Klöster

 

Das Kloster

 

Kloster! Einen eigentümlichen Klang hat dieses Wort in unserer heutigen Zeit! Auf die Nerven sehr vieler Nichtchristen – aber mittlerweile auch Christen – wirkt es erschütternder selbst als die Namen Irrenhaus oder Gefängnis. – Sie sind eben zunehmend von Vorurteilen befangen!

 

Der Mensch in der Welt unserer Tage geht am Kloster vorbei oder hört von ihm mit einem mitleidigen Lächeln und denkt höchstens: was müssen das doch für arme, hirnlose Menschen sein, die da drinnen ihr Leben fristen! – Er kennt eben nicht Gottes Geist und Gottes Gnade!

 

Die Männer und Frauen unserer Parteien ob mit roter oder gelber oder grüner oder andersfarbiger Fahne geraten beim Anblick eines Klosters eher in Zorn und schwören von neuem Treue all den Märchen und Schaudergeschichten, die man ihnen über Kloster und Klosterleute aufgetischt hat.

 

Und während die modernen Staatsdiener in Regierung und Opposition die Klöster höchstens noch als notwendiges Übel betrachten, gedenkt der Historiker und Geschichtskenner all der unzählbaren Verdienste, die sich die Klöster für Wissenschaft und Kulturfortschritt errungen haben. Der Arzt und Menschenfreund preist sie als Stätten der Barmherzigkeit und tätigen Nächstenliebe; der gläubige Christ aber verehrt sie als Orte der Frömmigkeit und Gottesfurcht, wo für ihn mitgebetet und mitgeduldet wird; wo er Belehrung über seinen Glauben und Erleuchtung in seinen Zweifeln finden kann.

 

Was ist nun ein Kloster? Der heilige Thomas, selber ein Ordensmann, sagt es uns kurz und bündig: Das Kloster ist eine Stätte der Buße und eine Schule der Vollkommenheit. Buße und Vollkommenheit! Das erste ist Mittel zum zweiten. Das zweite aber macht uns Gott ähnlich. „Seid vollkommen, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist.“

 

Das erste Wort, das der göttliche Heiland gesprochen hat, war: Tuet Buße, und sein letztes Wort war eine Ermahnung zur Vollkommenheit.

 

So ist der Ordensberuf ein Ruf Gottes, den der Mensch sich selber nicht geben kann. Aber Gott ruft seine auserwählten Seelen, und darum hat es zu allen Zeiten Klöster gegeben. Allerdings hatten diese Klöster nicht immer die gleiche Gestalt. In den ersten Zeiten des Christentums sammelten sich gottesfürchtige Männer in der Wüste, wo sie in Höhlen und kleinen Zellen um ein gemeinsames Bethaus herum wohnten. Später zog man der Sicherheit halber unter ein Dach und in ein Gebäude, das in kreisförmiger oder viereckiger Gestalt um einen freien Platz herum lag. Ähnlich so sind auch noch die Klöster in unseren Tagen.