Fegfeuer

 

Allerheiligen

 

Seele, wallfahre in den Himmel! Heute ist Allerheiligentag! Erfreue dein Herz und deine Beschauung mit der festen Zuversicht, dass auch du in diesen Himmel eingehen wirst, indem du heute die Heiligen leuchten und triumphieren siehst. Jeder trägt die durch das Kreuz und Leiden seines Lebens erworbene Krone, die Krone, die der himmlische Vater von Ewigkeit her für ihn vorausbestimmte, weil er von Ewigkeit sah und wusste, dass er sie erringen werde. Wie, o Seele? Freust du dich nicht? Erschauerst du nicht in seliger Freude bei der Gewissheit, dass auch deine Krone schon dort hinterlegt, für dich bestimmt ist, deiner wartet? Juble, juble, dann aber wallfahre schnell im Geist hinab ins Fegfeuer und siehe dort, wie viele Kronberechtigte, Krongewisse dort leiden und schmachten, warten und sich sehnen. Weshalb? Nicht in schwerer Sünde sind sie gestorben, nicht verscherzt haben sie ihr Himmelsrecht. Aber lässliche Makeln haften ihnen an, wie sie Gekrönte nicht verunstalten, wie sie Selige nicht besudeln dürfen. Wie rasch und leicht hätten sie auf Erden sich mit dem versöhnenden, reinigenden Mittel der Buße himmelbereit machen können. Wie schwer und langsam geht es jetzt, wo nur andere sie heilen und säubern können, wo sie wie Kranke lahm und gesundheitssehnsüchtig ihren Schmerzen preisgegeben sind. Seele, eile, eile, hilf! Betrachte nicht länger, bete, faste, schenke, arbeite, - verhilf ihnen zur Krone.

 

Zum ewigen Halleluja

Da sollen alle Frommen,

Die sich der Heiland ausersah,

Bei Ihm zusammenkommen!

 

Da tragen sie das weiße Kleid

Von Ihm geschenkter Heiligkeit,

Da rauschen schöne Friedenspalmen,

Da reifen güld`ne Erntehalmen;

 

Und wonnesam erklingen Lieder

Vom Wiedersehn getrennter Glieder,

Die Jesus hier als Haupt verband

Und dort vereinet Seine Hand!

 

Zum ewigen Halleluja

Da sollen alle Frommen,

Die sich der Heiland ausersah,

Bei Ihm zusammenkommen!

 

Allerseelen

 

Die Armen Seelen besitzen die volle Erkenntnis dessen, was die Sünde ist. Sie sehen alle die Sünden ihres Lebens in ihrer ganzen Abscheulichkeit. Daher erfüllt sie die vollkommenste Reue. Sie beklagen ihre Taten, ihre Worte und Gedanken, ihre Unterlassungen. Sie beweinen jeden Augenblick der irdischen Zeit, den sie nicht der Liebe Gottes gewidmet, jeden Atemzug und jeden Schritt ihres irdischen Daseins, den sie nicht dem Dienst Gottes geschenkt haben. Denn eine heilige Liebe brennt in ihnen. Die Selbstliebe ist tot. Sie schauen und fühlen nur Gott, sie beten an und betrachten seine heiligsten Eigenschaften und aus ihnen schöpfen sie mitten in der Qual die Wonne der Leiden. Sie wollen was Gott will, sie wollen heilig werden, sie wollen die Reinigung erdulden, um in den Besitz ihrer Liebe zu erlangen, um der Anschauung Gottes teilhaftig zu werden. O Sehnsucht nach Gott, wer vermag die Glut deines Schmerzes zu schildern, die Züchtigung zu ermessen, die in dir verborgen liegt. Gott lieben, Gott erkennen und von Gott fern sein, nach Gott hungern und dürsten und ungesättigt bleiben. Seele, Seele, kannst du es fassen, die du auf Erden als Sünderin deinen Gott als Speise und Trank empfängst, ihm dich erschließt, ihn festhältst und, ach! so oft wieder verlierst. Stürze dich jetzt, so lange du noch im Leib lebst, in die vierfache Qual der Armen Seelen:

Erkenne deine Sünden, - Bereue deine Sünden!

Liebe den, den du beleidigt hast, - Sehne dich nach ihm!

Ihr lieben Armen Seelen, bittet für mich!

 

Totenvers:

 

Ja, selig sind die Toten nun,

Die da im Herrn verschieden,

Von aller Arbeit aus sie ruh`n

In ewig süßem Frieden!

Die Werke, die sie hier getan

Dem Herrn zu Preis und Ehren,

Sie folgen ihnen himmelan,

Um dort ihr Glück zu mehren!

 

Weil du, o Herr, erstanden bist,

Wahrhaftig auferstanden,

Selbst bei der tiefsten Trauer ist

Noch süßer Trost vorhanden!

Von längst vergess`nen Gräbern seh`n

Wir auf zum ewgen Lichte,

Denn alle werden aufersteh`n

Beim großen Weltgerichte.