Der Friede des Herzens

 

Glücklich die Seele, die weder durch Traurigkeiten und Verfolgungen, noch durch Mühseligkeiten und Gefahren in ihrem inneren Frieden gestört wird! Wenn es eine gläubige Seele durch mancherlei Kämpfe und Siege dahin gebracht hat, dass die Leidenschaften schweigen, die Sinne gehorchen, wenn sie sich lange in der Geistessammlung, in der Treue gegenüber der Gnade, in der Lossagung von allen menschlichen Dingen und in der Gleichförmigkeit mit dem Willen Gottes geübt hat, so wird der Friede im Triumph in diese Seele einziehen und seinen Wohnsitz dort nehmen. Alle Feinde liegen ihr zu Füßen und der Friede thront inmitten aller Tugenden.

 

1. Dieser Friede bringt unaussprechliche Güter in das Herz. Eine solche gefriedete Seele steht hoch über allen Unruhen und Aufregungen dieser Welt. Zwar vernimmt auch sie das Rauschen der Stürme, aber diese berühren sie nicht. Der Friede der Seele gibt himmlisches Licht, um der Versuchung zuvorzukommen, oder göttliche Kraft, um sie zu überwinden. Umsonst greift der Geist der Finsternis eine Seele an, die ihre Zuflucht zum Herzen des himmlischen Friedensfürsten genommen hat. – Sie ist erhaben über alle Bedrängnisse dieses Lebens. Was kümmert es den Weisen, wenn sein Glücksstern untergeht, seine Gesundheit darniederliegt, seine Pläne vereitelt werden, seine Hoffnungen schwinden, wenn nur der Friede seiner Seele über allen Trümmern der vergänglichen Dinge unangefochten bleibt? – Sie ist erhaben selbst über die Schrecken des Todes. Ruhig sieht sie dem Ende des beschwerlichen Lebens entgegen, um ein Leben der Ruhe und des dauernden Glücks zu beginnen. Der Friede des Herzens gewinnt alle Gnaden des Himmels, unterhält eine dauernde Freundschaft mit Gott, und bereitet die Seele zu allen Übungen der Frömmigkeit. Wer möchte alle die herrlichen Früchte aufzählen, die auf dem Boden einer solchen Seele sprossen und gedeihen? In dem Frieden des Herzens finden wir den Gleichmut unserer Seele, die Ruhe des Gewissens, das Vertrauen auf Gott, die Ergebung in seinen Willen, eine freudige Zuversicht auf die himmlische Seligkeit und eine lebhafte Sehnsucht nach der glorreichen Unsterblichkeit. Ja, der Friede ist das größte Gut, das wir jemals empfangen können, er ist die größte Gnade, die Gott uns hienieden erteilen kann, er ist der wahre Schatz, der in des Herzens Tiefe verborgen liegt, er ist das köstlichste Manna, das man in der Wüste dieses Lebens sammelt.

 

2. Wie sollen wir den Frieden des Herzens bewahren? Hüte dich vor Stolz, Leidenschaft, vor Treulosigkeit und freiwilligen Fehltritten, denn sie sind die erklärten Feinde des Friedens. Wahre die göttliche Gnade, höre auf die Stimme des göttlichen Geistes, sei redlich in der Gesinnung, rein in deinen Absichten, misstrauisch gegen dich selbst, ergeben in Gottes Willen, aufrichtig in deinem himmlischen Streben! Hoffe den vollkommenen Frieden erst dort oben! Selbst die Seele des Gerechten kann und wird oft Leiden, Verwirrung und Schmerz empfinden, denn das ist das Los des Sterblichen an diesem Ort der Verbannung, und Gott prüft zur Läuterung und Vervollkommnung. Hienieden ist die Zeit des Kampfes, der Prüfung und Läuterung, dort oben können wir erst den vollkommenen Frieden erwarten. Es mag uns genügen, in dem Frieden des Herzens den Vorgeschmack des unwandelbaren Friedens im Land der Lebendigen zu genießen. Wahren wir den Frieden des Herzens durch treue Freundschaft mit Gott, so werden wir auch dereinst im Schoß des ewigen Friedens ruhen. Amen.