Die Gräueltaten der Calvinisten und Geusen

 

(„Calvinisten“ sind Mitglieder einer theologischen Bewegung, die auf den Lehren des französischen und in Genf arbeitenden „Reformators“ Johannes Calvin beruht. Er lebte von 1509 bis 1564.

„Geusen“, niederländisch geuzen, ist der Name, den sich die niederländischen „Freiheitskämpfer“ während des „Achtzigjährigen Krieges“ (1568-1648) gaben. Das Wort „Geusen“ leitet sich aus dem französischen Begriff „gueux“ (Bettler) ab.)

 

Die Niederlande standen im 16. Jahrhundert unter spanischer Herrschaft. Allerdings hat das Luthertum aus Deutschland und später der Calvinismus aus Frankreich vielen Menschen im Land den Glauben verdorben. Dem Abfall von der Kirche folgte die Empörung gegen den König. Nachdem König Philipp II., der dem katholischen Glauben unerschütterlich treu ergeben war, die Regierung seiner „Erblande“ angetreten hatte, übertrug er die Verwaltung der Niederlande seiner tugendreichen Schwester Margareta, gab ihr ausgezeichnete Männer als Räte an die Seite und ließ ihr zur Sicherung des inneren und äußeren Friedens 3000 Mann spanische Truppen im Land zurück. Das Land war wohlgeordnet, aber es sollte sich des Friedens nicht lange erfreuen. Der Adel, von dem viele verarmt waren und in Schulden steckten, war mit der Regentschaft unzufrieden, weil er selbst gern die Verwaltung des Landes in die Hände genommen hätte, und bildete nun eine geheime feindliche Partei. Als nun der König, um die katholische Kirche gegen die Fortschritte der religiösen Neuerer wirksamer zu beschützen, im Einverständnis mit dem Papst die Zahl der Bischöfe, diese natürlichen Stützen und Wächter des heiligen Glaubens, von fünf auf siebzehn zu vermehren beschlossen hatte, und zugleich die Gesetze seines Vaters gegen die Ketzer in Anwendung bringen ließ, so vereinigten sich die verwegensten Edelleute zu einem Eidbund, dem bald Hunderte beitraten. Als sie einmal mit dem Spottnamen Geusen, d.i. „Bettler“, benannt wurden, so nahmen sie diesen Schimpfnamen als Ehrentitel an. Später bezeichnete man damit überhaupt alle vom katholischen Glauben Abgefallenen. Das geheime Haupt des Bundes gegen den König war Wilhelm, Prinz von Oranien. Bis zu seinem zwölften Lebensjahr protestantisch erzogen, heuchelte er im Dienst des Kaisers Karl V., der ihn eines großen Vertrauens würdigte, eine gute katholische Gesinnung, während er heimlich doch dem Protestantismus anhing. Mit einem durchdringenden Geist und ruhigem Charakter verband er ein berechnetes Schweigen und eine unbeugsame Beharrlichkeit zum erreichen seiner Zwecke. Heuchelei und List dienten ihm als Mittel, seine Feinde zu täuschen und sich seiner Freunde als Werkzeug bei Ausführung seiner Pläne zu bedienen. Er war der verschlagenste und fürchterlichste Feind des Königs und der Kirche, obgleich er milde und gerecht zu sein sich den Anschein gab. Er wollte die Herrschaft beider in den Niederlanden brechen, um für sich ein unabhängiges Reich zu gründen. – Sobald die Kunde von dem Bündnis des Adels sich verbreitet hatte, erhoben die Anhänger der neuen Lehre kühn das Haupt. Unter dem Schutz der vornehmsten Herren des Landes glaubten die Neuerer sich sicher, und steckten daher ihrer Keckheit keine Grenze mehr. Sie predigten fast in allen Städten öffentlich gegen den katholischen Glauben und lockten viel Volk zu ihren Versammlungen. Anfangs wollten die Obrigkeiten der Stadt es verwehren, aber die Anhänger der neuen Lehre begaben sich bewaffnet zu dem Gottesdienst, und man sah sich gezwungen, um Blutvergießen zu vermeiden, sie ungehindert gewähren zu lassen. – Ihr Hass gegen alles Katholische steigerte sich. Im Monat August 1566 begannen einige Calvinisten, von französischen Landstreichern unterstützt, die Heiligen- Statuen und Bilder längs der Heerstraße umzureißen und zu zerstören. Bald darauf erkühnten sie sich, die Kapellen abzubrechen und alle Zeichen des katholischen Gottesdienstes darin zu vernichten. Diese Kirchenschändung war ein Ruf, der in allen Städten der Niederlande einen abscheulichen Widerhall fand. Der wilde Pöbel, den man gegen die katholischen Gottesdienste aufgehetzt hatte, vereinigte sich mit unzüchtigen Frauen und Männern, brach Kirchen und Klöster auf, verjagte und misshandelte die Priester und Ordensleute, riss die Bilder des Erlösers und der Heiligen um, raubte Gold und Edelsteine, trat die geweihten Gegenstände mit Füßen und trieb solche Schandtaten selbst auf den Treppen der zertrümmerten Altäre, dass es jedem redlichen Menschen Abscheu einflößte. – Wie ein verheerendes Feuer verbreitete sich die Bilderstürmerei. In wenigen Tagen waren die meisten Kirchen, Klöster und Abteien Belgiens durch verwüstende Banden geplündert und geschändet. Die Liebfrauenkirche zu Antwerpen, so reich an schönen Altären und unschätzbaren Meisterwerken früherer Kunst, war der Gegenstand ihrer besonderen Wut. Hier ließen sie nichts unzerstört, mit unzüchtigem Spott warfen sie das Marienbild um, rissen die Gemälde in Stücke, zertrümmerten die Statuen, streuten die heiligen Hostien auf den Boden, schmierten die Schuhe mit den heiligen Ölen, schleppten die Fahnen und priesterlichen Gewänder durch den Kot und füllten so an einem Tag das Maß der losgelassenen Bosheit bis an den Rand. Der Schrecken der Bürger und der Obrigkeiten war so groß, dass niemand auf den Gedanken kam, der Bilderstürmerei mit Gewalt Einhalt zu tun. Ein jeder fürchtete für sein eigenes Leben und Gut, und ehe die allgemeine Bestürzung abnahm, gab es in den überfallenen Städten schon kein einziges äußeres Zeichen der katholischen Gottesverehrung mehr. –

 

 

Als König Philipp die Nachricht von so unerhörten Gräueln empfing, konnte er, der gewöhnlich so ruhig war, sich nicht bezwingen. Bebend vor Zorn, rief er, indem er sich den Bart ausraufte: „O es soll ihnen schwer zu stehen kommen, ich schwöre es bei der Seele meines Vaters.“ Er ergriff strenge Maßregeln zur Ausrottung einer so verderbenbringenden Saat, und wurde dabei von den echt katholischen Bürgern und vielen Edelleuten unterstützt. Allein er konnte über das tiefwurzelnde Übel nicht vollständig Meister werden, weil die Geusen, die der Eidesverbindung angehörten, beschlossen, gegen den König die Waffen zu ergreifen, und führten diesen Plan auch eiligst aus. Unterstützt von reichen Kaufleuten und vom Ausland warben sie Truppen und führten Krieg zu Wasser und zu Land als Wasser- und als Buschgeusen. Es war ein Krieg nicht nur gegen den rechtmäßigen König, sondern auch gegen die wahre Kirche Jesu Christi. Das zeigten in erschreckendster Weise die verwegenen Wassergeusen, die nicht nur mit ihren Raubschiffen den Spaniern unermesslichen Schaden zufügten, sondern auch durch ihre unmenschliche Grausamkeit der Schrecken aller Katholiken wurden. Ihr Anführer war Wilhelm, Graf von der Mark, der auch der Mörder eines Heiligen wurde (hl. Johannes von Köln). Von katholischen Eltern geboren, hatte Wilhelm als Knabe schon von seinem Erzieher, einem abtrünnigen Mönch, das Gift der calvinischen Irrlehre und einen rasenden Hass gegen alles Katholische eingesogen. Ein Verächter alles Heiligen schnaubte er, wie ein anderer Saulus, Mord und Wut gegen Priester und Ordensleute. O wie viele Geistliche hat er ungerecht ermorden lassen! Als es ihm und seinen aus Seeräubern und Verbrechern bestehenden Banden gelungen war, im Frühling des Jahres 1572 das an der Seeküste liegende Städtchen Brielle zu erobern, und von da allmählich weiter in das Innere Hollands vorzudringen, so erwies er sich überall als geschworenen Todfeind der Kirche und ihrer Diener. Durch die Knechte seines Willens ließ er Heiligtümer entweihen, Altäre umstürzen, Bildnisse Christi und seiner Heiligen zertrümmern, heilige Gefäße rauben, das allerheiligste Sakrament mit Füßen treten und Klöster von Grund aus zerstören. Dürstend nach Mönchs- und Priesterblut ergötzte er sich, wenn er das Henkergeschäft an ihnen ausüben konnte. Einige ließ er schändlich misshandeln und mit vielen Wunden töten, andere an Bäume und Segelstangen hängen und erdrosseln, wieder andere an den Schweif seines Pferdes binden und unter dem Jammer aller Zuschauer weite Strecken schleifen. Solche Untaten verursachten nun Schrecken und Entsetzen an den Orten, wo sie geschahen. Das Gerücht davon aber ging durchs ganze Land, und machte einen Eindruck, wie das grimmige Brüllen eines nahenden Raubtieres. Selbst die Mutigsten wurden verzagt und kleinlaut. Bange Furcht ob der Dinge, die da kommen konnten, lagerten wie eine schwere, schwüle Gewitterwolke über jedem gläubigen Herzen, dem Religion, Kirche und Priestertum noch teuer waren. –

 

(Aus: "Die hundert und zwölf glorreichen Martyrer aus der Ordensfamilie des hl. Dominikus",

von P. Fr. Pius Schweighofer, Graz 1868)