Der Himmel

 

1. „Der Himmel ist alles Wert!“

 

Während der Christenverfolgung in China 1839 wurde auch eine Mutter mit ihrem fünfzehnjährigen Sohn vor den Mandarin geführt. Der Sohn wurde zuerst vernommen. Er hatte nur eine Antwort: „Ich bin ein Christ!“ Da spannten sie ihn auf die Folter, streckten ihm die Glieder und schlugen ihn so fürchterlich, dass er blutüberströmt liegen blieb. Seine Mutter stand daneben. Sie konnte den Schmerz über das furchtbare Leiden ihres Kindes nicht verbergen. Da sprach der Mandarin zu ihr: „Du bist doch eine grausame Mutter, eine wahre Rabenmutter bist du! Mit einem einzigen Wort könntest du dein Kind retten. Stattdessen siehst du kalten Blutes zu, wie dein Kind hingemartert wird.“ Der Mutter wollen die Worte das Herz zerreißen. Sie ist Mutter, aber sie ist auch Christin. So schwankt sie hin und her. Da ruft ihr Sohn ihr aus seinen Schmerzen zu: „“Mutter, weine nicht, der Himmel ist alles wert!“ Da schaut die Mutter zum Himmel auf und ruft: „O Herr, verzeih mir, dass ich einen Augenblick schwankte! Ich bin ein solches Kind nicht wert. Ja, Kind, um des Himmels willen geh mutig in den Tod. Ich segne dich. Mein Gebet folgt dir, meine Liebe, mein Mutterauge, bis es gleich dem deinigen im Tode bricht.“

 

2. Ein letztes Wort.

 

Die fromme Dichterin Luise Hensel sprach kurz vor ihrem Tod (+ 1876): „Bald ist es aus. Wie freue ich mich, meine teuren Freunde und Verwandten, die mir vorangegangen sind, wiederzusehen. Wenn ich dort bin, werde ich für euch alle beten.“

 

3. Ein inniger Wunsch.

 

Aus dem Kolleg der Jesuiten zu Kalksburg bei Wien schrieb ein Zögling in einem Brief vom 25. Oktober 1925 an seine ungläubige Mutter folgenden Schlusssatz: „Viele herzliche Handküsse von Deinem Sohn, der oft an Dich denkt, für Dich betet, Dich liebt und der dich wiederfinden möchte in dem Reich, dem er zustrebt.“

 

(Aus: Homiletisches Handbuch, Anton Koch, 1950, Band 11, Seite 452)