Erinnerungen an den Aufenthalt der heiligen Familie in Ägypten

 

Erinnerungen an den Aufenthalt der heiligen Familie in Ägypten

 

Unzählige Reisende suchen alljährlich den wolkenlosen Sonnenschein, den stets ungetrübt heiteren Himmel Ägyptens auf, darunter auch viele Jerusalempilger, die auf dem Heimweg Nil und Pyramiden kennen lernen wollen. Was immer sie hergeführt haben mag, die wenigsten verlassen Kairo, ohne einen Ausflug nach Heliopolis, heute Matarieh, unternommen zu haben.

Denn Geschichte und Legende verleihen dem unscheinbaren Ort besondere Anziehungskraft: dem Altertumsforscher bietet sich ein interessanter Ausflug zum Tempel des alten Sonnengottes, andere können frommen Sinnes die Stätten besuchen, an denen die hl. Familie zur Zeit der Verbannung geweilt haben soll.

Einer alten Überlieferung zufolge hätten nämlich die heiligen Flüchtlinge in dem kleinen Dorf Aufenthalt genommen, das hart an dem schon damals verlassenen und fast zerstörten Heliopolis lag. Eine Quelle und ein Baum führen heute noch den Namen "Baum und Quelle der allerheiligsten Jungfrau".

 

Am weitesten lassen sich die Spuren der Marienquelle verfolgen. Die Pilger alter Zeit erwähnten sie häufig in ihren Aufzeichnungen. Die älteste Spur findet sich in den kirchlichen Büchern der Kopten, welche erzählen, dass der Heiland in Matarieh eine wunderbare Quelle entspringen ließ. Das gleiche sagt ein Schriftsteller der ersten christlichen Jahrhunderte in einer Erzählung über das Jugendleben des Herrn. Die ältesten Zeugen weisen auch hin auf die der Quelle stets von den Mohammedanern infolge der ihr innewohnenden Wunderkraft bezeugte Verehrung; dieselbe hatte zur Folge, dass man im 14. Jahrhundert einen nahen Ort, der zur Zeit des Propheten Jeremias "Beth-Schems", "Haus der Sonne", hieß, nun mehr "Ain-Schems", Quelle der Sonne", nannte.

 

Eine so weit zurückgehende Überlieferung macht es wahrscheinlich, dass die göttliche Allmacht in dieser Quelle auf besondere Weise tätig war. Übrigens müsste schon das bloße Vorhandensein einer wirklichen Quelle mitten im angeschwemmten Boden, weit von den Bergen als eine außergewöhnliche Tatsache bezeichnet werden, zumal wenn man bedenkt, dass es in dieser Gegend kaum acht- oder zehnmal im Jahr regnet.

 

Heutigen Tages lässt sich die Existenz der Quelle in keiner Weise mehr feststellen, denn das Wasser des Brunnens von Matarieh unterscheidet sich wenig von dem, welches die Wasserwerke im Umkreis von 2 Kilometern liefern, und sein Wasserspiegel steigt und fällt je nach dem Stand des Nil. Jedenfalls vermengt sich sein Wasser gänzlich mit demjenigen, das vom nahen Fluss her durch die Erde sickert. Wie man beim Obelisken von Heliopolis beobachten kann, haben sich nämlich das Bett des Nil sowie der Erdboden derartig gehoben, dass der Grund des Stromes jetzt ungefähr auf der Höhe der Erdoberfläche zur Zeit Jesu Christi steht.

 

Die Überlieferung meldet außerdem, dass die Quelle des Gartens von Matarieh infolge eines Bades des Jesuskindes in ihren Fluten wohlschmeckend und süß geworden sei. In der Tat ist das Wasser des Brunnens auch gegenwärtig erheblich weniger salzhaltig als das aller anderen Brunnen der Umgebung; in früheren Zeiten wurde es mit Vorliebe für die Tafel des Paschas geholt. Jetzt wird es durch zwei rohe Hebungswerke, welche von großen Ochsen getrieben werden, in ein gemauertes Behältnis geschöpft und von hier in den Garten geleitet. Einfache Tonkrüge an Stricken von Palmenfasern und unförmige hölzerne Räder besorgen dieses Geschäft. Pilger aus dem 15. Jahrhundert erwähnen ein großes Wasserbecken, von dem sich aber keine Überbleibsel mehr vorfinden.

 

Der Baum der Muttergottes steht ungefähr 40 m östlich von der Quelle, am Ende des den Pilgern zugänglichen Teiles des Gartens.

 

Das oben erwähnte Jugendevangelium des Heilandes berichtet, dass die hl. Familie "die Stadt der Götzen" (Heliopolis) verließ und sich bei der Sykomore (wilder Maulbeer-Feigenbaum) von Matarieh niederließ.

Daran knüpfen sich mancherlei Legenden, welche uns durch Pilgeraufzeichnungen überliefert worden sind. So heißt es z.B., der Stamm habe sich wunderbarer Weise geöffnet, um der hl. Familie Zuflucht vor Übeltätern, die sie verfolgten, zu gewähren, oder sie hätten nirgends Unterkunft gefunden, bis der Baum sich auftat und sie in seinem Inneren Wohnung nahmen.

 

Was immer an diesen Legenden sein mag, eines steht fest, dass nämlich schon im 2. Jahrhundert dem Baum Verehrung entgegengebracht wurde, weil Jesus und Maria in seinem Schatten geweilt. Er ist ohne Zweifel ein uraltes Exemplar und wäre noch recht stattlich, würden die Pilger nicht beständig Holz vom morschen Stamm herunterschnitzeln und Blätter von den herabhängenden Zweigen zupfen. Die arabischen Wächter des Gartens sind leider weit davon entfernt, diesen Unfug zu steuern, ja, ein entsprechendes Trinkgeld macht sie zu willigen Helfershelfern.

Hat die hl. Familie wirklich im Schatten eben dieses Baumes gerastet? Wir glauben es nicht, sondern halten es mit denen, welche die Anpflanzung des gegenwärtigen Stammes in das Jahr 1672 verlegen und meinen, sein Vorgänger sei mehrere Jahre später vollständig eingegangen. Doch sind wohl beide Schößlinge des ursprünglichen Wurzelstockes. Jedenfalls verehren wir vor allem den Ort selbst und nicht gerade den Baum. Dieser ist also nur ein Denkmal, ein Merkstein teurer Erinnerung. Nach der Schlacht von Heliopolis, am 20. März 1800, als 10.000 Franzosen 80.000 Türken geschlagen hatten, soll General Kleber hierher gekommen sein und mit der Säbelspitze seinen Namen in die Rinde des geheiligten Baumes geschnitten haben. Unter den Tausenden, welche den Stamm bedecken, wird sich die Inschrift wohl schwerlich auffinden lassen.

 

Doch verfolgen wir die Überlieferung hinsichtlich der Verbannung der hl. Familie in Ägypten noch etwas weiter zurück.

 

Mehrere geschichtliche Tatsachen, die sich in Heliopolis zugetragen haben, können als eine Art Vorspiel des Aufenthaltes Jesu im Land der Pharaonen aufgefasst werden.

Der Patriarch Josef, ein alttestamentliches Vorbild des Erlösers und auch seines heiligen Nährvaters, hat sich höchstwahrscheinlich in dieser Stadt aufgehalten, denn er vermählte sich mit der Tochter des Hohenpriesters daselbst. Ferner soll Mose, der leuchtende Vorläufer des Heilandes, den die hl. Schrift "in aller Weisheit Ägyptens unterrichtet" nennt (Apg. 7,22), nach einer verbreiteten Annahme in Heliopolis in die hohe Wissenschaft eingeweiht worden sein.

 

Auch die Propheten künden die Ankunft des Herrn vorher. So lesen wir bei Jesaja: "Siehe, der Herr setzt sich auf eine leichte Wolke und kommt nach Ägypten, da beben die Götzen Ägyptens von seinem Antlitz" (19,1). Diese Worte beziehen viele heilige Väter auf den alten Bericht, dass die Götzenbilder von Heliopolis beim Nahen Jesu von ihren Standorten herabgefallen seien. Einen anderen Beweis für das Verweilen des Herrn in der Nähe dieser Stadt fand der gelehrte Schriftausleger P. Patrizi aus der Gesellschaft Jesu, gestützt auf den hl. Hieronymus und den hl. Thomas von Aquin, in den Worten des Propheten Hosea (11,1): "Ich habe meinen Sohn aus Ägypten berufen." Die Weissagung könne, so meint er, wörtlich oder bildlich aufgefasst werden. Dem Wortsinn nach bezeichnen sie das auserwählte Volk, das zur Zeit des Mose aus Ägypten herausgeführt wurde, vorbildlich aber die Rückkehr Jesu ins Judenland nach dem Tod des Herodes. Der Evangelist Matthäus sagt ja ausdrücklich (2,15): "Und Josef blieb in Ägypten bis zum Tod des Herodes, damit erfüllt würde, was von dem Herrn durch den Propheten gesagt worden ist, der da spricht: Aus Ägypten habe ich meinen Sohn berufen."

 

Das Land Ägypten, aus dem der Herr das israelische Volk rief, war die Gegend von Gessen, welche allein zur Zeit der Pharaonen von den Juden bewohnt wurde. Ja, "Ägypten" bezeichnet an allen Stellen der Bibel, welche auf die Gefangenschaft Israels Bezug haben, einzig das Land Gessen. Dasselbe ist also auch der Fall bei der Anwendung der Stelle des Hoseas auf den Heiland. Das Ägypten des Evangeliums steht für Gessen, welches 3 Hauptstädte hatte: Pithom, Ramesses und On oder Heliopolis. Überlieferung und Denkmäler machen es aber wahrscheinlich, dass wir in dem letzteren, genauer gesagt im nahen Matarieh, den ständigen Aufenthaltsort der hl. Familie während der Verbannung zu suchen haben.

Von den beiden ersten Wohnstätten des fleischgewordenen Wortes, dem Häuschen von Nazaret und der Grotte von Betlehem, kann sich die betrachtende Seele leicht ein wahrheitsgetreues Bild machen; aber wie mag das Heim des göttlichen Kindes in Ägypten ausgesehen haben? Mit voller Gewissheit es zu sagen, ist wohl schwer, da wir keinen Stein mehr davon besitzen. Es ist dies auch nicht zu verwundern. Denn im alten Ägypten galten Lehmhäuser als dauerhaft genug für dieses vergängliche Erdendasein; nur die "Unsterblichen", d.h. die Götter und die Verstorbenen, erhielten steinerne Bauten. Daher sind alle Denkmäler der staunenswerten ägyptischen Baukunst entweder Tempel oder Gräber, während selbst von den Palästen der ehemaligen Herrscher des Landes, der Pharaonen, so gut wie nichts erhalten geblieben ist.

 

Zur Zeit des Heilands waren also die ägyptischen Wohnhäuser durchgehend aus Ziegeln ausgeführt, die nicht gebrannt, sondern einfach an der Sonne getrocknet wurden. Regen, Hitze und Stürme vollbrachten da leicht ihr Zerstörungswerk. Trotzdem wollen wir versuchen, eine Vorstellung des Häuschens von Matarieh zu geben.

 

Wenn heutzutage eine arme ägyptische Familie ihre Heimstätte verlässt, um sich anderswo niederzulassen, so lagert sie zunächst auf einem herrenlosen Grund in der Nähe eines Dorfes, meist in der Wüste, falls der Ort, wie Matarieh, hart an derselben liegt. Dann schreitet man zur Errichtung der Wohnstätte, die gar bald fix und fertig dasteht. Die Mauern führt man aus Erde auf, Tür und Dach aus Gestrüpp, welches Schilf und einige Holzstücke festhalten. Diese Art und Weise zu bauen, ist offenbar sehr billig; will man eines Tages weiterziehen, so verliert man wenig oder nichts. Wir meinen nun, der hl. Josef wird es ähnlich gemacht haben. Nachdem er nach Matarieh gekommen war und am Rand der Wüste im Schatten eines wilden Maulbeer-Feigenbaumes eine Lagerstätte gefunden, wird er daran gegangen sein, ein ärmliches Häuschen zu bauen. Vielleicht half ihm dabei ein barmherziger Glaubensgenosse aus Matarieh, der mit den Landessitten vertraut war. Das Gotteskindlein ließ indessen eine Quelle entspringen, wohl um seiner hl. Mutter die Mühe zu sparen, das nötige Wasser von Tür zu Tür betteln zu müssen.

 

Dieses heilige Plätzchen haben die Gläubigen in späteren Zeiten gehegt und mit Bäumen und Mauern zu einem Garten umgewandelt.

 

Über die Errichtung der Wohnung Jesu haben die Alten nichts aufgezeichnet. Kürzlich fand man jedoch in mehreren Tempeln und Gräbern einige kleine Tonmodelle von gewöhnlichen Wohnhäusern, vermutlich Opfergaben an die Götter. Diese Entdeckung lässt uns mit ziemlicher Sicherheit Schlüsse auf die Bauart des Hauses Jesu ziehen; denn obschon die Häuser offenbar vornehmen Leuten gehörten und im einzelnen kleine Verschiedenheiten aufweisen, so haben sie doch eine gemeinsame Anlage, die mehr oder weniger allen Häusern der Gegend eigen gewesen sein wird.

Das einfachste dieser Häuschen, dem das des Heilandes gewiss am ähnlichsten war, erscheint nach außen als ein Viereck aus Lehmwänden. In der Mitte der niedrigsten Mauer ist die Türöffnung. Durch sie dringt man zunächst in einen kleinen Hof; an die rückwärtige Mauer lehnt sich ein offener Schuppen aus Pfoste, mit Reisig gedeckt an. Dieses flache Reisigdach dient als Terrasse, welche von drei Seiten durch die etwas erhöhten Umfassungsmauern eine Brüstung erhält. Den Zugang zu ihr bildet eine schmale Stiege aus Reisig und getrockenetem Lehm, die an die linke Umfassungsmauer wie angeklebt erscheint. Der Raum unter der Treppe bildet einen geschlossenen Winkel, ebenso lässt sich ein Teil des Schuppens abschließen.

 

Um das Gesagte nochmals kurz zu wiederholen, haben wir gesehen, dass eine bis in die ersten christlichen Zeiten hinaufreichende Überlieferung Matarieh als Aufenthaltsort der hl. Familie bezeichnet und dass selbst mehrere Stellen der hl. Schrift dies anzudeuten scheinen. Wir können hinzufügen, dass kein einziges Denkmal gegen diese Behauptung ist. Die sechs Jahrhunderte vor den Kreuzzügen sind freilich für solche Forschungen fast unzugänglich; denn Religionskämpfe und Verfolgungen hüllen die Kirchengeschichte Ägyptens jener Zeit in ein fast undurchdringliches Dunkel. Wer immer die christliche Vergangenheit der Kopten, ihrer Kirchen und Klöster studiert, weiß dies zur Genüge.

 

Es ist aber sicher, dass die Kreuzfahrer bei Christen und Mohammedanern dieselbe Ansicht von Matarieh fanden, welche in den ersten christlichen Jahrhunderten herrschte, ja, sogar die Stelle des Wohnortes wusste man genau anzugeben: bei der Quelle und der Sykomore im Balsamgarten, wie man den Platz später nannte. Zur weiteren Erhaltung der Überlieferung bis auf unsere Tage trug bedeutend bei, dass die Paschas von Ägypten sich des hl. Ortes bemächtigten und ihm besondere Pflege angedeihen ließen. Dies setzte sich unter den Besitzern, den Khediven, den osmanischen Vizekönigen, fort.

 

Seit dem Jahr 1883 erhebt sich eine hübsche Muttergotteskapelle ganz nahe der Quelle und dem Baum über einem die Grotte von Lourdes nachbildenden Felswerk. Im Garten davor bemühte man sich, solche Pflanzen zu ziehen, deren Duft, Schönheit und Größe nach dem Sprachgebrauch der hl. Kirche und der hl. Schrift ein Bild der Vollkommenheiten Mariens sind. Im Innern der Kapelle gaben der reiche Schmuck und die Votivgaben Zeugnis von der Frömmigkeit der Gläubigen und von den Gnaden, die ihnen hier zuteil wurden. Das Altargemälde stellt die hl. Familie vor, wie sie unter dem Baum von Matarieh ruht; das göttliche Kind zeigt freudig seiner Mutter die Quelle, die es soeben hat hervorsprudeln lassen. Das hochverehrte Bild wurde im Auftrag des verstorbenen Jesuitengenerals P. Beckx von dem römischen Maler Gagliardi eigens für Matarieh gemalt. Die Klostergemeinden von Kairo, die dortigen Bruderschaften, zahlreiche Pilger verschiedenster Länder, in letzter Zeit namentlich die französischen "Buß-Pilgerzüge" der Patres Assumptionisten, besuchten alljährlich die heilige Stätte. Aber oft schon nötigte die große Zahl der Andächtigen zur Abhaltung des feierlichen Gottesdienstes unter freiem Himmel.

Der Bau einer geräumigeren Kapelle in Matarieh schien daher ein dringenden Bedürfnis. Aus den Beiträgen der Wallfahrer und milden Gaben christlicher Familien, welche den besonderen Segen des Gotteskindes ihren Kleinen sichern wollten, wurden die Mittel erbracht und im Sommer 1902 das Werk begonnen. Die ebenso ergreifende als einfache Inschrift über dem Eingang lautete:

 

"Der hl. Familie, die in Ägypten in Verbannung weilte."

 

 

Apokryphes Pseudo-Matthäusevangelium

Kap.16-24:

 

Die Magier aus dem Osten

und die Flucht nach Ägypten

 

16.1. Nach zwei Jahren kamen Magier aus dem Osten nach Jerusalem und brachten ansehnliche Geschenke. Sie befragten die Juden eindringlich und sagten: "Wo befindet sich der König, der euch geboren worden ist?

Wir haben nämlich seinen Stern im Osten gesehen und sind gekommen, ihm Ehre zu erweisen."

Dieses Gerücht gelangte zum König Herodes. Und es erschreckte ihn derart,

dass er Boten zu den Schriftkundigen, den Pharisäern und den Lehrern des Volkes schickte, damit er herausbekomme, wo nach der Voraussage der Propheten Christus geboren werden sollte.

Sie sagten ihm: "In Betlehem in Judäa. So nämlich steht geschrieben:

Und du, Betlehem in Juda bist keineswegs die geringste unter den Fürstenstädten Judas. Denn aus dir wird hervorgehen der Führer, der mein Volk Israel regieren wird."

Da ließ Herodes die Magier kommen und forschte bei ihnen sorgfältig nach dem Termin, zu dem sie den Stern entdeckten.

Er schickte sie nach Betlehem und sagte: "Geht und fragt sorgfältig nach dem Knaben! Und wenn ihr ihn gefunden habt, macht mir Meldung, damit auch ich hingehe und ihm huldige!"

 

2. Als sich die Magier auf dem Weg befanden, erschien ihnen der Stern.

Er zog ihnen voraus, als wenn er ihnen als Herold diene, bis sie zu der Stelle kamen, wo sich der Knabe befand. Als sie aber den Stern erblickten, ergriff sie eine große Freude. Sie betraten das Haus und fanden das Jesuskind auf dem Schoss der Mutter sitzend.

Dann taten sie ihre Schätze auf, und mit ungeheuer wertvollen Gaben beschenkten sie Maria und Josef. Dem Kind selbst aber brachten sie jeder ein Goldstück dar. Danach überreichte einer Gold, der andere Weihrauch und der dritte Myrrhe.

Als sie zu Herodes zurückkehren wollten, wurden sie bei Nacht von einem Engel davor gewarnt, wieder zu Herodes zu gehen.Sie indessen erwiesen sie dem Kind Ehre in all ihrer Freude, und schließlich kehrten sie auf einem anderen Weg in ihr Land zurück.

 

17.1. Als Herodes sah, dass die Magier mit ihm ihr Spiel getrieben hatten,

entbrannte sein Herz vor Zorn. Er schickte Häscher auf alle Straßen, um sie zu verhaften und umzubringen. Als er sie überhaupt nicht ausfindig machen konnte, schickte er Schergen nach Betlehemund ließ alle Kinder von zwei Jahren und jünger ermorden, entsprechend der Zeit, die er von den Magiern erfragt hatte.

Einen Tag, bevor das geschehen sollte, wurde Josef im Schlaf von einem Engel des Herrn ermahnt, der ihm sagte: "Nimm Maria und das Kind, und zieh auf einer abgelegenen Straße nach Ägypten!"

Josef aber machte sich auf den Weg, wie ihm der Engel geboten hatte.

 

18.1. Als sie an eine Höhle kamen und in ihr rasten wollten, stieg Maria vom Lasttier, setzte sich nieder und nahm Jesus auf den Schoss. In der Begleitung Josefs waren drei Knaben und bei Maria ein Mädchen, die die Reise mitmachten.

Und siehe, plötzlich kamen aus der Höhle viele Drachen, vor deren Anblick die Kinder vor bangem Entsetzen laut aufschrien.

Da stieg Jesus vom Schoss seiner Mutter herab und stellte sich vor den Drachen auf seine Füße. Sie aber fielen huldigend vor ihm nieder, und nach dieser Huldigung entfernten sie sich. Da ging in Erfüllung, was der Prophet David voraussagte:

"Lobt den Herrn, ihr Drachen der Erde, Drachen und alle Abgründe!"

 

2. Das Jesuskind selbst aber ging vor den Drachen einher und gebot ihnen, dass sie keinem Menschen etwas antaten. Doch Maria und Josef befürchteten sehr, das Kind könnte von den Drachen verletzt werden.

Jesus sagte zu ihnen:

"Habt keine Furcht, und zieht nicht in Betracht, dass ich ein Kind bin!

Ich bin nämlich immer schon vollkommen gewesen und bin es;

alle wilden Tiere der Wälder müssen vor mir zahm werden."

 

19.1. Gleicherweise huldigten ihm Löwen und Panther und begleiteten ihn in der Wüste. Wohin Maria und Josef auch gingen, schritten sie ihnen voran,

zeigten den Weg und neigten wiederum die Köpfe zur Huldigung vor Jesus.

Am ersten Tag, da Maria die Löwen und die verschiedenen Arten wilder Tiere um sich herum laufen sah, hatte sie große Furcht.

Das Jesuskind schaute ihr mit frohem Blick ins Gesicht und sagte:

"Fürchte dich nicht, Mutter! Sie eilen nicht herbei, um dir Gewalt anzutun, sondern kommen, um ihre Gunst zu bezeigen."

Durch diese Worte nahm er die Furcht aus ihren Herzen.

 

2. Die Löwen aber schritten mit ihnen einher, zusammen mit Ochsen, Eseln und den Packtieren, die ihnen trugen, was sie benötigten. Und sie fügten niemand ein Leid zu, obgleich sie mit ihnen zusammenblieben. Vielmehr waren sie zahm unter den Schafen und Widdern, die sie aus Judäa mitgeführt hatten und bei sich behielten. Unter Wölfen gingen sie einher und hatten keine Furcht. Kein Tier wurde von einem anderen verletzt. Da ging in Erfüllung, was durch den Propheten gesagt worden war:

"Die Wölfe weiden mit den Lämmern. Löwe und Ochse fressen zusammen Stroh."

Sie hatten zwei Ochsen und einen Lastwagen, in dem sie das Notwendige transportierten. Die Löwen wiesen ihnen den Weg.

 

20.1. Am dritten Tag ihrer Reise geschah es, dass Maria von der allzu großen Sonnenglut in der Wüste müde wurde, und als sie einen Palmbaum sah, sprach sie zu Josef:

"Ich möchte in seinem Schatten ein wenig ausruhen."

Josef aber führte sie eilends zu der Palme und ließ sie von dem Lasttier absteigen. Als Maria sich niedergelassen hatte, schaute sie zur Krone der Palme hinauf und sah sie voller Früchte.

Sie sagte zu Josef:

"Wenn es möglich ist, möchte ich gern von den Früchten der Palme haben."

Josef sprach zu ihr:

"Es wundert mich, dass du dies sagst, weil du sehen kannst, wie hoch die Palme ist, und dass du trotzdem darüber nachdenkst, von den Palmfrüchten zu essen. Ich denke eher über unseren Wassermangel nach, da uns das Wasser in den Schläuchen zur Neige geht und wir nichts haben, womit wir uns und die Lasttiere erfrischen könnten."

 

2. Da sagte das Jesuskind, das mit fröhlicher Miene auf dem Schoss seiner Mutter saß, zu der Palme: "Neige dich, Baum, und erfrische meine Mutter mit deinen Früchten!"

Und sogleich auf diesen Ruf neigte die Palme ihre Krone bis zu den Füßen Marias, und man sammelte von ihr Früchte, an denen sich alle gütlich taten.

Als man alle Früchte von der Palme geerntet hatte, blieb sie in geneigter Stellung in der Erwartung, sich auf Befehl dessen wieder aufzurichten, auf dessen Geheiß sie sich geneigt hatte.

Da sprach Jesus zu ihr:

"Richte dich auf, Palme, und komm wieder zu Kräften! Sei Genossin meiner Bäume, die im Paradies meines Vaters stehen! Öffne aber unter deinen Wurzeln eine Wasserader die in der Erde verborgen ist, und aus ihr sollen Wasser fließen, um unseren Durst zu stillen!"

Sogleich richtete die Palme sich auf, und an ihren Wurzeln begannen ganz klare, frische und ganz süße Wasserquellen zu sprudeln.Als sie aber die Wasserquellen sahen, freuten sie sich ungemein. Sie löschten den Durst zusammen mit allen Lasttieren und Menschen und sagten Gott Dank.

 

21. Am nächsten Tag zogen sie von dort weiter, und zu der Stunde, als sie sich auf den Weg machten, wandte sich Jesus um und sagte zu der Palme:

"Dieses Vorrecht gebe ich dir, Palme, dass einer von deinen Zweigen von meinen Engeln weggetragen und im Paradies meines Vaters eingepflanzt wird. Diesen Segen will ich auf dich übertragen, dass alle, die in einem Wettstreit siegen, die Zusage erhalten: Ihr habt die Siegespalme erlangt."

Als er dies sagte, siehe, da erschien ein Engel des Herrn, blieb über dem Palmbaum stehen, nahm einen von seinen Zweigen und flog zum Himmel, den Zweig in seiner Hand haltend.

Als sie dies sahen, fielen sie auf ihr Angesicht und waren wie tot.

Jesus redete sie an und sagte: "Warum erfasst Furcht eure Herzen?Wisst ihr nicht, daß diese Palme, die ich ins Paradies tragen ließ, für alle Heiligen am Ort der Erfrischung bereitstehen wird, wie sie für uns in der Wüste bereitstand?"

Und sie erhoben sich alle, von Freude erfüllt.

 

22.1. Als sie weiterzogen, sagte Josef zu ihm:

"Herr, diese Hitze brät uns allzusehr.Wenn es dir recht. ist, wollen wir den Weg am Meer entlang nehmen. Dann konnen wir die Küstenstädte durchwandern und uns Ruhe gönnen."

Jesus sagte: "Hab keine Furcht, Josef! Ich werde den Weg für euch abkürzen;

dann könnt ihr den Weg, für den ihr dreißig Tage braucht, an diesem einen Tag zurücklegen."

Während sie so redeten, siehe, da erblickten sie schon die Berge Ägyptens und seine Städte.

 

2. Freudig und jubelnd kamen sie im Gebiet von Hermopolis an, und sie betraten eine der Städte Ägyptens mit Namen Sotinen. Und weil sich in ihr kein Bekannter fand, bei dem sie als Gäste hätten weilen können, gingen sie in einen Tempel, den man Kapitol Ägyptens nannte.In diesem Tempel waren 365 Götterbilder aufgestellt, denen an den einzelnen Tagen in götzendienerischer Weise göttliche Ehre erwiesen wurde.

 

23. Als die seligste Maria mit ihrem Kindlein den Tempel betreten hatte, geschah es, dass sämtliche Götterbilder zur Erde stürzten,so dass sie alle gänzlich umgestürzt und zerbrochen auf ihrem Angesicht lagen. Auf diese Weise erteilten sie klar die Lehre, dass sie nichts waren. Da wurde erfüllt, was der Prophet Jesaja gesagt hatte (Jes 19,1):

"Siehe, der Herr wird auf einer leichten Wolke kommen und in Ägypten Einzug halten; vor seinem Angesicht werden alle Machwerke der Agypter zittern."

 

24. Als dies Afrodisius, dem Herzog dieser Stadt, gemeldet worden war, kam er mit seinem ganzen Heer zum Tempel. Als die Oberpriester des Tempels sahen, dass Afrodisius mit seinem ganzen Heer zum Tempel eilte,

machten sie sich darauf gefasst, die Rache an denen zu sehen, die den Sturz der Götter verursacht hatten.

Jener aber betrat den Tempel, und als er alle Götterbilder auf ihrem Angesicht daniedergestreckt liegen sah, trat er zu Maria hin und huldigte dem Kind, das sie an ihrem Busen trug.

Und als er es angebetet hatte, redete er das gesamte Heer sowie seine Freunde an und sprach:

"Wenn dieser nicht der Gott unserer Gottheiten wäre, so wären unsere Götter gewiss nicht vor ihm auf ihr Angesicht gefallen, und sie würden nicht in seiner Gegenwart niedergestreckt daliegen. So bekennen sie sich stillschweigend zu ihm als ihrem Herrn. Wenn wir aber nicht in weiser Vorsorge alle das tun, was wir unsere Götter tun sehen, laufen wir Gefahr, ihn zu erzürnen und dem allgemeinen Untergang zu verfallen, wie es Pharao, dem König der Agypter, ergangen ist, der, weil er solchen Wundern nicht glaubte, mit seinem ganzen Heer im Meer unterging."

Da glaubte die ganze Bevölkerung dieser Stadt an Gott, den Herrn,

durch Jesus Chnstus.

 

Arabisches Kindheitsevangelium:

 

Die Flucht nach Ägypten

 

10.1. Während Josef überlegte, wie er seine Reise bewerkstelligen solle,

kam der Morgen über ihn; er war schon ein kleines Stück Weges gegangen

Er näherte sich bereits einer großen Stadt, in der es ein Götterbild gab,

dem die übrigen Götzen und göttlichen Wesen der Ägypter Gaben und Gelübde darbrachten. Bei diesem Götterbild war ein Priester, der ihm zu Diensten stand.

Jedesmal, wenn Satan aus dem Götterbild heraus redete, berichtete er den Bewohnern Ägyptens und seiner Gaue. Dieser Priester hatte einen dreijährigen Sohn, der von einigen Dämonen besessen war.

Er redete und erzählte viel, und wenn die Dämonen ihn überfielen, blieb er nackt zurück, weil seine Kleider zerrissen waren, und er bewarf die Leute mit Steinen.

 

2.Es befand sich aber in jener Stadt ein Krankenhaus, das jenem Götzen geweiht war. Dorthin kamen Josef und die Herrin Maria, und sie hielten sich in diesem Krankenhaus auf. Die Bürger der Stadt gerieten in Furcht,

und alle Fürsten und Götzenpriester kamen zu dem Götterbild und fragten:

"Woher kommt dieses Wanken und Beben in unserem Land?"

Das Götterbild gab zur Antwort:

"Hierher ist ein verborgener Gott gekommen, der wirklich Gott ist. Kein Gott außer ihm ist würdig, wie Gott verehrt zu werden, denn er ist wahrhaftig Gottes Sohn.

Als diese Erde ihn deutlich bemerkte, erbebte sie und wurde durch seine Ankunft geschüttelt und erschüttert, und wir sind in großer Furcht ob seiner gewaltigen Macht."

Zur selben Stunde stürzte dieses Götterbild in sich zusammen, und bei seiner Ruine strömten alle Bewohner von Ägypten und andere Menschen zusammen.