Der Geisterglaube (Spiritismus)

 

1. Heidnischer Geisterglaube und seine Opfer.

 

Ein Missionar schreibt aus dem Land der Ibos: „Da ist eine Mutter, der der Tod schon mehrere Kinder geraubt hat. Ihr letzter Sprössling wird ebenfalls krank. Die unglückliche Mutter bricht in laute Klagerufe aus. Die Geister ihrer verstorbenen Kinder verfolgen sie und wollen ihr auch den letzten Spross rauben. Es herrscht der Wahn, der Geist des verstorbenen Bruders verfolge die anderen noch lebenden Brüder. Um die Rache zu verhüten, brechen sie dem kranken Kind alle Glieder und werfen es ins Feuer. Ist es durch Feuer gestorben, so wird die Mutter die anderen Kinder behalten. Zwillingskinder werden in ein Gefäß gesetzt, das man mit Steinen und Gras verstopft, um sie so zu ersticken. Man trägt die kleinen hinaus in den Wald oder zu einem Ort, an dem ein Götze wohnt, da werden sie die Beute der Tiere.“

 

2. Die Tragikomödie des Spiritismus.

 

Ein geradezu erschütterndes Beispiel einer „Geisterbeschwörung“, das er selbst erlebt hat, erzählt Emil Sandt in seinem Buch „Spiritismus“. Alfred, der Sohn einer frommen Frau, war in den Bergen tödlich abgestürzt. Anstatt Trost in der Religion zu suchen, wollte die Mutter durch eine spiritistische Sitzung Näheres über das Los ihres Kindes im Jenseits erfahren. Das Medium war in Trance versetzt, ein Zucken ging durch seinen Körper. Der Hypnotiseur sagte: „Er ist da. Was soll ich fragen?“ Die Mutter zitterte an allen Gliedern, beugte sich vor und sprach: „Alfred, du mein Junge! Bist du denn wirklich hier?“ Das Medium schwieg. Da erbot sich der Hypnotiseur, anstelle der Mutter zu fragen. „Du weißt ja,“ sprach er, „deine Mutter ist hier. Sage uns doch, woher du jetzt kommst und wie es dir geht.“ Da zeigte sich auf dem Gesicht des Mediums eine gewisse Vergnügtheit, und alsbald hörten alle Teilnehmer klar und deutlich von einer festen Männerstimme gesprochen die Worte: „Der Papagei schreit Kuckuck.“ Das Medium aber war ein Mädchen von 17 Jahren. Während die Anwesenden über die Bedeutung dieser zynischen Worte nachdachten, saß die arme Mutter wie von Sinnen da. „Hatte er in seinem Leben etwas mit einem Papagei zu tun?“ fragte der Impresario die niedergeschlagene Mutter. „Nein, nie“, brachte sie kurz hervor. „Oder vielleicht mit einem Kuckuck?“ „Nein, auch nicht!“ „Aber es war doch wenigstens seine Stimme?“ Da plötzlich schreckte alles zusammen, fährt Emil Sandt wörtlich fort. Einige sprangen auf, andere griffen unwillkürlich nach ihren Ohren und kniffen wie im Schmerz die Augen zu. Vom Medium klang ganz unvermittelt und wie ein zischender Stoß ein ganz fürchterliches Lachen in den Raum, so außerordentlich misstönend, dass ich es für schwer halte, einen solchen Ton aus einer menschlichen Kehle überhaupt wiederzugeben. Der Hypnotiseur fuhr herum. Das Medium reckte sich etwas, und der Hypnotiseur sagte gleich darauf: „Er ist schon wieder fort.“ Die arme Mutter hat sich von diesem traurigen Erlebnis nicht wieder erholt. Noch vor ihrem Tod sprach sie mit einem Bekannten darüber. Mochte auch, so meinte sie, die Stimme der ihres Sohnes ähnlich gewesen sein, aber niemals hätte ihr Kind sie ausgelacht und zum Narren gehalten.

 

3. Ein Opfer des Tischklopfens.

 

Aus Gelsenkirchen meldeten die Tagesblätter vor Jahren folgenden Fall: Ein 19jähriges Mädchen gehörte einer Sekte an, die sich mit Tischklopfen beschäftigte. Bei einer solchen Sitzung soll dem Mädchen angekündigt worden sein, dass sie im Laufe des Dezembers sterben würde, ihre Schwester im Januar. Von der Wahnvorstellung gepeinigt, hat sich das Mädchen, da bis zum 31. Dezember der angekündigte Tod sich noch nicht eingestellt hatte, in seiner Dachstube am letzten Tag des Jahres mit Petroleum übergossen und sich dann selbst angezündet. An den erlittenen Brandwunden starb die Unglückliche bald darauf eines furchtbaren Todes.

 

4. Durch Okkultismus zum Wahnsinn.

 

Zu welchen Verirrungen der spiritistische Wahn führen kann, zeigt ein Fall, der in der Kriminalgeschichte wohl einzig dasteht. Ein Mann, der sich viel mit spiritistischen Dingen abgegeben hatte und einem Verein für okkulte Forschung angehörte, war von seinen Ideen derart beherrscht, dass er seine verstorbene 22jährige Tochter zwei Jahre in seiner Wohnung als Leiche aufbewahrte in dem festen Glauben, dass sie eines Tages zu neuem Leben erwachen würde. Die Untersuchung fand ein halbverwestes Knochengerippe. Durch den Wust abergläubischer Ideen waren der unglückliche Mann und seine nächsten Angehörigen völlig verwirrt worden und lebten in einer Gedankenwelt, die sie dem Wahnsinn nahebrachte.

 

5. Ein Kreuzzeichen macht dem Spuk ein Ende.

 

Bischof Anzer von Südschantung in China erzählte dem ehemaligen Domprediger Max Steigenberger in Augsburg, wie er einst bei einem heidnischen Mandarin zum Tee geladen war. Sie setzten sich an die niedrigen Tischchen, auf denen die Tassen standen. Der Mandarin sprach: „Meine Tasse steigt von selbst zu mir herauf.“ Und die Tasse hob sich tatsächlich vom Tisch aufwärts. Der Mandarin trank, ohne sie mit der Hand zu berühren. Die Tasse glitt von selbst wieder durch die Luft herunter auf den Tisch zurück. Das geschah einige Male. Bischof Anzer, der dem Mandarin gegenübersaß, konnte keinerlei Mechanik entdecken, obwohl er ganz scharf aufpasste und die Tasse ihre Bewegung öfter wiederholte. Da dachte er an eine okkulte Gaukelei. Als die Tasse wieder zum Mund des Mandarins emporstieg und bereits wieder auf der Mitte ihres Weges war, machte Bischof Anzer das Zeichen des heiligen Kreuzes über sie. Sofort fiel die Tasse auf den Tisch zurück und ging klirrend in Scherben.

 

(Aus: Homiletisches Handbuch, Anton Koch, 1951, Band 12, Seite 25)