Vom Kirchenschmuck

 

Können sich nur wenige Kirchen solcher reicher Schätze rühmen, wie wir sie in den Kathedralen und Basiliken und großen Wallfahrtskirchen bewundern können, so versucht doch die kleinste Dorfkirche sich möglichst schön zu schmücken, damit sie als würdige Wohnung des höchsten Herrn erscheine. Mit Recht, denn der Kirchenschmuck ehrt Gott und erbaut den Menschen.

 

1. Der christliche Tempel ist ein Abbild des himmlischen Jerusalems. Auf unseren Altären thront Jesus Christus in Brotsgestalt wirklich, wahrhaft und wesentlich, umgeben von unsichtbaren Engeln, angebetet vom gläubigen Volk. Darum soll das Gotteshaus jede menschliche Wohnung an Schönheit überragen, darum prangt das Innere in festlichem Schmuck und erbaulichen Bildern, darum schimmert der Altar im Glanz der Kerzen und die goldene Monstranz birgt den anbetungswürdigen Gottmenschen, darum steigen duftende Weihrauchwolken zum Himmel empor und die Lobgesänge der Gläubigen preisen unter den feierlichen Klängen der Orgel den Gott der ewigen Güte. Wenn einst Salomo zur Ehre Gottes auf Sion den prachtvollen Tempel baute, der als ein Wunder der Welt galt und im Glanz der edelsten Metalle strahlte, um wieviel mehr verdienen unsere Kirchen des prächtigsten Schmuckes, denn jener Tempel barg im Allerheiligsten nur die Bundeslade mit den Gesetzestafeln des Mose, mit der Rute Aarons und einem Maß Mannakörner, aber in unseren Gotteshäusern wohnt Christus selbst, der göttliche Gesetzgeber des Neuen Bundes, das wahre himmlische Manna zur Erquickung unserer Seelen. Christus ließ es zu, dass Maria Magdalena ihm mit kostbaren Nardenöl die Füße salbte und er tadelte den geizigen Judas, der diesen Beweis des Glaubens, der Liebe und Verehrung für Verschwendung erachtete. Er nahm bei seinem feierlichen Einzug in Jerusalem die Huldigungen und Loblieder des Volkes entgegen. Muss es ihm nicht Freude bereiten, wenn die Christgläubigen seine Wohnung schmücken, das Geheimnis seiner Liebe möglichst würdig feiern und ihn als den König des Himmels und der Erde ehren und preisen? In dieser Überzeugung und in diesem Glauben opferten zu allen Zeiten gottbegeisterte Männer und Frauen einen großen Teil ihres Vermögens, ihre liebsten Kostbarkeiten, für diesen erhabenen Zweck sollen auch wir bereitwillig unsere Gaben darbringen.

 

2. Wie der Kirchenschmuck Gott ehrt, so erbaut er auch den Menschen. Wie mächtig fühlt sich die Seele erhoben, wenn sie in ein prachtvolles Gotteshaus tritt. Mit den schlanken Säulen und den starken Pfeilern steigt das erregte Gemüt himmelan, die Bilder und Reliquien der Heiligen mahnen zu einem lebendigen Glauben, zu freudiger Liebe und starkmütiger Opferwilligkeit, der Altar erinnert an Golgatha und lässt das große Sühnopfer für die Schuld der Menschheit von neuem an dem betrachtenden Geist vorüberziehen, die flammenden Kerzen, die sich in sich selbst verzehren, scheinen zu mahnen: „Suche, was droben ist, nicht, was auf Erden ist!“ Die Blumen auf dem Altar wollen uns andeuten, den Wohlgeruch der Tugenden zu verbreiten, mit den Weihrauchwolken schwebt unser Geist zum Thron des Lammes, den die 24 Ältesten umgeben, angetan mit weißen Kleidern und goldene Kronen auf ihren Häuptern. Lebhaft versenken wir uns in das Geheimnis der göttlichen Liebe, das sich immer wieder auf dem Altar erneuert, und wir fühlen uns zur innigsten Gegenliebe angeregt. Der äußere Kultus will und soll die innere Gottesverehrung befördern. Die schöne Kirche mahnt uns: „Euer Herz sei ein lebendiger Altar, reich an Verdiensten und guten Werken.“ Kelch und Monstranz lehren uns, dass ein reines, goldenes Herz die liebste Wohnstätte Jesu Christi ist. Die Weihrauchwolken deuten uns an: „Werdet in Tugenden ein lieblicher Wohlgeruch vor dem Herrn und erhebt euch von der sündigen Erde zur Herrlichkeit des Himmels!“ Schmücken wir so den Tempel Gottes außer uns und in uns, damit wir einst triumphierend in das himmlische Jerusalem einziehen. Amen.