Die priesterlichen Gewänder

 

I. Das Humerale (Schultertuch)

 

Tust als Priester Haupt und Schultern

Du nach Kirchenvorschrift kleiden,

Möge „Schutz und Helm des Heiles“

Dir das Humeral bedeuten!

 

Mag dies Kleid dich stets erinnern,

Wie den Herrn die Henker schlugen,

Und sein Antlitz ihm verhüllten,

Spottend: „Ob er Gott sei“, frugen.

 

Mag es dir als Mahnung dienen:

Deine Sinne streng zu wahren;

Mit Gebet dich zu umhüllen.

Gott dich schütze in Gefahren.

 

II. Die Albe

 

Einst verklärt auf Tabors Höhen

Trug der Herr ein weißes Kleid

Als ein Sinnbild seiner Würde

Und auch seiner Herrlichkeit.

 

Er, der Sohn des ewigen Vaters,

Hat in seinen Leidenstagen,

Gar zum Spott und Hohn der Sünder,

Solch ein weißes Kleid getragen.

 

Mag dies Kleid dich stets erinnern,

Wie der Herr nach Schmach und Leiden

Glorreich aus dem Grab erstanden

Thront im Kleid der Herrlichkeiten.

 

Mag zum Opfer am Altare

Dies Gewand den Priester kleiden,

Makelloser, reiner Wandel

Stets ihn dessen würdig zeigen.

 

III. Das Cingulum (Gürtel)

 

Gottes Sohn, den Welterlöser

Hat mit Stricken man gebunden,

Dem Unschuldgen schlugen Sünder

Noch mit Geißeln schwere Wunden.

 

Zur Erinnerung soll der Priester

Opfernd sich die Lenden gürten;

Mag der Gürtel ihn ermahnen,

Stets zu zügeln die Begierden.

 

Mög er stets in voller Reinheit

Am Altar zum Dienst erscheinen,

Heilig, seines Amtes würdig,

Sich mit Gott dem Herrn vereinen.

 

IV. Der Manipel (Armbinde)

 

Um der Sünder Schuld zu sühnen,

Ließ der Herr sich willig binden

Mögen wahre Reuetränen

Stets auch unsere Herzen finden!

 

An die Säule einst gebunden,

Will der Herr den Diener mahnen,

Dass ob Sorge, Müh und Arbeit,

Nie im Dienst er darf erlahmen.

 

Wohl ist schwer des Priesters Bürde,

Schwer die Arbeit, klein der Lohn,

Doch unendlich Gottes Gnade,

Ewig auch lohnt Gottes Sohn.

 

V. Die Stola

 

Nimm die Stola als ein Zeichen

Der Gewalt, die Gott gegeben;

Seinen Priester zu umgürten,

Rein und heilig sei dein Leben.

 

Und mit Gottes mächtger Gnade

Sei du „Vorbild“ – „führe“ – „leite“!

Die dir anvertraute Herde

Stets nur auf des Herren Weide.

 

Dann erst wird am Feierabend,

Wenn das Tagewerk vollbracht,

Der Herr den treuen Diener lohnen;

Unendlich ist des Herren Macht.

 

VI. Die Casula (Messgewand)

 

Zu dem Opfer am Altare

Soll dies Messgewand geweiht

Den Priester bei der heiligen Handlung

Würdig kleiden jederzeit.

 

Es soll an jenes Kleid erinnern,

Das Maria gab dem Sohne,

Das dem Herrn vom Leib gerissen,

Ausgespielt durchs Los zum Hohne.

 

Wie dies Kleid die andern Teile

Überstrahlt, vollendet, kleidet,

So soll auch die Tugend: „Liebe“

Endzweck sein, der alles leitet.

 

Wie das Kleid ein „Königsmantel“

Für den Priester bis zum Grabe,

Möge er auch Christi Liebe,

Der Gebete fromme Gabe

 

Täglich opfern am Altare

Vor des höchsten Gottes Throne

Ewiges Heil damit erwirken,

Von dem ewigen Gottessohne.

 

Mögst zu dem geweihten Kleide

Du als Führer bis zum Throne

Samt der dir vertrauten Herde

Empfangen einst die ewige Krone.

 

 

 

Wandlung

 

Die Erde hält den Atem an

Und alle Himmel fromm sich neigen.

Der Wunder höchstes sich erneut.

Ein Glöcklein bebt ins tiefe Schweigen.

 

Die weiße Hostie schwebt empor,

Die Engel jauchzen Jubellieder,

Im Staube kniet das treue Volk,

Gott, deine Menschheit hat dich wieder!