Leben aus dem Glauben

 

1. Ein bitteres Urteil.

 

Der indische Weltweise Rabindranath Tagore, ein Nichtchrist, kam aus Indien nach Europa, um das Abendland kennen zu lernen. Über seine religiösen Eindrücke schreibt er: „Ich fand in Europa ein Sonntagsschristentum und ein Werktagsheidentum. Es besteht dort kein Zusammenhang mehr zwischen Religion und Leben. . . Die Religion ist keine Zentralkraft mehr, die das ganze Leben durchdringt und trägt. Diesen Menschen ist das Widerspruchsvollste möglich: Gottesdienst und Mammonsdienst.“

 

2. Einer, der mit seinem Glauben Ernst machte.

 

Hesselbach erzählt in seinem Buch „Lebensfahrten“ von einem einfachen Arbeiter. „Bruder Andreas“. Arbeiter, die vom Christenglauben nicht viel wissen wollten, sagten von ihm: „Ja, wenn sie alle so wären – dann wäre es anders. Dann wäre ich auch ein Christ! Aber solche wie Andreas gibt es in der ganzen Welt nicht mehr!“ Hesselbach fragte ihn einmal: „Wie kommt es, dass Sie einen so großen Einfluss auf die Menschen haben?“ Da blieb der Arbeiter stehen und schaute ihn verwundert an: „Ich soll einen besonderen Einfluss auf die Menschen haben? Davon weiß ich nichts – gar nichts.“ Als er weiter fragte, was ihn dazu treibe, so viele Leute zu besuchen, sagte er wieder ganz einfach: „Warum soll ich nicht? Ich habe keine Frau und keine Kinder, und der Herr hat befohlen, dass die Seinen die Armen speisen und die Nackten kleiden und die Unglücklichen trösten und die Gefangenen besuchen sollen. Das tue ich. Ich will meinem Herrn doch nicht ungehorsam sein. Herr Pfarrer, das ist nichts Besonderes. Ich weiß nicht, was Sie an mir finden wollen? Ich bin ein Jünger Jesu – weiter nichts.“

 

3. Das entscheidende Heilandswort.

 

Die Fürstin Amalie von Gallitzin nahm zu Münster bei dem edlen Priester Overberg Unterricht in der katholischen Religion. Längst war sie genügend unterrichtet, aber sie fand noch immer Bedenken. Da riet ihr Overberg, sie möchte einige Zeit nach katholischer Weise leben. Er wies sie auf das Heilandswort (Joh 7,16) hin: „Meine Lehre stammt nicht von mir, sondern von dem, der mich gesandt hat. Wenn jemand seinen Willen tut, wird er innewerden, ob meine Lehre von Gott kommt oder ob ich aus mir selbst rede.“ Das Wort machte Eindruck auf die bisher so wissensstolze „Philosophin“. Mit der ihr eigenen Willenskraft machte sie sich daran, alle Forderungen Christi zu beobachten. Und siehe da – schon nach kurzer Zeit kam die Fürstin und sagte freudestrahlend: „Jetzt bin ich katholisch!“

 

4. Eine glaubensstarke Familie.

 

Während der großen japanischen Christenverfolgung ließ ein Statthalter des Landes eine christliche Mutter vor sich kommen und forderte sie auf, sie solle auf ihren Sohn einwirken, dass er dem Befehl des Kaisers gemäß seinem Glauben entsage. Die Antwort zeigte die Mutter auf der Höhe echt katholischen Glaubensgeistes. Sie sprach: „Wenn es sich nur um irdische Dinge handelte, so könnte man keinem besseren Rat folgen als dem deinen. So aber muss ich dir gestehen, dass ich meinen Sohn beneide, wegen seines Glücks, für Christus sterben zu dürfen. Ich würde mich als die glücklichste Mutter betrachten, wenn es mir vergönnt wäre, mit ihm zu sterben.“ Als dem Sohn die Nachricht von seinem bevorstehenden Tod gebracht wurde, sprach er voll Freude: „Das ist die schönste Nachricht, die mir werden konnte.“ Er dankte seinem Heiland für die ihm gewordene Gnade, kleidete sich dann festlich an und nahm Abschied von den Seinen. Als diese in Tränen ausbrachen, sagte er: „Wie? Heißt das Teilnahme an meinem Glück? Wo ist euer Glaube, eure Hoffnung, euer christlicher Mut?“ So ging er in den Tod, Nach der Enthauptung küsste seine Mutter das abgeschlagene Haupt mit Andacht und sprach: „Du teures, vielgeliebtes Haupt, das nun mit ewiger Herrlichkeit gekrönt ist! Mein Kind, welche Ehre wurde dir zuteil, dass du dein Leben für den hingeben durftest, der für dich sein Leben hingegeben hat!“ Nach ihr kam auch die Gemahlin des Märtyrers namens Agnes, küsste mit Ehrfurcht das Haupt ihres Gatten und sprach unter Tränen: „Nun bin ich wahrhaft glücklich zu nennen, habe ich doch einen Märtyrer zum Gemahl, der jetzt bei Christus im Himmel ist. Glorreicher Märtyrer, du lebst und herrschst nun mit Gott, denke an deine arme Gattin auf Erden und rufe mich bald in den Himmel, damit ich mit dir die Herrlichkeit meines Gottes schauen und loben darf in Ewigkeit!“