Die Demut

 

Bei all den Tugenden, bei allen aus Liebe zu Gott erduldeten Leiden und Mühen, bei all den glänzenden Erfolgen bei der Bekehrung der Menschen hielten sich die Heiligen für unwürdige Dienerinnen und Diener Gottes. Schöne Tugend der Demut, du bist

1. die Grundlage aller übrigen Tugenden,

2. die gottgefälligste Tugend,

3. die verdienstvollste Tugend.

 

1. „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich eingehen!“ (Mt 18) Erkennen wir aus dieser Versicherung des Herrn, wie notwendig die Tugend der Demut ist. Die Demut ist das Fundament der übrigen Tugenden, die Wurzel der Bekehrung. Wir müssen klein werden, wie die Kinder. Betrachten wir die Unschuld, die Aufrichtigkeit, die Einfalt, die Gelehrigkeit, den Gehorsam eines Kindes! Es ist um Hoheit und Vorrang nicht bemüht, es macht für die Zukunft keine Pläne, es glaubt, was man ihm sagt, es geht, wohin man es führt, es tut, was man ihm sagt, es nimmt gerne Belehrung an. Lauter Züge der Demut, die auch wir uns aneignen müssen, wenn wir ins Himmelreich eingehen wollen. Die Bekehrung ist ein Akt der Demut. Sich als Sünder erkennen und dem Priester bekennen, sein bisheriges Leben ändern trotz dem Spott der Welt, ist ohne Verdemütigung nicht denkbar. Wie notwendig ist daher die Demut.

 

2. Die Demut ist eine Gott höchst wohlgefällige Tugend. Der Sohn Gottes hat in seinem Leben alle Tugenden geübt, aber eine hat er besonders und zu jeder Stunde geübt, die Demut. Was war sein ganzes Leben von der Krippe bis zum Kreuz, als Erniedrigung seiner selbst? Welche Tugend hat er mehr empfohlen, als die Demut? Können wir daran zweifeln, dass Gott ein besonderes Wohlgefallen an der Demut hat? Jesus rief ein Kind herbei, liebkoste und küsste es. Wie glücklich ist derjenige, der durch die Demut ein Kind geworden ist. Wenn auch die Welt ihn geringschätzt und zurücksetzt, Jesus liebt ihn und überhäuft ihn mit seinen Gnaden, wie die Jungfrau Maria besonders wegen ihrer Demut so hoch erhob.

 

3. Schon in diesem Leben belohnt Gott die Tugend der Demut, am meisten aber im Himmel. Der Herr sagt: „Wer immer sich verdemütigt, wie dieses Kind, der ist der Größte im Himmelreich.“ „Wenn jemand der Erste sein will, so sei er der Letzte von allen und der Diener aller.“ (Mk 9,34) So ist die Demut der Maßstab für die Größe im Himmelreich. Je kleiner wir in unseren Augen und in den Augen der Welt zu sein uns bemühen, desto größer werden wir sein vor Gott im Himmel. Möchten wir unserem Ehrgeiz die Richtung zum Himmel geben. Groß sein wollen im Himmel ist ein edler, heiliger Ehrgeiz, zu dem uns Christus selbst auffordert: „Seid vollkommen, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist.“ Das Mittel zu dieser Vollkommenheit liegt in unserer Hand: Je demütiger, desto größer. Handeln wir nach diesem Grundsatz, so kann ein guter Erfolg nicht ausbleiben. „Wahrlich, ich sage euch: wer sich also verdemütigt, wie dieses Kind, wird der Größte im Himmelreich sein.“ Gibt es auch in der Welt ein so untrügliches Mittel, um groß zu werden? Warum lieben fast alle die Eitelkeit und gehen Trugbildern nach? „Lernt von mir, ruft Jesus, denn ich bin sanftmütig und demütig von Herzen.“ Ja, Herr, dir wollen wir folgen und uns in diesem Leben recht erniedrigen, damit wir einst erhöht werden. Amen.