Die Kunst, gut zu sterben

 

Das Leben der Heiligen war oftmals eine beständige Vorbereitung auf einen seligen Tod. Darum schälten sie mehr und mehr ihre Seelen los von den irdischen Dingen, schmückten sie mit einem Kranz von Tugenden und manche von ihnen gingen sogar voll Mut und Gottvertrauen dem Martertod entgegen. Lerne von ihnen die Kunst, gut zu sterben.

 

1. Willst du gut sterben, so denke oft an die letzten Dinge, an Tod, Gericht, Himmel und Hölle. Du musst einen gefährlichen Weg gehen, wo viele Feinde dir auflauern, wo die bösen Gelüste dich auf Abwege verlocken. Lass dich nicht betören, sondern denke an das Ende, denke an die Rechenschaft. Darum haben einsichtsvolle Menschen oft an den Tod gedacht. Der heilige Bischof Johannes, der Almosengeber, ließ sich noch bei Lebzeiten eine Gruft graben, um täglich an den Tod erinnert zu werden. Kaiser Karl V. nahm auf allen seinen Reisen seinen Sarg mit sich und pflegte zu sagen, der Tod sei ihm unter allen das Liebste. Kaiser Maximilian I. sprach beim Anblick seines Sarges zu sich selbst: „Max, denke an den Tod! Was machst du dich breit und blähst dich auf? Dich, der über so viele Königreiche gebietet, wird hier das enge Bretterhaus umschließen.“ Besuche oft die Gräber, wohne den Beerdigungen bei, und gedenke, dass du Staub und Asche bist.

 

2. Waffne dich durch zeitigen Empfang der heiligen Sterbesakramente. Lege eine reumütige und vollständige Beichte ab und begnüge dich nicht mit geringen Bußwerken. Der heilige Augustinus ließ in der Voraussicht seines Todes die Bußpsalmen mit großen Buchstaben an die Wände seines Zimmers schreiben, um sie beständig lesen zu können. Er vergoss dabei reichliche Tränen und sagte, es solle niemand, wäre er auch noch so vollkommen, ohne Buße aus der Welt gehen. Der heilige Martinus wollte auf Asche liegend und mit einem Bußgürtel angetan sterben. Der heilige Franciscus wünschte, im Tod auf den harten Fußboden gelegt zu werden. Haben Menschen von so großer Heiligkeit sich harte Bußübungen auferlegt, was wirst du tun? – Die Kirche reicht dem Sterbenden die letzte Wegzehrung. Mit dem Brot der Starken erquickt, mit dem hochzeitlichen Kleid angetan, geht der Sterbende seinem himmlischen Bräutigam mutig entgegen und hofft um der Verdienste Christi willen ein gnädiges Gericht. – Die Krankensalbung tröstet und stärkt wider die Schauer des Todes und die Niedergeschlagenheit des Gemütes. Der Kranke säume nicht mit dem Empfang der heiligen Sterbesakramente, damit er nicht der Früchte der heiligen Sakramente verlustig gehe.

 

3. Wer gut sterben will, schmücke sich mit einem Kranz der Tugenden. Am Kreuz hat unser Erlöser den Tod besiegt. Richte deshalb oft dein Auge zum Kreuz und presse das Kreuz noch an deine erkaltenden Lippen, so wirst du Starkmut und Gottvertrauen gewinnen. Wiederhole oft die heiligen Namen Jesus und Maria und sprich mit dem heiligen Fulgentius: „Gib mir, o Herr, hier Geduld und dort Verzeihung.“ Gib deine Seele in Gottes Hand mit den Worten Jesu: „Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist.“ – Richte dir mit guten Werken ein Ruheplätzchen im Himmel zurecht. Bringe dich und alles, was dein ist, dem Herrn zum Opfer: deine zeitlichen Güter durch Almosen und Entsagung, deinen Leib durch Geduld in Schmerzen, deine Seele durch Gehorsam und Opferfreudigkeit. Sehne dich mit dem Apostel, aufgenommen zu werden und bei Christus zu sein.

 

Lerne frühzeitig die Kunst, gut zu sterben. Benutze jeden Tag deines Lebens, um dich auf ein seliges Ende gut vorzubereiten. Betrachte oft die letzten Dinge, ordne beizeiten deine irdischen Angelegenheiten, empfange öfter die heiligen Sakramente, so wird dich der Tod nicht unvorbereitet überraschen. Amen.