Das Gotteshaus

 

Wenn schon Salomo den Tempel zu Jerusalem mit außerordentlichen Feierlichkeiten einweihen ließ, in dem sich nur die Bundeslade mit Mannakörnern, mit den Gesetzestafeln des Mose und der Rute Aarons befand, so kann es uns nicht Wunder nehmen, wenn die christlichen Tempel unter bedeutungsvollen Zeremonien zum Dienst des Allerhöchsten feierlich eingeweiht werden, denn in diesen befindet sich unendlich mehr, als im Heiligtum auf Sion. Betrachten wir die Kirche als Gotteshaus.

 

1. Die Kirche ist ein Ort göttlicher Gnaden,

2. deshalb müssen wir sie in Ehren halten.

 

1. Im Gotteshaus werden uns die ewigen Wahrheiten in der Predigt und Christenlehre verkündigt. Der Reichtum der Weisheit und Liebe Gottes wird uns geoffenbart, so dass die Nebel des Zweifels verschwinden und die Seele im Licht des Glaubens ihr hohes Lebensziel erkennt und die Mittel, um die ewige Bestimmung zu erreichen. Welch ein Balsam für die Wunden, welch ein Trost für die Betrübten, welch eine Kraft für den Schwachen, welch eine gute Lehre liegt in dem Wort der ewigen Wahrheit, die uns im Gotteshaus eingeschärft wird. – Vom Altar aus ergießt sich der siebenfache Strom der heiligen Sakramente in die Herzen der Gläubigen. Schon das unmündige Kind, ehe es die Gnaden Gottes erkennt und dafür danken kann, empfängt im Bad der Wiedergeburt die heiligmachende Gnade, die Kindschaft Gottes, das Erbrecht auf den Himmel. Und wenn später die Seele strauchelt auf den dornigen Lebenswegen, wenn sie verwundet ist von den giftigen Pfeilen und in Todesängsten seufzt, dann öffnet der beste Arzt, der liebevollste Vater seine Arme und ruft dem Reuigen durch den Mund des Priesters zu: „Sei getrost mein Kind, deine Sünden sind dir vergeben!“ Der Gott der Erbarmungen will das zerknickte Rohr nicht ganz zerbrechen, den glimmenden Docht nicht auslöschen. „Ein zerknirschtes und gedemütigtes Herz wird Gott nicht verwerfen.“ – Die maßlose Liebe geht noch weiter. In der Heiligen Messe opfert sich unser Erlöser täglich von neuem, wie er sich einst auf Golgotha für die sündige Menschheit dargebracht hat. Ja er bietet sein heiligstes Fleisch und Blut in der heiligen Kommunion uns zur Seelenspeise und ladet uns so freundlich ein: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken.“ „Wer mein Fleisch isst, wird leben in Ewigkeit.“ Wer kann diese Liebe Jesu in ihrer ganzen Tiefe und Höhe ermessen? In unserer Mitte wohnt er immerwährend im Tabernakel, um unsere Bitten zu erhören, unsere Leiden zu mildern, in der Trübsal zu rösten, in den Gefahren und Nöten uns beizustehen, und uns mit Gnade, Frieden und Freude zu erfüllen.

 

2. Da die Kirche ein Ort der Gnade ist, so müssen wir sie in Ehren halten. Gern sollen wir das Gotteshaus besuchen, um zu schmecken, wie süß der Herr ist. Möchten wir alle mit dem Psalmisten sprechen: „Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses, den Ort, wo deine Ehre wohnt.“ „Meine Seele verlangt und sehnt sich nach den Vorhöfen des Herrn, mein Leib und meine Seele freuen sich im lebendigen Gott, der Sonne und Schild in der Versammlung seiner Gläubigen auf Erden ist.“ – Die Kirche ist ein Ort der Gnade. Deshalb müssen wir mit frommer Andacht und heiliger Ehrfurcht dort erscheinen. Würden wir vor einem irdischen Herrscher jedes anstößige Benehmen, jedes ungeziemende Wort vermeiden, um wieviel mehr müssen wir den König Himmels und der Erde verehren, vor dem die Cherubim ihr Antlitz verhüllen. „Wahrhaftig, hier ist nichts anderes, als Gottes Haus und die Pforte des Himmels.“ Wie könnten wir uns genug demütigen vor der Majestät des Allmächtigen? Werft euch mit den Engeln des Himmels in den Staub und betet voll Ehrfurcht den gegenwärtigen Gott an. – Dankt dem Herrn für alle Gnaden, die euch im Gotteshaus zufließen. Dankt ihm, dass er euch zu Kindern aufgenommen, dass er die drückende Sündenschuld von euch nimmt, dass er euch zum Mahl seiner Liebe einladet, und euch täglich Beweise seines Wohlwollens gibt. Möge eure Seele ein lebendiger Opferaltar sein, vor dem täglich Preis und Dank gen Himmel steigt. – Die Kirche ist ein Bethaus. Deshalb sollen wir unsere Gebete vor allem an der geheiligten Stätte verrichten. Erscheinen wir vor dem Angesicht unseres liebevollsten Vaters mit kindlichem Vertrauen, dann wird sich erfüllen, was der liebe Heiland versichert: „Alles, um was ihr den Vater in meinem Namen bitten werdet, wird er euch geben.“ Hegt einen lebendigen Glauben, eine flammende Liebe, eine demütige Hingabe an Gott, so werdet ihr vom Fuß des Altars getröstet, gestärkt, neu belebt in eure Wohnungen zurückkehren.

 

O Gott, die Stätte, wo du unter Brotsgestalt verborgen thronst, wo du die Fülle deiner Gnaden und Segnungen über deine Kinder ausgießt und auch den verlorenen Sohn mit offenen Vaterarmen wieder aufnimmst, soll uns immer heilig sein. Alle weltlichen Gedanken und Sorgen sollen draußen bleiben, während wir mit dir reden. In Andacht wollen wir dem Geheimnis deiner unendlichen Liebe beiwohnen und neue Kraft schöpfen zur Erfüllung unseres Berufs, alle Unandacht und Gleichgültigkeit soll uns fern bleiben, dann werden wir immer mehr erfahren, dass dein Haus, o Gott, ein Haus der Gnade ist. Amen.