Bekenntnis des Glaubens

 

Wir können Gott nie genug danken für die Gnade, dass er uns zum wahren Glauben berufen hat, denn „ohne den Glauben ist es unmöglich, Gott zu gefallen und selig zu werden.“ (Hebr 2,6) Preisen wir unser Glück, dass wir uns im Schoß der Kirche befinden, die den wahren Glauben als den kostbaren Schatz treu und unverfälscht bewahrt hat. Soll uns aber der Glaube zum Heil führen, dann genügt es nicht, dass wir ihn im Herzen bewahren, wir müssen ihn auch offen und freudig bekennen, „denn – schreibt der Apostel – mit dem Herzen glaubt man zur Gerechtigkeit, mit dem Mund aber geschieht das Bekenntnis zur Seligkeit.“ (Röm 10,10) Wir müssen unseren Glauben bekennen:

 

1. so oft es die Ehre Gottes fordert,

2. so oft das Seelenheil des Nächsten dazu verpflichtet,

3. so oft ein kirchliches Gebot es verlangt.

 

1. Wir sind verpflichtet, unseren Glauben zu bekennen, wenn die Ehre Gottes es von uns fordert. Wenn wir von der Obrigkeit nach unseren Glauben befragt werden, dann müssen wir unumwunden, ohne Rückhalt und Zweideutigkeit erklären, dass wir katholische Christen sind, sollten wir deshalb auch das Leben verlieren müssen. Daher hat die Kirche jederzeit diejenigen, die aus Furcht vor dem Tod ihren Glauben verleugneten, als schwere Sünder betrachtet und nur nach langer und strenger Buße wieder in die Gemeinschaft aufgenommen. Als Christus vor dem Hohenrat gefragt wurde, ob er der Sohn des lebendigen Gottes sei, gab er ohne Zögern zur Antwort: „Du hast es gesagt, ich bin es.“ Diesem Beispiel ihres göttlichen Lehrmeisters folgten die Apostel und bekannten vor der Obrigkeit ohne Scheu ihren Glauben. Dasselbe taten die Märtyrer zu allen Zeiten, obgleich ihr Bekenntnis sie dem grausamsten Martertod entgegenführte. Ein Wort, einige Weihrauchkörner, dem heidnischen Götzen hingestreut, hätten genügt, viele Heilige vor dem Martertod zu schützen, aber sie zogen den Tod einer Verleugnung ihres Glaubens vor. Auch wir müssen unseren Glauben unumwunden bekennen trotz allen Gefahren, trotz Hohn und Spott, trotz Verachtung und Verfolgung, damit Gott gegeben werde, was Gottes ist.

 

2. Zum Bekenntnis unseres Glaubens verpflichtet uns auch unser und des Nächsten Seelenheil. Schätzen wir den Glauben als die kostbarste Gabe Gottes, dann dürfen wir auch keine Bedenken tragen, ihn zu bekennen, müssten wir auch Hab und Gut verlieren und selbst unser Leben aufs Spiel setzen. „Wer mich vor den Menschen bekennt, den will ich auch bekennen vor meinem Vater, der im Himmel ist; wer mich aber vor den Menschen verleugnet, den will ich auch verleugnen vor meinem Vater, der im Himmel ist“, spricht die ewige Wahrheit. Was für ein Ärgernis würde die Verleugnung des Glaubens auch den Mitmenschen bereiten. Wir sollen dem Gebot der Liebe gemäß die Schwachen stärken, die Verfolgten trösten, die Irrenden und Ungläubigen auf einen besseren Weg führen. Hüten wir uns darum, etwas zu tun, was den Glauben anderer gefährden und zerstören könnte.

 

3. Wir müssen unseren Glauben bekennen, so oft der Nutzen oder ein Gebot der Kirche es verlangt. Kommst du in eine Gesellschaft, wo man den Glauben der Kirche verspottet und als Fabel verwirft, wo man alles Heilige in den Kot zieht, da gilt es, den Gottlosen offen die Stirn zu bieten und die Wahrheit und Gebräuche des Christentums zu verteidigen. Warum sollten wir uns auch unseres Glaubens schämen? Ist es eine Schande, das zu glauben, dass Gottes eingeborener Sohn uns gelehrt hat, was seine Heilsanstalt, die eine Säule und Grundfeste der Wahrheit ist, uns zu glauben vorhält? Ist es schimpflich, das zu glauben, was die frömmsten, erleuchtetsten und gelehrtesten Männer und Frauen voll Ehrfurcht für wahr gehalten, worin die edelsten Menschen ihr größtes Glück und ihren höchsten Ruhm gefunden haben? Warum sollten wir uns schämen vor Menschen, die nur darum ungläubig sind, weil ihnen der Mut und die Lust fehlt, die Fesseln ihrer sündhaften Leidenschaften zu brechen und einen ehrbaren Lebenswandel zu führen, wie der Glaube es von uns verlangt? Nein, schämen wir uns des Glaubens nie, vielmehr bekennen wir ihn frei und offen, wie die Heiligen es getan haben, damit wir einst auch an ihrem Triumphzug teilnehmen mögen. Amen.