Vom Geiz

 

Manch Elend und Schmerz unter den Menschen wird verursacht durch den Geiz schändlicher und ungerechter Egoisten. Wir erkennen dabei die Abscheulichkeit dieses Lasters in seinem Wesen und seinen Wirkungen.

 

1. Der Geizige ist zu jeder Sünde fähig, er ist hartherzig gegenüber den Armen und Unglücklichen, lügenhaft, meineidig, diebisch, betrügerisch, voll Sorge für das Zeitliche, voll Verrat und Mord. „Keine Spur von Rechtsgefühl ist in einem Herzen, in dem der Geiz sich eingenistet hat“, sagt der heilige Leo. Der heilige Paulus versichert: „Die reich werden wollen, fallen in Versuchung und in die Fallstricke des Teufels und in viele unnütze und schädliche Begierden, die di Menschen in Untergang und Verderben stürzen.“ (1 Tim 6,9) Giezi betrog, um schöne Kleider und Geld zu bekommen, den Feldobersten Naaman und belog den Propheten. – Der König Achab und seine gottlose Frau Jezabel ließen en unschuldigen Naboth, dessen Weinberg sie begehrten, fälschlich anklagen, zum Tod verurteilen und steinigen. Judas verriet um Geld seinen Herrn und Meister. Die Wächter am Grab ließen sich durch Geld bestechen, die Unwahrheit zu sagen.

 

2. Der Geizhals führt ein unglückliches Leben. Tag und Nacht quält ihn die Geldgier, er gönnt weder sich noch anderen etwas und wird nutzlos für die Welt und für den Himmel. Wenn alle anderen Leidenschaften mit dem Menschen altern und schwach werden, nimmt der Geiz mit dem Alter zu und wird stärker. Der Geizhals ist verhasst seinen Verwandten, lästig seinen Dienstboten, unnütz seinen Freunden, unzugänglich den hilfsbedürftigen Fremden, schädlich seinen Nachbarn, ein Tyrann für seine Frau, ein schlechter Erzieher seiner Kinder und ein steter Quälgeist seiner selbst. Der Volksmund zeichnet das Unglück des Geizigen mit sehr bezeichnenden Sprichwörtern: „Einem Armen Mann mangelt vieles, einem geizigen alles. Der Geizige gleicht einem Ross, das Wein trägt und Wasser säuft. Der Geiz sucht seinen Himmel im Kot. Der Geiz ist sein eigener Stiefvater.“ Der heilige Bonaventura sagt: „Der Geizige gleicht einem Schwein, das, so lange es lebt, zu nichts taugt, sondern erst, wenn es stirbt, dann nehmen die Teufel dem Geizigen die Seele, die Würmer den Leib, und die lachenden Erben die Reichtümer.“

 

3. Die Geizigen sterben zumeist eines unseligen Todes, denn ihre Leidenschaft pflegt sie selbst in den letzten Stunden nicht zu verlassen. Ein Priester bemerkte bei einem Todkranken, wie er einen großen, vollen Geldbeutel fest in der rechten Hand hielt und einen Geldsack sich an den linken Arm gebunden hatte, wobei er von Zeit zu Zeit nachfühlte, ob etwa nichts wegkomme. Der Priester ermahnte ihn, die Liebe zum Geld abzulegen, erhielt aber zur Antwort: „Ich kann nicht anders.“ Und so starb der Geizhals dahin. Wer erinnert sich nicht ähnlicher Fälle im täglichen Leben?

 

Wir müssen dem heiligen Basilius Recht geben, wenn er sagt: „Die Geldbegierde füllt den Wald mit Räubern, die Häuser mit Dieben, die Familie mit Unfrieden, die Jahrmärkte mit Betrug, die Gerichtsstuben mit falschen Eiden, die Hütte der Unschuld mit Not und Elend, die Augen der Waisen mit Tränen, das Herz der Witwe mit Seufzern, die Gefängnisse mit Verbrechern und die Hölle mit Verdammten.“ Verabscheue den Geiz, der eine so hervorragende Stelle unter den sieben Hauptsünden einnimmt und selten geheilt wird!

 

Du barmherziger Bruder Konrad, bitte für uns!