Der christliche Mut

 

Unbesiegbar war der Mut der Heiligen, besonders der heiligen Märtyrer, unerschrocken war ihre Tapferkeit, die alle ihre Feinde besiegte, aber noch viel höher ist der Sieg zu achten, den die Heiligen über sich selbst davontrugen, denn

 

Sich selbst bekämpfen, ist der schwerste Krieg,

Sich selbst besiegen, ist der schönste Sieg.

 

Diesen Sieg können auch wir gewinnen:

1. im Bekenntnis unseres Glaubens,

2. in Überwindung der Versuchung,

3. im standhaften Ertragen der Leiden.

 

1. Der christliche Mut offenbart sich im standhaften Bekenntnis unseres Glaubens. Vielen Menschen ist der wahre Glaube eine Torheit, sie spotten über die erhabensten Wahrheiten der Religion Jesu, und möchten statt des Lichtes die Finsternis des Unglaubens mehr und mehr verbreiten. Wer nun für seinen Glauben mutig einsteht und ihn unerschrocken bekennt, hat die glaubenslose Welt gegen sich und lädt ihren Zorn auf sich. Wie hat von jeher die ungläubige und gottlose Welt gegen die treuen und eifrigen Christen mit Feuer und Schwert, mit Hohn und Verfolgung gewütet! Wenn heute auch nicht mehr die Mordbeile blitzen, wie in den ersten christlichen Jahrhunderten, so hört man doch nicht auf, Gift und Galle über die treuen Bekenner des Christentums auszugießen. In Zeitungen, Radio und Fernsehen liest und hört man boshafte und teuflische Ausfälle gegen den Glauben, in Unterhaltungssendungen, Diskussionsrunden und Zusammenkünften wird das Heiligste verlacht. „Sie spitzen ihre Zungen wie Schlangen, Otterngift ist unter ihren Lippen.“ Was hat man nicht zu verschiedenen Zeiten getan, um die katholische Religion und deren treue Bekenner herabzuwürdigen! Man hat Bischöfe und Priester eingekerkert und des Landes verwiesen, die Ordensleute vertrieben, die freie Religionsausübung eingeschränkt und die Spendung der heiligen Sakramente bestraft. Wahrhaftig, es gehört Heldenmut dazu, unter solchen Verhältnissen die Fahne des Glaubens hoch zu halten.

 

2. Der christliche Mut zeigt sich in standhafter Überwindung der Versuchungen. Wir haben mit drei mächtigen Feinden zu kämpfen, mit Welt, Fleisch und Hölle. Jeder dieser Feinde ist stark und mächtig. Wie lockt die Welt mit ihren Ehren und Gütern, mit ihren Beispielen und Lobsprüchen! Die ganze Welt ist mit Netzen umspannt, um die Seelen darin zu fangen. „Das Fleisch gelüstet wider den Geist“, und schon Tausende und Tausende sind diesen Lüsten erlegen, nachdem sie einen hohen Grad der Vollkommenheit erreicht hatten. Und „der Teufel geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlingen kann.“ Da bedarf es eines unerschütterlichen Heldenmutes, um im Kampf zu siegen, und das umso mehr, weil dieser Kampf lange dauert. So lange der Mensch lebt, hat er mit Augenlust, Fleischeslust und Hochmut zu kämpfen. Zöge er sich auch in den einsamsten Winkel der Erde zurück, die Versuchung wird ihm folgen. Selbst in den letzten Lebensstunden muss noch der Sturm der heftigsten Anfechtungen zurückgeschlagen werden.

 

3. Der christliche Mut zeigt sich im standhaften Ertragen der Leiden. In keinem Menschenleben bleiben Leiden und Prüfungen aus. Scheint auch den einen Tag die Sonne der Freude, so ziehen bald die düsteren Wolken der Trübsale auf und ein Tränenregen träufelt aus den Augen des Betroffenen. Wie viel Kummer und Verdruss, Schmerz und Kreuz bringt dieser und jeder Tag! Wie lange dauert oft das Leiden an! Wie viele angstvolle Seufzer und bittere Klagen hört man! Unsere sinnliche Natur sträubt sich gegen Leiden und Elend. Wer begreift da nicht, dass ein wahrer Heldenmut dazu gehört, die Trübsale dieses Lebens mit voller Ergebung zu ertragen?

 

Wollt ihr einen christlichen Heldenmut üben, so richtet, wie die Heiligen es taten, euren Blick auf die Himmelskrone, die allen treuen Streitern winkt! Schaut darauf hin, so oft ihr den Glauben bekennen, die Versuchung überwinden, das Leiden ertragen sollt! Um euch zum christlichen Heldenmut zu begeistern, bittet um die göttliche Hilfe und schöpft aus der stärkenden Quelle der Gnaden. Dann werdet ihr alle Feinde besiegen und die Krone des Lebens erhalten. Amen.