Ewige Herrlichkeit

 

1. Der Glaube des Märtyrers.

 

Als dem heiligen Märtyrer Arkadius während seines qualvollen Märtyriums die Arme und Beine stückweise abgehauen wurden, blickte er mit eiserner Selbstbeherrschung ruhig auf sie und sprach: „Ihr glücklichen Glieder, die ihr gewürdigt werdet, Gott zu dienen. So sehr habe ich euch nicht geliebt, da ihr noch mit meinem Leib verbunden wart, wie jetzt, da ihr von mir getrennt seid. Wir müssen in Gottes Namen kurze Zeit voneinander getrennt werden, damit ihr mir einst als unsterbliche Glieder zurückgegeben werden könnt!“

 

2. Die Hoffnung der Christen.

 

Auf dem St.-Johannes-Friedhof zu Nürnberg lesen wir auf einem Grabstein aus dem Jahr 1628: „Unter diesen Stein, in dieses Grab

einen schwachen Leib ich geleget hab`

bekomm am Jüngsten Tag dafür

einen klaren Leib mit Wonnezier.“

 

3. Morgenrot der kommenden Herrlichkeit.

 

Als Kierkegaard, der große Einsame, im Sterben lag, war sein Neffe, ein Knabe noch, bei ihm und nahm Abschied. Der Sterbende sagte nur: „Ich danke dir, dass du gekommen bist.“ Aber diese Worte, so erzählte der Neffe in späteren Jahren, wurden von einem Blick begleitet, wie er ihn nie gesehen hatte. Er strahlte in einem erhabenen, seligen, verklärten Glanz, so dass es schien, als werde das ganze Zimmer hell. Alles war in dem Lichtquell dieser Augen gesammelt: innige Liebe, selig aufgelöste Wehmut, durchschauende Klarheit und ein scherzendes Lächeln. Es war dem Knaben wie eine himmlische Offenbarung, ein Herausströmen von der einen Seele zu der anderen, ein Segen, der neuen Mut, neue Kraft und Verpflichtung einflößte.

 

4. Das unaussprechliche Wunder.

 

Der heiligen Katharina von Siena zeigte der Herr einmal in einer Entzückung nur einen Strahl der himmlischen Glorie. Als die Heilige wieder zu sich kam, rief sie aus: „Ich habe Wunder gesehen! Ich habe Wunder gesehen!“ Ihr Beichtvater drängte sie, die Wunder näher zu beschreiben. Sie aber sagte: „Menschliche Worte sind nicht imstande, die Schönheit der himmlischen Schätze auch nur einigermaßen zu schildern.“

 

5. Der Weg zur Herrlichkeit.

 

Als der Frankenkönig Chlodwich zu Reims vom heiligen Remigius getauft wurde, geriet er ob all der Pracht, die er rings im festlich geschmückten Gotteshaus sah, in freudiges Staunen. Er fragte den Heiligen: „Vater, ist dies das Reich, das du mir versprochen hast?“ „Fürst,“ sprach der Heilige, „das ist nur ein Schatten davon.“ Dann wies er auf den Taufstein hin und sagte zum König: „Siehe hier die Tür, die dich dahin führt.“

 

6. Der große Umschwung.

 

Ein Geistlicher tröstete eine alte Frau im Armenhaus. Während er über die Herrlichkeiten des kommenden Lebens sprach, kam ein heller Glanz über des Mütterleins abgehärmte Züge. Er fragte sie, was sie so glücklich mache. Da gab sie ihm zur Antwort: „O, ich dachte daran, wie anders es sein wird, wenn Christus mich aus diesem Armenhaus in sein Vaterhaus führen wird!“

 

(Aus: Homiletisches Handbuch, Anton Koch, 1950, Band 11, Seite 454)