Glaubenszweifel

 

1. Eine Hauptquelle vieler Glaubenszweifel.

 

Ein Mann, dessen leichtfertiges Leben ein offenes Geheimnis war, plauderte einmal mit einem geistlichen Herrn: „Nun, Hochwürden, die Religion an sich ist ja wirklich eine schöne und edle Sache, aber Sie müssen doch selbst zugeben, dass es in der Heiligen Schrift Stellen gibt, die nicht deutlich, nicht klar genug sind, z.B. die Wunderberichte. Wie soll man das alles glauben!“ „Sie haben recht, es kommen in der Heiligen Schrift manche Stellen vor, die der Erklärung bedürfen. Das sechste Gebot aber ist z.B. außerordentlich deutlich. Denn es steht geschrieben: Täuschet euch nicht, weder Unzüchtige . . ., noch Ehebrecher werden das Reich Gottes besitzen!“ (1 Kor 6,9)

 

2. Ein Hauptmittel gegen Glaubenszweifel.

 

An einem vielbesuchten Kurort, so erzählt ein bekannter Volksmissionar, wurde in einer großen Gesellschaft von Herren einmal über religiöse Fragen gesprochen. Auch ein Priester befand sich in der Gesellschaft. Diesem erklärte ein Herr, der dem Namen nach Katholik war, dass er einfach nicht glauben könne, er sei an allem irre geworden. In seinem Innern woge es von Zweifeln und Einwänden gegen die katholischen Lehren. Alles Zureden und Beweisen von Seiten anderer habe nichts genützt. Auch die Bücher, die man ihm gab, hätten ihm nicht geholfen. Der Priester antwortete: „Zum Glauben gehört auch ein guter Wille. Ich will Ihnen ein Mittel sagen, das Ihnen sicher hilft: Beten sie täglich einige Ave Maria, um den rechten Weg zu erkennen.“ Der Herr war über diese Worte verblüfft, er hatte sich ohne Zweifel einen anderen Rat erwartet. Nach einigen Tagen aber entschloss er sich wirklich, das einfache Mittel anzuwenden. Und siehe, es half! Nach einem halben Jahr teilte er dem Priester brieflich mit vielem Dank mit, dass er durch Maria den vollen Glauben wiedergefunden habe.

 

3. Ein Rat für jugendliche Zweifler.

 

Tolstoi sagt einmal dem reifenden Menschen: „Wenn dir der Gedanke kommt, dass alles, was du über Gott gedacht hast, verkehrt ist, und dass es keinen Gott gibt, so gerate darüber nicht in Bestürzung. Es geht vielen so. Glaube aber nicht, dass dein Unglaube daher rührt, dass es keinen Gott gibt. Wenn du nicht mehr an den Gott glaubst, an den du früher glaubtest, so rührt das daher, dass in deinem Glauben etwas verkehrt war, und du musst dich bemühen, besser zu begreifen, was du Gott nennst. Wenn ein Wilder an seinen hölzernen Gott zu glauben aufhört, heißt das nicht, dass es keinen Gott gibt, sondern nur, dass der wahre Gott nicht aus Holz ist.“

 

4. Das letzte Wort des Skeptikers.

 

Rabelais, der berühmte französische Skeptiker und Satiriker, soll kurz vor seinem Tod an seinen Gönner, den Kardinal Bellay, die Botschaft geschickt haben, er stehe eben im Begriff, „das große Vielleicht“ (le grand peut-être) auszuprobieren.

 

5. Die Mahnung eines Heiligen.

 

König Ludwig der Heilige mahnte seine Umgebung wiederholt – wie sein Vertrauter, der Ritter Joinville, berichtet -, besonders in der Stunde des Todes vor Versuchungen gegen den Glauben auf der Hut zu sein, da sich der Satan ganz besonders Mühe gebe, dass der Christ mit irgendeinem Glaubenszweifel aus dem Leben scheide. „Der böse Feind“, sagte er, „weiß genau, dass er dem Menschen die guten Werke nicht entreißen kann. Er sieht auch, dass er keinen Anteil an dem Sterbenden hat, wenn dieser seinen Glauben treu bis zum Ende bewahrt. Darum sei man auf alles gefasst und sage dem Versucher: Hinweg mit dir! Du wirst mich nie und nimmer dazu bringen, dass ich nicht fest und standhaft alles glaube, was der Glaube lehrt. Und würdest du mir alle Glieder einzeln abschneiden, so würde ich trotzdem in dieser Lehre leben und sterben! Wer so handelt, besiegt den Feind mit eben den Waffen, womit er ihn verderben wollte.“

 

(Aus: Homiletisches Handbuch, Anton Koch, 1951, Band 12, Seite 11)