Hass der Welt gegen die christliche Religion

St. Sebastian

 

Der Geist Gottes und der Geist der Welt stehen miteinander im Widerspruch und lassen sich ebensowenig miteinander vereinigen, wie Feuer und Wasser. Der Geist Gottes will den Menschen zu edlen Taten, zu schönen Tugenden begeistern und als Lohn den Himmel mit all seinen Freuden schenken, der Geist der Welt will das irdische Leben möglichst ausnutzen und allen Leidenschaften frönen, weil er entweder an seine Ewigkeit nicht glaubt oder die Stimme des Gewissens und des Verstandes im Sinnentaumel erstickt. Der Geist Gottes hat die Religion der Wahrheit und Liebe zum Segen der Völker zu verbreiten gesucht, aber der Geist der Welt fördert Lüge, Gottlosigkeit und Verderben, und würde, wenn es in seiner Macht stände, mit einem Schwertstreich alle christliche Religion aus der Welt schaffen. Ergründen wir, woher der Hass der Welt gegen die christliche Religion kommt und wie wir ihn bekämpfen können.

 

1. Seitdem unsere Stammeltern trotz der Warnung Gottes dem Lügengeist Gehör gaben und von der verbotenen Frucht aßen, folgten die meisten Menschen mehr den sündhaften Leidenschaften, als dem göttlichen Gebot. Das ganze Heidentum ist eine Ausgeburt der Hölle, nur ein geringer Teil der Menschheit betete noch in Glaube und Liebe den wahren Gott an. Christus erschien als Erlöser der sündigen Welt und sendete seine Apostel als Boten der Wahrheit und als Spender seiner Gnaden, und wunderbar waren ihre Erfolge. Die ersten Christen hatten alles gemeinsam und waren ein Herz und eine Seele. Wie segensreich hat die christliche Religion in allen folgenden Jahrhunderten gewirkt. Die wilden Völkerschaften wurden in friedliche Landbebauer umgewandelt, die Sitten gemildert, die blutigen Altäre in Stätten des Friedens, die Wüsten in ein Paradies umgeschaffen, die Sünder zu Heiligen bekehrt. Woher kommt nun der Hass gegen eine Religion, die so viel Glück und Segen verbreitet, so viel Armen und Leidenden Trost und Hilfe bringt? Es kommt daher, weil das Ziel und Streben des Christen von dem der Welt gänzlich verschieden ist. Der Christ verfolgt ein ewiges, die Welt ein irdisches Ziel. Die Welt sucht ihr Ziel durch Entfesselung irdischer Triebe und Leidenschaften, der Christ durch ihre Unterdrückung und Beherrschung. Im Christentum gilt der Grundsatz, wie ihn der heilige Apostelschüler Klemens in seinem Sendschreiben an die Korinther ausspricht: „Einer sei dem anderen untergeben nach der Gnadengabe, die einem jeden verliehen ist. Der Starke verachte nicht den Schwachen, der Schwache erweise Achtung dem Starken. Der Reiche gebe dem Armen, der Arme danke Gott, dass er ihm einen gab, der seinem Mangel abhelfe. Der Weise zeige seine Weisheit nicht in Worten, sondern in guten Taten. Der Demütige gebe sich nicht selbst Zeugnis, sondern lasse einen anderen von sich zeugen. Wer enthaltsam ist, erhebe sich deshalb nicht, sondern wisse, dass es ein anderer ist, der ihm die Gabe der Enthaltsamkeit verliehen hat. Da wir alles von unserem Schöpfer haben, sollen wir ihm alles danken.“ Wie stehen diese Ermahnungen zur Enthaltsamkeit und Selbstverleugnung, zur Demut und Dankbarkeit in Widerspruch mit der Habsucht, Eigensucht und Hoffart der Welt. Können wir uns da wundern, dass die Kinder der Finsternis die Kinder des Lichtes anfeinden? „Wer aus Gott ist, hört auf Gottes Wort. Darum hört ihr nicht darauf, weil ihr nicht aus Gott seid.“

 

2. Fragen wir nun, wie wir den Hass der Welt gegen die Religion Jesu Christi bekämpfen sollen. Die Heiligen handelten nach dem Wort des Herrn: „Wer mich vor den Menschen bekennen wird, den will ich bekennen vor meinem Vater, der im Himmel ist.“ Auch wir müssen unseren Glauben freimütig bekennen und ihm gemäß leben, wenn wir Anteil an Christus haben wollen. „Niemand kann zwei Herren dienen. Ihr könnt nicht Gott und dem Mammon zugleich dienen.“ „Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine fremden Götter neben mir haben.“ Und der göttliche Heiland hat das Grundgesetz seiner Religion in dem Hauptgebot zusammengefasst: „Du sollst den Herrn deinen Gott lieben aus deinem ganzen Herzen, aus deiner ganzen Seele, aus deinem ganzen Gemüt und aus allen deinen Kräften.“ Also ganz will Gott den Menschen haben mit Leib und Seele, mit allen seinen Kräften und Fähigkeiten. Ebenso erklärt er: „Wer nicht für mich ist, ist gegen mich. Wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut.“ Als Alexander der Große den Darius, König von Persien, besiegt hatte, ließ der ihm die Hälfte seines Reiches anbieten. Alexander aber ließ ihm zurücksagen, in einem Königreich könnten ebensowenig zwei Könige regieren, wie zwei Sonnen am Himmel leuchten können. Er wolle nicht einen Teil, sondern das ganze Königreich. Sollte nun der unumschränkte Herr des Himmels und der Erde, dem wir mit Leib und Seele angehören, zufrieden sein, wenn wir uns ihm nur halb schenken? Nie und nimmer. „Wisset ihr nicht“, schreibt der heilige Jakobus, „dass die Freundschaft dieser Welt Feindschaft gegen Gott ist? Wer also Freund dieser Welt sein will, der wird ein Feind Gottes.“ (Jak 4,4)

Du musst dich demnach entscheiden: entweder für Gott oder für die Welt, entweder für Christus oder für Belial. Ein ernstes furchtbares Entweder-Oder, denn es entscheidet über eine glückselige oder unglückselige Ewigkeit. Dienst du der Welt oder dem Satan, so wird ewige Finsternis und Hölle dein Anteil sein. Dienst du aber Gott, so wird dir ewige Himmelsfreude beschieden. Leben und Tod ist dir vorgelegt. Wähle das Leben. Amen.