Grabschriften

 

Die Grabschriften spiegeln in großer Vielfältigkeit und sich verändernder Gestaltung die Anschauungs-, Denk- und Gefühlsweise der Menschen innerhalb eines ziemlich großen Zeitraumes wieder. Sie sind eine wahre Fundgrube für die Beurteilung des jeweiligen Volkscharakters.

 

Gerade die Alpenregionen mit ihren etwas zum Mystizismus neigenden Bewohnern sind reich an derartigen Denkmalen, so dass es sich sicher lohnt, einen Blick hinein zu tun.

 

Der Inhalt der Grabschriften ist entweder allgemeiner Natur und behandelt in allen nur denkbaren Spielarten das Kapitel von Tod und Ewigkeit, daneben Schmerz über den Verlust teurer Angehöriger mit der Hoffnung auf Wiedersehen im Himmel bei Gott. Manche dieser Verse sind von einer unerwarteten Tiefe und Innigkeit. Manchmal kommt auch eine Ursprünglichkeit der Auffassung zum Durchbruch, die uns sogar schmunzeln lässt. Dies trifft besonders bei den Grabschriften zu, die den Stand des Verstorbenen, seinen Beruf oder seine Todesart zum Inhalt haben.

 

Eine ganz eigene Art von Denkzeichen Verstorbener sind die sogenannten „Leichen- oder Totenbretter“. In früheren Zeiten waren es die wirklichen „Rechbretter“ (Von Re = Leiche), auf denen die Leichen im Haus aufgebahrt waren und die dann, mit Namenszug des Verstorbenen und Jahreszahl versehen, an häufig begangenen Wegen, besonders Kirchwegen, aufgestellt oder sogar auf dem Weg niedergelegt wurden. Später waren es meistens nachträglich vom Schreiner gemachte Bretter von einfacher Form, auf denen Bilder und Kreuze mit Inschriften gemalt sind.

 

Weitere Grabschriften finden wir in den sogenannten Totenkapellen und Totenrasten. Totenrasten sind kleinere Kapellen außerhalb des Ortes, die den Leichen, die von den weit entfernten Berghöfen herabgeschafft werden, als zeitweilige Ruhestätte dienen, bis sie der Ortsgeistliche zur Bestattung auf dem Dorffriedhof abholt. An den Wänden hat gläubiger Sinn und Pietät verschiedene Erinnerungstafeln an die Verstorbenen aufgehängt, die fast immer ähnlich den Grabkreuzen mit passenden Versen und Sprüchen versehen sind. Meist finden auch hier sogenannte Armeseelentafeln ihre Heimstätte, kleine Bilder, die oft nackte Gestalten mit flehenden Gesten und Mienen und zum Himmel erhobenen Händen darstellen, während unten züngelnde Flammen eine drastische Darstellung ihrer „heißen Pein“ im Fegfeuer geben. Die Verse dabei schildern die Qual dieser „abgestorbenen Büßer“. Dabei appellieren diese Bilder in rührender eindringlichster Weise an das Mitleid der Vorübergehenden um ein Vaterunser oder Ave Maria.

 

Eine weitere Art der Erinnerungspoesie bilden schließlich die Inschriften auf Votivtafeln, Bildstöckeln und Feldkreuzen. Sie haben oft Lebenswahrheiten zum Inhalt und Erinnerungszeichen an wunderbare Rettungen aus Lebensgefahr oder an sonstige Hilfe im Unglück, die dankbarer Sinn zur Erbauung der Mitwelt am Tatort oder in Wallfahrtskirchen aufgehängt hat. Gewöhnlich erläutert ein Bild die Verse, die oft in bemerkenswerter Anschaulichkeit und Kürze den Fall erzählen. Einfacher dagegen sind die Sprüche und Reime auf Bildstöckeln und Feldkreuzen, beeindrucken aber oft durch Innigkeit und Gemütstiefe und durch rührende Herzenseinfalt.

 

Verwandt mit den Votivtafeln sind die sogenannten Marterlen. Unter „Marter“ schlechthin versteht man jedes gemauerte oder hölzerne Denkzeichen am Weg, sei es eine kleine Stationenkapelle oder eine Bildsäule mit Christus am Marterpfahl oder ein Denkzeichen an irgendein trauriges Ereignis. Im engeren Sinn bezeichnet jedoch besonders die Verkleinerungsform „Marterl“ ein Täfelchen, das zum Andenken an einen hier stattgefundenen Unglücksfall errichtet wurde und gewöhnlich mit haarsträubendem Bild und Text den traurigen Fall darstellt. Solche „Marterln“ sind im ganzen Alpengebiet zu finden und geben einen reichhaltigen Überblick über die Gefahren, denen der Mensch durch die Naturgewalten und bei seiner Berufsarbeit ausgesetzt ist.

Des Menschen Tod ist unbestimmt

Wie alles hier auf Erden;

Wenn Gott der Herr die Seele nimmt,

Kann nicht ermittelt werden.

Drum zittre, Mensch, und sei bereit,

Denn nachher kommt die Ewigkeit.

(Kufstein)

Das Sterben ist schon eine alte Sache,

Noch keinen hat der Tod verschont,

Dem Laster folget Gottes Rache,

Die Tugend nur wird dort belohnt.

Drum macht´s dem Sünder tausend Sorgen,

Der täglich sich vorm Tode scheut,

Dem Frommen macht er frohe Morgen,

Der täglich auf den Tod sich freut.

(Axams)

Hier lieg ich im Rosengarten

Und thu auf Vater und Mutter warten.

(Kindergrab in Lungau)

Im Rosengarten

Will ich auf meine Eltern warten,

Für sie beten alle Zeit

Wie der Kinder Schuldigkeit.

(Kindergrab im Ötztal)

Der bösen Welt, der bösen Zeit

Bin ich Gottlob davon geeilt,

Ich sterb in Jesu, es ist vollbracht,

Und wünsch der Welt ein gute Nacht.

(Kindergrab in Brixen)

Mein Leiblein liegt im Grab,

Die Seele ist bei Gott,

Die Freuden, die ich hab,

Sind unaussprechlich groß.

(Kirchberg im Brixental)

Wenn junge Himmelserben

In ihrer Unschuld sterben,

So büßt man sie nicht ein;

Sie werden vom Vater oben

Im Himmel aufgehoben

Und nicht verlassen sein.

(Ötztal 1875)

Mein Kind das war ein Rosenknopf (Knospe),

Wollt eine Rosen werden,

Da kam der Tod und roch daran,

Da wars nicht mehr auf Erden.

(Leichenbret im bayerischen Wald)

Frühverwelkte Blümlein blühen dort

Schöner nun im Himmelsgarten fort,

Und vergeßt, verklärt im ew´gen Licht,

Eure Eltern und Geschwister nicht.

Reichet kindlich ihnen eure Hand,

Zieht auch sie zu euch ins Himmelsland.

(Pillersee)

Ich liege jetzt im Rosengarten

Und muß auf meine Eltern warten;

Ich liege hier als ein ledig Kind (uneheliches Kind),

Weil ich auf der Welt verachtet bin,

Aber dort im Himmelreich

Dort sind wir alle gleich.

(Kirchberg im Brixental 1870)

Kaum hat mein Leben angefangen,

Fallen schon die Blätter ab,

Kaum bin ich in die Welt eingegangen,

Trägt man mich schon zu Grab.

(Kirchberg im Brixental)

Meine Eltern schücken mich in ew´gen Rosengarten,

Wo ich zuerst soll auf meine Freunschaft (Verwandtschaft) warten,

Bis der Posaunen Thon uns rufen wird mit Nam,

Dann führ uns Gott freudenvoll ewig bei ihm zusam.

Was Knospe war auf Erden

Läßt Gott dort Blume werden.

(Friesach Kärnten)

Stolzes Mechten (Mädchen) o beschaue

Hier in diesem Spiegel dich,

Nicht zu viel auf Schönheit baue,

Du zerfällst einst sicherlich.

(Lanersbach in Dux)

Hier liege ich und muss verwesen; -

Was du jetzt bist, das bin ich einst gewesen,

Und was ich bin, wirst du einst sein,

Stehe still und bet` um mein!

Was Gott thut das ist wohlgethan,

Greift es uns auch schmerzlich an;

Dulden ist der Menschen Pflicht,

Drum, o Kind, nimm zur Ruh

Unsern Segen noch dazu,

Ewig trennt der Tod uns nicht.

(Eben)

Zu gut war er für diese Pilgerwelt,

Drum eilte er zum Thor der Engel,

Sanft verwelkend, wie vom zarten Stengel

In der Sense Schwung ein Blümchen fällt.

(Lienz im Pustertal)

Lieber Vater und Geschwister

Lebet wol hier noch einmal;

Hier in diesem Weltgezitter

Seh`n wir uns das letztemal.

Spiegelt Euch an meiner Leiche,

Denkt, es dauert nur eine kurze Zeit,

Sind wir auch im Todenreiche

Selbst ein Kind der Ewigkeit.

Und wenn Euch schwere Leiden quälen,

Nehmt sie nur geduldig an,

Denkt wie viele fromme Seelen

Flechten sich die Marterkron`.

(Navis)

Alhier Ruhet in Gottes Hand

Maria Magdalena Mainachtin hab ich mich genannt,

ich kam nicht in die Welt zu sähen,

ob es hier wie in Himmel Thut zugehen,

ich ruhe hier in Gottes reich

und will bitten fihr meine Eltern und fihr Euch,

fihr meine gottel (Taufpatin), die euch bekannt,

und fihr`s ganze Vaterlant.

geb. am 21./4.1804 gest. am 22./4.1804.

(Am Lueg, alte Kirche vor dem Brenner)

Hier ruht die selige N.N.

Und thut in diesem Rosengarten

Auf Ihre Eltern warten,

Nicht auf Ihre Eltern allein,

Auch auf die ganze Pfarr-G`mein.

(Marein bei Neumarkt)

Unvermuthet und ungefähr

Kommt der kalte Tod daher,

Und streicht (dich) mit seinem Sensenschnit

In schönster Blüth zum Grabe mit.

(Ötztal)

Siehst du hier wol einen Unterschied

Ob arm ob reich?

Der Tod macht`s gleich,

Heut rot,

Morgen todt.

(Tannheim bei Grühn)

Hier liegt begraben die ehrsame Jungfrau N.N.

Gestorben ist sie im siebzehnten Jahr

Just als sie zu brauchen war.

(Oberinthal)

O Jugend fleh` bei Anna`s Grabe still

Und horch, was ich dir sagen will:

Ich warne dich, bau` nicht auf deine Kraft,

Ich war wie du in schönster Blüh` und Saft,

Ein Baum zerstört mein junges Leben

Und hat durch seinen Fall mir den Tod gegeben.

Drum habe Gott vor Augen, flieh` die Sünde,

Damit der Tod dich gutzubereitet finde.

(Hall)

In einem Beinhaus Oberbayerns sind drei Totenköpfe gemalt.

Darunter steht:

Kannst du raten, wer unter diesen drei

Edelmann, Bürger und Bauer sei?

Einem Küster zu Wiesing (Tirol) wurde folgender Nachruf gewidmet:

Hier liegt der Meßner Krug,

der Kinder, Weib und Orgel schlug.

Auf dem Grab eines Bierbrauers zu München aber liest man:

Hier liegt Herr Bartholomäus Mayer,

In seinem Lenen war er ein Bräuer;

Gott nahm sein Leben, er schuf es,

Er starb als Opfer seines Berufes.

Zu Prien am Chiemsee steht auf dem Grab eines wackeren Soldaten:

Hier ruht Herr Joseph Schinabeck,

Im Frieden sanft, im Kriege keck;

Ein Engel war er auf Erden schon

Und G`freiter im 6. Jägerbataillon.

Eine Grabinschrift in Wien lautet:

Hier ruht Frau Anna Wunibald,

War 67 Jahre alt;

Sie lebte in Tugend und Zucht

Und starb an der Wassersucht.

Bei Ulm findet sich an einer Unglücksstelle ein Kreuz mit der Inschrift:

Brucka ganga, Brucka brocha,

Abigfalla, nau versoffa!

In Brixen trägt ein Grabstein die Inschrift:

Im Leben rot wie Zinnober,

Im Tode wie Kreide so bleich,

Gestorben am 12. Oktober,

Am 14. war die Leich!

Die Grabschrift eines Kindes in Eschalkam (bayr. Wald) aber lautet:

Hier ruht das junge Öchselein,

Vom alten Ochs das Söhnelein;

Der liebe Gott hat nicht gewollt,

Daß er ein Ochse werden sollt`.

Der Vater Ochs hat mit Bedacht

Den Vers und Grabstein selbst gemacht.

Eine Grabschrift im Bayrischen Wald schildert in anschaulicher Klarheit den Todesfall:

Hier ruht Theresia Pfeil,

Sie starb in aller Eil`;

Von Heustocks Höh fiel sie herab

Und fiel in eine Gabel;

Zum großen Lamentabel

Fand sie darin ihr Grab.

Der Unfall eines Mannes zu Zirl in Tirol wird in lakonischer Kürze dargestellt:

Hier fiel Jakob Hosenknopf vom Hausdach in die Ewigkeit.

Eine Inschrift aus dem Salzkammergut:

Hier liegt Herr Johann Gottfried Lamm.

Er starb durch einen Sturz vom Damm,

Eigentlich heißet er Leim,

Aber es geht nicht wegen dem Reim.

Hier lieg ich Blum darnieder

In schönster Blüth schon welch (welk),

Hab aber nichts darwider,

Weils Gott ist sein Befelch (Befehl).

(Jerzens im Pitztal)

Gatte, Kinder weinet nicht,

ich hab ausgelitten.

Sterben das ist Menschenpflicht,

ach da hilfts kein Bitten!

Lebet wohl, beim Aufersteen

werden wir uns wiedersehen.

(Leichenbret im bayr. Wald)

Hier ruhet die ehr- und tugensame

Jungfrau Rosina Baumgartner.

Liebe Rosina!

Wie so manche Nacht

Haben wir mitsammen zugebracht,

Bis der liebe Heiland kam

Und dich wieder zu sich nahm.

(Tulfes bei Rinn)

Im letzten Jahr da starb mein Mann,

Wie that ich ihn bewein`

Und jetz ach starb mein einzigs Kind -

Nun bin ich ganz allein!

(Leichenbret im bayrischen Wald)

Denket meiner im Gebet,

sprecht an meiner Grabesstätt:

Mutter ruh` in Frieden hier,

und der Himmel leuchte dir.

(Leichenbret im bayr. Wald)

Bei Bludenz mordeten sie ihren Mann

Und dieser Schlag erschlug auch sie,

Was eine Sterbliche nur leiden kann

Litt die Verklärte und verzieh.

(Innsbruck

Grabstein der Witwe des Oberamtsrathes v. Franzin, den die Bauern im Kriegsjahre 1796 zu Bludenz unschuldig ermordeten.)

Du unerbittlig grausamer Tot

Was machst du uns vir Schmertz und Not.

Ach könnten wir ganz in Schmerz zerfließen

Die gute Mutter hast du uns entrißen.

Da sank, die uns so liebete hinab

Auf ewig in das kille Grab.

(Leichenbret im bayr. Wald)

Ach es thaurt nur kurze Zeit,

Du wirst auch dein Leben schließen,

Dann bin ich jede Stund bereit,

Dich aufs neue zu begrüßen.

(Schluss eines Dialoges zwischen der gestorbenen Gattin und dem lebenden Gatten.)

Hier liegt in Gottes Handen,

Der 95 Jahr gestanden;

Ein Ehrer Mariä u. Gottes zusamm

Ließe allda sein Namen u. Stamm

Der hochwolgeborne Christ Joseph Mayrhofer von Koburg u. Anger gestorben zu Innsbruck den 16. Aug. 1775.

(Gufidaun, Eisaktal)

Gott erheb auf Hoffnungs Schwingen

Uns im Geist zu deinen Höhn,

Bis auch wir das Ziel erringen

Und die Theure wiedersehn.

(Pinzgau 1872 - Leichenbret an einem Stadel)

Höre, der das lest

Frage nit wer ich gewest.

Hab zwai geborn In Das Leben

Aber Das VerLoren, was ICh geben,

EIn große SIInDerIn.

Doch denk an mich

Und ich an dich

Hie zeitlich und dort ewiglich.

(Zwei vom Wind entblätterte Rosen; darunter auf einem Band: perij dum peperi; 1711; Stadtpfarrkirche zu Wels; Chronogramm)

Gott, welche Trauer!

Achtundachtzig in Einem Grab!

(Obergesselen, Schweiz, Grabschrift der am 18. Februar 1720 durch eine Schlaglawine Verschütteten)

Unter diesem Stein

Liegen die Gebein

Einer Mutter, die ihr Leben

Für das Kind hat hergegeben.

Es liegt nemblich hierin

Frau Margaretha Fischerin

Geborne Wengerin,

Geweste Pflegerin,

Der Freiherrschaft Landskron,

Gott ewig ihrer Seel verschon.

(St. Ruprecht bei Villach)

Jos. Ant. Lachberger Bürgermeister + 1763.

. . . . . . . am Schluss:

Seine tugendvolle Gemalin Susanna Regina eine geborne Baumannin, vormals verwittwete Stengelin, mit welcher ihme Gott in ihrem 39 jährigen Hausstand 20 Kinder geschenkt, hat den 15. Juni 1780 und im 79. Jahr ihres Alters angefangen ihme in der glücklichen Ewigkeit neuerdings Gesellschaft zu leisten.

(Wels (Aussenwand der Kirche, Gegend des Hochaltars)

Traget mich zu meinem Grabe

In den sichern Ruheport,

Den ich längst gewünschet habe,

Traget mich nun eilenz fort.

Vielmals hab ich meine Glieder

Zu der Arbeit ausgestreckt,

Nun leg ich mich fröhlich nieder,

Bis mich einst mein Jesus weckt.

(86 Jahre alte ehrsame Radegund Regensburger von Umhausen 1874 - Ötz)

Allzufrüh den Seinigen mähte der Herr den Lebensstengel dieses Mannes ab.

(Axams)

Geliebter Mann, du siehst

Die Zeit zum Scheiden ist vorhanden,

Drum lebe wohl, ich bin befreit

Von meinen schweren Banden.

Sei Vater für die Weislein,

Pflanz ihnen Tugend ein,

Ich werde auch nicht minder

Mutter in den Himmel sein.

(Ötz, 1874)

Hin geht die Zeit, her kommt der Tod

Mensch gedenk, thu recht und fürchte Gott.

(Buschelsdorf in der Steiermark

Grabstein des Pfarrers Golly, gest. am 29. Juli 1578)

Mein Mutter und Kinder muß ich verlassen,

Weil ich sie nicht mehr sehen kann;

Ich werde reisen die Himmelsstraßen

Dort bekomm ich meinen Lohn.

Ja es muß ein jeder sterben

Wie die Blume auf dem Feld,

Er mag sein arm oder reich,

Dort bei Gott sind alle gleich.

(Fügen)

Gleichwie jede Pluem auch einst muß fallen ab,

So wird eine jede Menschengestalt wie ich im Grab.

(Lauersbach in Dux)

Hier ligt Katharina Geizkoflerin,

hat zehn Kinder geboren,

die haben ihre Mutter zu früh verlohren.

den Suinen (den Ihrigen) viel Gutes geton,

dafür geb ihr Gott den ewige Lohn,

das wünscht Wilhelm Hohenhauser ihr Ehemon. 1619.

(Untermais b. Meran)

Kein Zeit, Ort ist uns bekannt,

Wo sieh das Leben endet

Die gerechte Gotteshand

Hat uns den Tod gesendet.

Wir schlafen alle sanft,

Bis spät um Mitternacht

Wo mir im Hauß vermurrt

Und nimmermehr erwacht.

 

Ein Vater und sein Weib,

3 Kinder auch darzu

Deckt nun den 2. August

Im Hauß die Muhre (Erdlawine) zu.

Der Tod kommt unverhofft

Bey dunkler Nacht herein,

Sie werden alle beysamm

Jetzt in den Himmel sein.

(Ötz - 1851)

Das ist eine harte Reis,

Wenn man den rechten Weg nicht weiß;

Frag die drei heiligen Leut,

(Jesus, Maria und Joseph)

Die zeigen dir den Weg zur Ewigkeit.

(Häufiger Friedhofvers, bes. im Unterinntal)

Sie litten vieles hier auf Erden

Doch das thut noth zum selig werden

Denn wer dafür nicht leiden will

Der schweige nur vom Himmel still.

(Wildermieming)

O Vatter wir vergessen nie

Dein Leben, deine Müh.

(Buchboden Friedhof)

Was Job über die Menschen hat geschrieben

Ist in der That nicht übertrieben,

Der Mensch vom Weibe kömmt,

Ist arg mit Elend überschwemmt,

Er weilet hier nur kurze Zeit

Und wandert dann in die Ewigkeit.

(Inzing)

Alle Menschen sind mir gleich,

Sind sie arm oder reich,

Jung oder Alt

Alle bekommen meine Gestalt.

(Lanersbach)

(Der Tod, die Sense in der Hand, stützt nachdenkend die Hand auf einen Stein, worauf eine Kerze verlöscht.)

Das längste Ziel von Lebenstagen

Ist siebenzig bis 80 Jahr,

Ein Inbegriff von tausend Plagen,

Auch wenn es noch so glücklich war.

Geflügelt eilt mit uns die Zeit

Zu einer langen Ewigkeit.

(Ötz - Grab eines 80 jähr. Bauern)

Ob die ganze Welt dich nennt,

Oder blos dein Nachbar kennt,

Ob du arm bist oder reich,

Ob du roth bist oder bleich,

Dieses ist zuletzt ganz gleich.

Jeder Mensch auf Erden

Muß zu Staube werden.

(Leichenbret im Bayr. Wald)

Du Freund es wird dein Ende kommen,

Doch weißt du nicht wo, wann und wie,

Vielleicht wirst du der Welt entnommen

Heut Abend oder morgen früh,

Vielleicht ist auch dein Ziel bestimmt

Eh diese Stund ein Ende nimmt.

(Leichenbret in Pinzgau)

Szepter Kron und Bauernkappen

Thut man hier zusammenpappen.

(Über dem Friedhofseingang in Jerzens - Pitztal)

Ich lieg im Grab und muß verwesen

Was du jetzt bist, bin ich gewesen!

Was ich jetzt bin, das wirst auch du! -

Drumm fleh und bett für meine Ruh.

(Leichenbret im bayr. Wald)

Du hast vollbracht; in deine Kammer

Dringt keine Lebensplage mehr,

Es bleibt zurück der stille Jammer

Und Gottes Frieden weht umher.

Geendet ist der Pilgerpfad

Wohl dem der überwunden hat.

(Vorarlberg, Viktorsberg außen a. d. Kirche)

Wolfgang Wisenecker war er genannt,

An allen Orten wohlbekannt.

Geboren in der Grafschaft Tyrol,

Kärnthen hat ihn erzogen wohl.

Im Ertzstift hat er bezahlt

Die Schuld der Natur, als er war alt

70 und 1 Jahr fürwahr.

Hat Wirthschaft gehalten 25 Jahr

An den Tauern mit Treu und Fleiß,

Daraus ihm ward Lob, Ehr und Preis.

Den letzten December er allda begraben war

Nach Christi Geburth im 1582 Jahr.

(Friedhof auf dem Radstädter Tauern)

O Gott was wird das werden

Wenn Erden in Erden gelegt wird werden?

Und Erden mit Erden bedeckt wird werden?

Und hat Erden auf Erden nichts guts gethan

Wie wird vor Gott d Erden bestehen als dann?

(Stuhlfelden in Oberpinzgau)

Hier lieg ich im kühlen Grab

Wen kümmert das?

Ich werd schon aufstehn, wenns mich freut,

Zur ewigen Glückseligkeit.

(Pinzgau - Jägergrab)

Was die Erde gab, begehrt sie wieder

Und was Staub gewesen, wird zu Staub,

Doch die Seele stieg vom Himmel nieder

Wohl der Gottheit, keines Todes Raub.

Unsere Thränen fallen auf den HügelDer geliebte Ueberreste deckt,

Doch des Glaubens goldbeschwingter Flügel

Trägt uns aufwärts, wo kein Grab mehr schreckt.

(Velden - Kärnten)

Gehe nit vorüber

Bett für mich,

Thue meiner doch gedenkhen

Mit Weichwasser spreng auch Mich und dich,

Den Ablaß thue mir schenken.

(1698 - Hall)

Hör lieber Christ geh nicht vorbei,

Bett mir 1 Vater Unser oder auch 2

Bedenke, es vergelts dirs Gott!

Dieß ist an dich mein letzt Geboth.

Und zum Schluß, gieb ich dir den Gruß:

Gelobt sei Jesus Christus.

(Leichenbret im bayr. Wald)