, die Christus seinen Aposteln und deren Nachfolgern, den Bischöfen und Priestern verliehen hat, dass sie das Opfer feiern können, das Christus für die Sünden der Welt am Kreuz dargebracht hat. Zwischen dem Opfer auf Golgotha und der Heiligen Messe besteht ja nur der Unterschied, dass jenes ein blutiges Opfer war, während die Heilige Messe die unblutige Erneuerung des Kreuzestodes Christi ist. Daraus ergibt sich, dass die Heilige Messe das erhabenste und gottgefälligste Opfer ist.

 

1. Was die Sonne unter den Gestirnen, ist die Heilige Messe unter den göttlichen Gnaden. Kein Geringerer opfert sich auf dem Altar, als der vielgeliebte und eingeborene Sohn des himmlischen Vaters, der bei den Konsekrationsworten des Priesters auf den Altar herabsteigt, in unserer Mitte weilt und sich zur Speise und zum Trank der hungernden und dürstenden Seele des Priesters, sowie dem gläubigen Volk darbietet. „Wahrhaftig, hier ist Gottes Haus und die Pforte des Himmels.“ Jesus Christus ist heute und gestern und immer derselbe. Sein Opfer sollte fortbestehen bis zum Ende der Zeiten. Schon tausend Jahre vor seinem Erscheinen hatte der königliche Prophet von ihm geweissagt: „Du bist ein Priester in Ewigkeit nach der Ordnung Melchisedechs.“ Die Opfer des Alten Bundes galten als Vorbilder für ein Volk und eine kurze Zeit, aber das Opfer des Neuen Bundes, das unbefleckte Gotteslamm, war bestimmt für alle Völker und alle Zeiten, wie der Prophet Micha es verkündigte: „Vom Aufgang der Sonne bis zum Niedergang soll mein Name groß sein unter den Völkern und an allen Orten wird mir ein reines Speiseopfer dargebracht werden.“ Was der Prophet voraussagte, sehen wir Tag um Tag sich erfüllen, denn von Stunde zu Stunde wird die Heilige Messe auf dem weiten Erdenrund dargebracht vom äußersten Osten bis zum fernsten Westen, im rauen Norden wie unter der glühenden Sonne des Äquators, in den Urwäldern Amerikas, wie auf den entlegensten Inseln der Ozeane. Und wo immer die Heilige Messe gefeiert wird, zieht es die Gläubigen gewaltsam zu Jesus Christus hin, der es nicht verschmäht, unter seinen Kindern zu weilen und vor ihren Augen das Geheimnis seiner göttlichen Liebe zu wiederholen. Sieht das leibliche Auge auch nur die Gestalten von Brot und Wein, das Auge des Glaubens sieht den göttlichen Heiland, der uns allen zuruft: „Kommt zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken!“ Von neuem bringt er sich seinem himmlischen Vater als Sühnopfer für dir die Sünden der Menschheit, als Friedopfer und Speiseopfer dar. Und er ruft uns zu: „Tut dies zu meinem Andenken!“ Sooft ihr von diesem Brot esst und aus diesem Kelch trinkt, sollt ihr den Tod des Herrn verkünden, bis er wiederkommt.“

 

2. Die Heilige Messe ist das gottgefälligste Opfer. Was könnte dem himmlischen Vater lieber sein, als das Opfer seines eingeborenen Sohnes, an dem er sein innigstes Wohlgefallen hat? Was könnte ihm mehr Ehre und Freude bereiten, als jene Großtat, wodurch sein Zorn versöhnt, seine Forderung befriedigt, seiner Gerechtigkeit genug getan wurde? Und was kann den Menschen in den Augen Gottes höher stellen, als wenn er mit gläubiger und dankbarer Gesinnung das hochheilige Opfer mitfeiert und sich versenkt in das Geheimnis der göttlichen Liebe, die auf dem Altar ihr Haus aufgeschlagen hat? O anbetungswürdiges Opfer! O kostbares Geschenk der göttlichen Liebe! Nichts Glücklicheres kann es für den Menschen geben, als den Königs Himmels und der Erde in unmittelbarer Nähe zu haben. Alles andere Glück kann mit seinem Besitz nicht verglichen werden. Das Opferlamm des Neuen Bundes macht uns wieder zu Gotteskindern und Erben des Himmels. Die Opfer des Alten Bundes hatten nur eine sinnbildliche Bedeutung, aber das Opferlamm des Neuen Bundes reinigt und heiligt uns wahrhaft. „Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgestiegen ist. Wer von diesem Brot isst, wird ewig leben.“ „Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht essen und sein Blut nicht trinken werdet, so werdet ihr das Leben nicht in euch haben.“ Das Heil der Welt opfert sich auf dem Altar, um uns selbst zu heiligen und als Versöhner zwischen den himmlischen Vater und die sündige Menschheit zu treten. Wahrhaftig, die Liebe und Barmherzigkeit Gottes wohnt mitten unter uns. So oft darum die Heilige Messe gefeiert wird, stellen wir uns im Geist mit Maria und Johannes auf den Kalvarienberg, und betrachten wir den Opfertod Jesu Christi. Die getrennten Gestalten von Brot und Wein deuten auf die Trennung seines Leibes und Blutes, seiner Seele von dem Körper, den Tod, und jede Zeremonie bei der Heiligen Messe hat ihre Bedeutung und geheimnisvolle Beziehung zum Opfer Christi.

 

Seid darum niemals gleichgültig gegenüber der Heiligen Messe! Versäumt sie niemals ohne Grund! Feiert immer mit Andacht und Geistessammlung die Heilige Messe mit, damit ihr der Früchte derselben teilhaftig werdet! Von diesen Früchten sagt der heilige Bonaventura: „So viel Tropfen das Meer, so viel Strahlen die Sonne, so viel Sterne der Himmel, so viel Blumen die Erde hat, so viele Geheimnisse fasst die Heilige Messe in sich.“ Machen wir uns die Segnungen des heiligsten und gottgefälligsten Opfers zu eigen! Amen.