Gottes Mühlen mahlen . . .

 

von Pater Peter Giacomini SDB, Buenos Aires

in „Rosenkranz“, März 1956

 

Wenn die menschliche Schlechtigkeit alle Maße überschreitet, lässt der immer barmherzige Gott die Frevler wohl auch seinen gerechten Zorn fühlen. So lehrt uns die Geschichte. So scheint es auch unter uns geschehen zu sein, in einem Buenos Aires, das in der Nacht des 16. Juni 1955 von den düsteren, schwelenden Fackeln der brennenden Tempel und Pfarrhäuser und des auflohenden Kirchenhasses erleuchtet war.

Wir wollen einige Einzelheiten festhalten, die die Bewohner am meisten beeindruckten.

 

Spötter von Kugeln durchlöchert

 

Bezahlte Verbrechergruppen drangen unter den Augen der Polizei, die nicht einschreiten durfte, am 16. Juni 1955, nach der beendigten Revolution in die erzbischöfliche Kurie ein, warfen Papstbüsten, Bilder, Möbel und wessen sie habhaft wurden, auf die Straße, sprengten die Eisenschränke und beraubten sie. Dann übergossen sie alles vom Fußboden bis zur Decke mit Benzin und zündeten mit Feuerwerfern das Gebäude an. Im Nu stand die Kurie in hellen Flammen. Maschinen schmolzen, der Verputz sprang von den Mauern, Decken stürzten ein. Eine sehr wertvolle Bibliothek von 60.000 Bänden, unersetzliche Dokumente und Originale aus der Zeit der Kolonie (Virreinato), die Argentinien, Uruguay, Paraguay, Chile, Perú und Bolivien betrafen, ging in Rauch auf und wirbelten in schwarzen Fetzen weit über die Häuser und den Maiplatz hin. Es blieben nur die ausgebrannten Mauern übrig.

 

Alle persönlichen Einrichtungen und Kleidungsstücke des Kardinals und der Generalvikare wurden ein Raub der Flammen mit einer kleinen Ausnahme. Und hier zeigt sich der Finger Gottes in erschreckender Weise. Einer der verbrecherischen Brandstifter warf sich, ehe das Gebäude in Brand gesteckt wurde, in die Kleider des Generalvikars und stelzte, sakrilegischen Segen spendend, durch das Gebäude, über die Straße und auf den Platz. Im Durcheinander der Feuersbrunst, den Wolkenschwaden und der Dunkelheit nahmen ihn einige seiner Helfershelfer wirklich für Generalvikar Tato, der sich anschickte, in seinen Gewändern zu fliehen, legten auf ihn an und durchlöcherten ihn wie ein Sieb. Er stürzte tot zu Boden und mischte sein Blut ins Violett der bischöflichen Gewänder. Er hatte sich selbst in die strafenden Arme Gottes geworfen.

 

Erhängter „Pfaff“

 

Nach den Kirchenbränden fuhr ein Lastwagen mit geraubten Sachen der Tempel und Pfarrhäuser durch die Stadt. Die Besatzung, trunken durch den Triumph, den sie über die „Pfaffen“ davongetragen hatte, wollte den Sieg auf ihre Weise feiern und in die Zukunft weisen: „So wird es allen Pfaffen gehen.“

 

Man richtete auf dem Lastwagen einen provisorischen Galgen auf, wozu man sich des Krans bediente, womit der Lastwagen ausgerüstet war. Einer der Frevler, mit dem Priestertalar angetan, stellte sich auf eine Kiste und ließ sich eine Schlinge um den Hals legen. Man feierte mit Lachsalven den gehenkten „Pfaffen“.

 

Plötzlich musste der Lastwagen eine scharfe Kurve fahren, um einen Zusammenstoß mit einem entgegenkommenden Fahrzeug zu vermeiden. Der Lastwagen stieß gegen einen Baum; die Mitfahrer flogen herunter und retteten sich irgendwie. Nur einer nicht. Der Frevler im Priestergewand verfing sich ruckartig in der Schlinge und erhängte sich durch die Hebevorrichtung, da der Kasten unter ihm hinweggeflogen war. Alle Anstrengungen der übrigen Mitfahrer, den Spottgenossen lebend aus der Schlinge zu befreien, waren umsonst. Er war erstickt an seinem Frevel.

 

„Mit diesen Händen“

 

Am 23. August 1955 fuhr in Ciudadela, in der Nähe von Buenos Aires, ein vollgepfropfter Personenzug in einen anderen stehenden Personenzug hinein. Verschiedene Wagen wurden gewaltsam ineinandergeschoben. 15 Tote und 47 zum Teil sehr schwer Verwundete waren das traurige Resultat. In ein Spital wird ein junger Mann eingeliefert, dessen Hände und Arme zerschmettert sind und der langsam verblutet. Er schreit nach einem Priester, die durch das Regime Peróns vor wenigen Monaten aus den Hospitälern verbannt worden waren. Man erreichte trotzdem einen Priester. Als er ankam, stöhnte der Verwundete: „Ich muss es allen öffentlich bekennen: Ich empfange eine Strafe, die ich verdient habe. Mit diesen selben Händen habe ich gegen die Statuen der Kirche gewütet und habe ihnen Hände und Arme abgeschlagen.“ Nun hatte ihn Gott an derselben Stelle gestraft. Seine Reue wird ihm die Verzeihung Gottes gebracht haben.

 

Blind, um das Kreuz nicht zu sehen

 

Es war etliche Monate vor dem Sturz Peróns. Eine der fanatischen Anhängerinnen des gestürzten Regimes liegt in einem Spital von Buenos Aires und wartete auf die Niederkunft. Da die Kirchenverfolgung wütet, glaubt sie, sich hervortun zu müssen. Voll Hass sieht sie das Kruzifix an der Wand des Zimmers an, ruft die Krankenwärterin und bedeutet ihr mit nicht wiederzugebenden Worten, dieses schändliche Symbol zu entfernen. Umsonst bemüht sich die Krankenwärterin, es ihr auszureden, es sei eine uralte Gewohnheit in der Klinik, das Kruzifix in den Zimmern zu haben und dass sie, die Frau, einen Gott nicht zu fürchten brauche, der für uns gestorben sei.

 

Die Leidenschaft reißt die arme Frau soweit fort, auszurufen: „Ich will nicht, dass mein Kind, wenn es zum ersten Mal die Augen öffnet, das Kruzifix sieht. Schaffen Sie es weg!“

 

Als die Frau glücklich entbunden hatte, sagte ihr der Arzt langsam und betont: „Haben Sie keine Furcht, dass Ihr Söhnchen das Kruzifix sieht; es wird es nie sehen, denn es ist blind geboren!“

 

Die Geschichte der 400

 

Der Ex-Präsident Perón hatte sich eine Leibwache zugelegt, Prätorianer, die zu allen Schandtaten und Morden zugunsten des Regimes bereit waren. Sie ging unter dem Namen „Alianza Libertadora Nacionalista“. Die weitverzweigten, gut organisierten und modern bewaffneten Gangster mit höchstem Patent und zugesicherter Straflosigkeit, welche treue Polizisten und freiheitliche Taxichauffeure umlegten, die die Kirchenbrände inszenierten und durchführten, waren es auch, die am 12. Juni vor die Kathedrale zogen und Mitglieder der Katholischen Aktion provozierten. Am 20. September, gegen Ende der 2. Revolution, waren etwa 400 und mehr „Alianzisten“ in ihrer Zentrale mitten im Zentrum von Buenos Aires versammelt. Sie hatten sich verschanzt und wollten ihre Waffen nicht abliefern. Der Kommandant stellte ihnen ein Ultimatum. Als es abgelaufen war, begannen die Alianzisten sich mit allen Waffen (und sie verfügten über die modernsten) zu verteidigen, mordeten einen Leutnant und warfen ihn tot auf die Straße. Das Heer eröffnete das Feuer, die Shermantanks fuhren auf; es war 20 Uhr, am 20. September. Die ganze Stadt fuhr erschreckt aus dem Schlaf. Bald stand das Haus in Flammen. Als das Feuer an die Munitionslager, die sich im Haus befanden, kam, flog alles in die Luft. Nach drei Stunden war der Kampf zu Ende. Die meisten waren verbrannt oder durch die Explosion in Stücke gerissen. Nur wenige retteten sich und wurden ins Gefängnis eingeliefert. Sie hatten 400 Mitglieder der Katholischen Aktion in der Kathedrale eingesperrt und belagert, sie hatten die Kirchen verbrannt. Nun verbrannten buchstäblich fast 400 derselben Männer in ihrer eigenen belagerten Zentrale.

Möge Gott ihnen ein gnädiger Richter sein!