Der Staat mit den heiligen Namen: Kalifornien

 

Es gibt unter den Vereinigten Staaten von Nordamerika einen Staat, in dem es besonders viele Ortsnamen nach Heiligen gibt. Es ist Kalifornien. Wer an der Südgrenze des Staates beginnt und nach Norden reist, könnte beim Namen jeder Eisenbahnstation „bitt für uns“ sagen und dabei nahezu die ganze Allerheiligenlitanei durchlaufen.

 

Die Hauptstadt Kaliforniens heißt Sacramento, was eindeutig das Allerheiligste Altarsakrament bedeutet. Es ist ein besonderer Gedanke, dass das Herz des Staates nach dem Herzen der Welt benannt ist. Dieser Name erinnert uns daran, dass die Hauptandacht in der katholischen Kirche dem Allerheiligsten Altarsakrament gilt.

 

Die größte Stadt dieses Staates trägt passend den herrlichen Namen „Nuestra Señora de Los Angeles“ oder abgekürzt Los Angeles, was „Unsere Liebe Frau von den Engeln“ bedeutet. Nach Christus und dem Allerheiligsten Sakrament nimmt die Muttergottes den ersten Platz ein.

 

Am gewaltigen Stillen Ozean liegt die große Metropole San Franzisko. Seit 305 Jahren fahren Schiffe durch das „Golden Gate“, das Goldene Tor. Cabrillo, Drake, Vizkaino und andere waren bis Point Reyes, was „Landspitze der Könige“ bedeutet und nach den heiligen drei Königen der Bibel so benannt worden ist, gekommen. Aber diese Männer fanden noch nicht den Ort für eine Siedlung zwischen jenen Hügeln. Als man einen der Franziskaner darauf aufmerksam machte, dass die Missionare in Kalifornien noch keine Siedlung nach ihrem Ordensstifter benannt hätten, antwortete er: „“Wenn St. Franziskus eine Stadt will, wollen wir sie ihn auch finden lassen.“ Kurz darauf, am 2. November 1769, dem Armeseelentag, betrachtete der erste Weiße die Bucht von San Franzisko vom Land aus, und am 5. August 1775 stieß ein Schiff namens „San Carlos“, Heiliger Karl, zufällig auf das enge „Goldene Tor“, das überraschenderweise zum größten landumsäumten Hafen der Welt führte.

 

Ein Flugzeug kann uns heute in ein paar Stunden über den ganzen „Camino real“, die Königstraße, d.h. den Weg, den einst die braunen Sandalen der Missionspatres zogen, führen. Ungefähr je eine Tagesreise voneinander entfernt, liegen dort 21 Missionsstationen; heute kann man sie vom Flugzeug aus zusammen in der Vogelperspektive sehen. Direkt unter uns befindet sich San Diego, die erste Mission, die, wie der Name sagt, dem hl. Jakob geweiht ist. Rechts davon liegt San Juan Capistrano, das dem hl. Johannes von Capistran geweiht ist, im Tal. Hier kommen seit undenklichen Zeiten die Schwalben mit der Pünktlichkeit der Radiozeit am 19. März, dem Fest des hl. Joseph, an. Nach genau demselben Fahrplan reisen diese Vögel am 24. Oktober, dem Fest des Missionsschutzpatrons, wieder ab.

 

In der Ferne sieht man eine andere Binnenlandmission, San Luis Rey, genannt nach dem heiligen König Ludwig. Nun verschwindet das Sierra Madre-Gebirge hinter uns, und wir fliegen über die Mission San Gabriel. In das Meer hinaus erstreckt sich zu unserer Linken eine Landspitze. Sie trägt den Namen „Pointa Conception“, d.h. „Zur unbefleckt Empfangenen“. Jetzt sehen wir die schöne Station Santa Barbara, die sich zwischen den Bergen und dem Meer hinschmiegt. Zu schnell kommt ein Tal dazwischen, wo wir auf San Juan Baptista, die Station des hl. Johannes des Täufers, hinabblicken. Zur Linken bohrt sich das gewaltige Meer in die Küstenlinie hinein und bildet die Bucht „Santa Cruz“, die Stelle einer anderen Mission, die nach dem heiligen Kreuz benannt ist.

 

Auf der anderen Seite der funkelnden Bucht beansprucht die Mutter Gottes wieder die ihr gebührende Ehre im „Karmel am Meer“. Vielleicht gibt es nirgends auf der Welt eine schönere Vereinigung von Land und Meer als diesen Ort, der nach Unserer Lieben Frau vom Berge Karmel benannt ist. Viele Künstler sind hierhergekommen, um die einsamen Pinien, den weißen Sand und das herrliche Meer zu malen. Der Ozean verschwindet in der Ferne, wenn wir uns jetzt San José, benannt nach dem Nährvater Christi, nähern. Alsbald sehen wir Santa Clara und bemerken auch gleich die Stellen, wo einst die Missionen von San Carlos und San Bruno sich befanden. Jetzt liegt unter uns ein See, er sieht aus wie ein Wassertropfen auf einem großen, grünen Teppich. Die Leute nennen ihn „Lake Merced“, was aber nur ein armseliger Name ist, wenn man weiß, dass der volle Name lautet: „See Unserer Lieben Frau von der Erlösung der Gefangenen“. Und nun befinden wir uns über der Stadt San Franzisko selbst, und in dem Stadtbezirk, der „Mission“ heißt, befindet sich die Mission selbst mit dem Namen „Nuestra Señora de los Dolores“, „Unsere Liebe Frau von den Schmerzen“.

 

Viele Orte sind auch den Engeln geweiht. Wie muss der Engel der Verkündigung über San Gabriel wachen! Wie muss Michael, der Besieger Satans, San Miguel beschirmen! Wie muss Raphael, der Begleiter und Beschützer des jungen Tobias, San Rafael in seinen Schutz nehmen! Wieder andere Orte sind nach den 12 Aposteln oder nach Evangelisten benannt, z.B. San Mateo, San Pedro, San Pablo, San Marcos, San Andrea, San Lucas. Auch die Namen vieler heiliger Frauen sind in diesem Staat Orten gegeben worden.

 

Wer nach der Vorsehung Gottes sich ein Leben lang in Kalifornien aufhält, muss eines Tages von diesem westlichen Gestade Abschied nehmen. Er verlässt einen Staat, den die Touristen den „Eldorado-Staat“, das „Paradies“, nennen. Wenn schon dieser Staat eine solche Wonne darstellt, wie muss dann erst die jenseitige Wirklichkeit sein! Wenn wir aber hienieden unsere Augen zu den Heiligen erheben, die hier die Wege und Siedlungen säumen, dann werden wir sicher auch zum jenseitigen „Goldenen Tor“, dem Eingang zum wahren Paradies kommen.